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Rezension: Der gentechnische Imperativ

Rüdiger Trojok gehört im deutschsprachigen Raum zu den bekanntesten Biohackern. Er ist also ein Vertreter dieser Spezies von Menschen, die sich aus Spaß an der Freud in selbstverwalteten Räumen Labore oder Werkstätten einrichten, um biologische, biotechnologische oder medizinische Experimente durchzuführen. Versuche anderer werden nachgekocht oder eigene Forschungen betrieben. Dazu hat Trojok jetzt ein Handbuch geschrieben, „Biohacking - Gentechnologie für alle“, in dem Theorie und Praxis des Biohacking sehr anschaulich beschrieben werden. Trojok führt uns umfassend ein in die notwendige Wetware und Hardware, die bio-/chemischen wie maschinellen Utensilien, die es dafür braucht. Dazu gibt es eine gehörige Portion von Trojoks unverbesserlichem Optimismus, dass die Probleme der Welt mit bio- und gentechnologischen Was-auch-immers aus dem Bürgerlabor gelöst werden können. In der Sache ist dieser an einen gentechnologischen Imperativ erinnernde Blick auf die Welt sicher nicht immer - wie es in England heißt - meine Tasse Tee, aber interessant zu lesen ist es allemal. Kommt es allerdings auf Themen wie Risikomanagement und Geistiges Eigentum, schlägt Trojoks Optimismus um in laissez faire  oder Gleichgültigkeit - insbesondere gegenüber bereits geführten Diskussionen, die kaum zu über- (besser: unter-) bieten - und kaum zu ertragen - ist.

Christof Potthof

➤  Rüdiger Trojok: Biohacking - Gentechnologie für alle. Franzis-Verlag, 224 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-645-60420-8.

236
Juni 2016
S. 44