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Rezension: Abgeschaffte Mütter?

Das Sachbuch von Alina Bronsky und Denise Wilk ist sehr populär gehalten. Das ist einerseits gut, weil die Autorinnen viele wichtige Punkte ansprechen, die dringend gesellschaftlich diskutiert und geändert gehören. Andererseits ist es schlecht, weil sie an einigen Punkten die gebotene Genauigkeit vermissen lassen und in eine Anekdoten-Aneinanderreihung verfallen, die nichts beweist, als dass Bronsky und Wilk mit vielen verunsicherten Schwangeren und Müttern gesprochen haben. Nach einer gewissen Seitenzahl dürfte den meisten LeserInnen der Ton rechtschaffener Empörung auf die Nerven gehen. Andererseits beschert einem die Lektüre die schöne neue Vokabel „Anleitungshörigkeit“, die das Phänomen beschreibt, dass Schwangere und Mütter derart verunsichert werden, dass sie ohne Beratung und Anleitung gar nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Ausführlich kritisieren sie die auf Risikokonzepten basierende Schwangerenversorgung und die Zurückdrängung der Hebammen. Aber: Die Antifeministin, „Lebensschützerin“ und CDU-Rechtsaußen Birgit Kelle zustimmend zu zitieren, das geht gar nicht.

Kirsten Achtelik

➤  Alina Bronsky, Denise Wilk: Die Abschaffung der Mutter. Kontrolliert, manipuliert und abkassiert - warum es so nicht weitergehen darf. DVA (2016), 252 Seiten, 17,99 Euro, ISBN 978-3-421-04726-7.

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Juni 2016
S. 44