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In Bewegung

Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen!

18.000 Menschen kamen am 21. Januar in Berlin zusammen, um mit der siebten „Wir haben es satt!”-Demo gegen Agrarindustrie und für bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft zu demonstrieren. Angeführt vom Block der jungen Bäuerinnen und Bauern zogen sie vom Potsdamer Platz kreuz und quer durchs Regierungsviertel, um am Ende vor dem Brandenburger Tor die Abschlusskundgebung zu veranstalten. Im Zentrum der Kritik standen in diesem Jahr die Agrar-Konzerne, beherrschen die aktuellen Fusions- und Übernahmepläne doch weite Teile der aktuellen Debatten. Allen voran gilt dies natürlich für die Übernahme von Monsanto durch Bayer. Mit von der Partie waren in diesem Jahr auch über hundert Bäuerinnen und Bauern, die mit ihren Traktoren ins Zentrum Berlins gekommen waren. Das Gen-ethische Netzwerk war eine von vielen großen und kleinen Trägerorganisationen der Demo.

 

Kritik an Migrationsforschung

Das Netzwerk für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung (kritnet) hat im Dezember einen Offenen Brief veröffentlicht. Darin kritisieren sie einen Call for Paper, in dem MigrationsforscherInnen dazu aufgefordert werden, Beiträge zu einer Tagung einzureichen. Die Tagung will die „Fertilität“ von MigrantInnen in den Blick nehmen und deren Entwicklung über die nachfolgenden Generationen untersuchen. Kritnet bezeichnet diese Fragestellung sowie ihren demografiepolitischen Bezugsrahmen als „hochgradig problematisch“, denn eine solche Forschungsausrichtung bette sich in nationalistische und rassistische Perspektiven auf Migration ein. Außerdem befördere der demografische Blick auf eine von der deutschen Durchschnittsnorm abweichende „migrantische Fertilität“ rassistische Blickrichtungen und Ressentiments. In ihrer Antwort auf den Offenen Brief weisen die Veranstalter_innen der Tagung die Kritik von sich und werfen im Gegenzug Kritnet vor, „stereotype, klischeehafte Vorstellungen von sozialwissenschaftlicher Bevölkerungsforschung“ zu reproduzieren. Die Tagung wurde vom Institut für Soziologie der Universität Hannover gemeinsam mit dem ungarischen Demographic Research Institute organisiert. Sie fand Anfang Februar, während der Endredaktion an diesem GID, in Hannover statt. Ob der Offene Brief vor Ort zu kontroversen Diskussionen gesorgt hat, ist nicht bekannt.

➤ Der Offene Brief findet sich unter www.kritnet.org/2016/demografie-und-rassismus.

➤ Die Antwort der Veranstalter_innen unter www.ish.uni-hannover.de/mmf-letter.html.

 

Einspruch gegen „Kinderwunsch Tage“

In einer Pressemitteilung kritisierte der Verein Spenderkinder eine fragwürdige Veranstaltung, bei der internationale Reproduktionszentren ihr Angebot vorstellen. Die Kinderwunsch Tage (18./19.02. in Berlin) werden vom britischen Messeveranstalter f2f Events organisiert und sollen Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch über in Deutschland zum Teil verbotene Verfahren informieren. Spenderkinder setzt sich für die Rechte und Bedürfnisse von Menschen ein, die durch Keimzellspenden entstanden sind. Der Verein kritisiert, dass Aussteller wie die spanische Reproduktionsklinik IVFSpainAlicante, die tschechische Reproduktionsklinik Karlsbad Fertility sowie die US-amerikanische Reproduktionsklinik OregonReproductiveMedicine unter anderem „Eizellspende” und die Vermittlung von „Leihmüttern” anbieten. Beides verstößt gegen das deutsche Embryonenschutzgesetz. Die spanische und die tschechische Klinik weisen außerdem auf die Anonymität ihrer SpenderInnen hin, was dem in Deutschland geltenden Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung deutlich widerspricht. Laut einem Artikel in der Welt haben sich die Veranstalter intensiv juristisch abgesichert und beteuern, dass die Messe keine „Verkaufsshow” sei, sondern einen „rein aufklärerischen und informativen Charakter” hätte. Die PR-Beraterin des Veranstalters gibt jedoch ohne Scheu zu, dass die Kinderwunsch Tage „Druck auf den Gesetzgeber” aufbauen sollen, die deutsche Gesetzeslage zu liberalisieren. Die Messe wird trotz der Kritik stattfinden, denn es gäbe keine rechtliche Handhabe, die Messe vorab zu untersagen, ließ ein Sprecher der Berliner Gesundheitsverwaltung verlauten.

➤ Pressemitteilung Spenderkinder, 05.01.17, www.spenderkinder.de.

➤ Welt-Artikel, 15.01.17, www.welt.de/politik/deutschland/article161139605.

 

Protest gegen Gates

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will die Bill and Melinda Gates Stiftung in ihr Verwaltungsgremium aufnehmen. Dagegen äußern dreißig internationale Organisationen aus den Bereichen Gesundheitspolitik, Verbraucherschutz und Menschenrechte, darunter die BUKO Pharma-Kampagne und die Menschenrechts-Organisation FIAN, in einem Offenen Brief erhebliche Bedenken. Denn die Gates-Stiftung hat wesentliche Teile ihres Kapitals im Pharmasektor und in der Nahrungs- und Getränkeindustrie investiert. Das ist ein erheblicher Interessenkonflikt, denn sowohl Arzneimittel als auch ungesunde Lebensmittel werden durch die WHO reguliert.

➤ Offener Brief und zugehörige Pressemitteilung sind zu finden unter www.kurzlink.de/gid240_ww.

 

Aktiv gegen Hybridweizen

Um gegen die öffentliche Förderung der Entwicklung von Hybridweizen zu protestieren, haben Aktive der Initiative Aktion Agrar und der Saatgutkampagne auf dem „International Wheat Congress“ mit Zwischenrufen protestiert. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und die von den G20 ins Leben gerufene Wheat Initiative hatten zu diesem Kongress im Dezember nach Frankfurt eingeladen. Die Bundesregierung fördert die Entwicklung von Hybridweizen aus den Töpfen des Bundesforschungs- und des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

240
Februar 2017
S. 4 - 5