Jump to Navigation

Kurz notiert - Landwirtschaft und Lebensmittel

Gv-Weizen in Großbritannien

Zum ersten Mal seit mehreren Jahren sollen 2017 wieder Freisetzungsversuche mit gentechnisch verändertem (gv) Weizen in der EU stattfinden: In Großbritannien darf eine Forschungsgruppe des Agrarforschungszentrums Rothamsted Research auf einer Fläche von etwa 240 Quadratmetern gv-Weizen aussäen, bei dem der Photosynthese-Prozess effizienter ablaufen soll als bei konventionellen Weizenpflanzen. Das eingesetzte Markergen sorgt dafür, dass der Weizen zusätzlich eine Toleranz gegenüber dem Bayer-Herbizid Glufosinat aufweist. Der Versuch ist bis Ende 2019 genehmigt. Mehrere Nichtregierungsorganisationen hatten sich beim zuständigen Ministerium gegen die Versuchsgenehmigung ausgesprochen. Sie kritisieren die ökologischen Auswirkungen sowie die Vorstellung, dass eine Verbesserung der Photosynthese-Leistung die zukünftige Lebensmittelsicherheit gewährleisten würde. Auch in Spanien könnte eine Freisetzung von gv-Weizen stattfinden. Das spanische Unternehmen IDEN Biotechnology will dort auf einer Fläche von einem halben Hektar eine Sorte vermehren, die gegen Glufosinat tolerant ist und auch unter Dürre-Bedingungen und anderem Umweltstress gut wachsen können soll. (PM Rothamsted Research, 01.02.17, www.rothamsted.ac.uk; PM GM Freeze, 01.02.17, www.gmfreeze.org; GVO-Register der EU-Kommission, 05.02.15, gmoinfo.jrc.ec.europa.eu) (ab)

 

Gene Drive mit Lücken

Aktuelle Versuche zeigen, dass der Gene Drive-Mechanismus weniger wirksam ist als bisher gedacht. Mit Gene Drive sollen gentechnische Veränderungen in einer Population deutlich schneller verbreitet werden, als dies über normale geschlechtliche Vererbung passiert. Der Mechanismus beruht auf dem Einbau eines vererbbaren Genome Editing-Mechanismus (CRISPR-Cas), der bestimmte Gensequenzen im Organismus ausfindig machen und diese verändern soll. Derzeit finden in Italien Semifreilandversuche statt, bei denen die Wirksamkeit des Gene Drive an Mücken getestet wird, die sich in einem großen Käfig befinden. Bei den Versuchen treten technische Probleme zutage, die bei den bisherigen Tests im Labor nicht aufgetreten sind: Evolutionäre Prozesse sorgen dafür, dass die Übertragung der gentechnischen Veränderung innerhalb der Population verlangsamt wird. Denn durch CRISPR-Cas selbst würden Resistenzen entstehen. CRISPR-Cas zerschneidet die angesteuerte Sequenz und es besteht die Möglichkeit, dass zellinterne Mechanismen diese nur leicht verändern, das Gen aber nicht inaktivieren. Diese Sequenz würde in nachfolgenden Generationen dann nicht mehr von CRIPSR-Cas erkannt - der Gene Drive-Mechanismus würde also nicht mehr greifen. Beim Entlassen der Mücken ins Freiland sei zudem davon auszugehen, dass aufgrund der größeren genetischen Variation in Wildpopulationen nicht jedes Individuum einer Population überhaupt über die genaue Gensequenz verfüge, die verändert werden soll. (Nature 542, 02.02.17, www.nature.com, doi:10.1038/542015a; Spektrum.de, 01.02.17) (ab/ib)

 

Gv-Moskitos

Der in Florida geplante Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten (gv) Moskitos des Unternehmens Oxitec, das zum Biotech-Konglomerat Intrexon gehört, wird nicht wie geplant stattfinden. Diese Entscheidung traf das zuständige Gremium, nachdem sich die Mehrheit der EinwohnerInnen der betroffenen Gemeinde in einem Referendum im November gegen den Versuch ausgesprochen hatten. Intrexon plant jedoch, die Durchführung des Versuchs in einem Nachbarort zu beantragen. Die Moskitos der Art Aedes aegypti sind gentechnisch so manipuliert worden, dass die Männchen nur einige Tage außerhalb des Labors überleben. In dieser Zeit sollen sie sich mit wildlebenden Weibchen paaren. Der so entstehende Nachwuchs ist nicht überlebensfähig. Auf diese Weise soll die natürliche Moskitopopulation deutlich reduziert und die Übertragung bestimmter Krankheiten verringert werden, so die Behauptung des Unternehmens. Nach eigenen Angaben hat Oxitec weltweit bereits fünf Freisetzungsversuche mit gv-Moskitos durchgeführt. Am weitesten fortgeschritten ist die Entwicklung in Brasilien, wo im Oktober letzten Jahres eine Anlage in Betrieb genommen wurde, in der pro Woche 60 Millionen gv-Moskitos hergestellt werden. Im Januar gab Intrexon bekannt, gemeinsam mit einem indischen Unternehmen auch in Indien Freisetzungsversuche durchführen zu wollen. Im Mittelmeerraum will das Unternehmen außerdem bald Freisetzungsversuche mit gv-Fruchtfliegen durchführen. (PM Oxitec, 26.10.16, 21.11.16, 12.12.16, 23.01.17, www.dna.com; Center for Food Safety, 07.12.16, www.centerforfoodsafety.org) (ab)

 

Patente auf gv-Moskitos

Das Europäische Patentamt hat dem Unternehmen Oxitec im Dezember ein Patent auf gentechnisch veränderte (gv) Insekten erteilt (EP 1984512). Das Patent bezieht sich auf ein Verfahren, die Genexpression insbesondere von letal wirkenden Proteinen geschlechtsspezifisch zu steuern. Bei einer Paarung von gv-Insekten und Wildformen wird das tödlich wirkende Protein im Frühstadium beim Nachkommen produziert. Die Patentansprüche erstrecken sich ebenso auf die gentechnisch veränderten Tiere. In dem Patent werden Dutzende von Fliegen-, Mücken-, Käfer- und Schmetterlingsarten aufgezählt. Mehrere dieser Arten treten als Schädlinge in der Landwirtschaft auf, andere übertragen Krankheiten. Der Patentschrift zufolge sollen die natürlichen Populationen dieser Insektenarten reduziert oder sogar ausgerottet werden. Kritiker befürchten unkalkulierbare Risiken für Mensch und Umwelt durch die massenhafte Freisetzung von gv-Insekten. (PM Testbiotech 17.12.16, www.testbiotech.org) (ab/bp)

 

Keine Patente auf Bier!

Mehrere Nichtregierungsorganisationen haben Einspruch gegen zwei Patente eingereicht, die den Brauereikonzernen Carlsberg und Heineken gemeinsam gehören (EP 2384110 und EP 2373154). Die Patente sind 2016 vom Europäischen Patentamt erteilt worden. Sie erstrecken sich auf Gerste aus konventioneller Züchtung und deren Verwendung durch Brauereien sowie das damit produzierte Bier. Die Einsprechenden gehen davon aus, dass die Gerste unter das Verbot der Patentierung von konventioneller Züchtung fällt. Demnach sind nur Verfahren zur gentechnischen Veränderung patentierbar. Dagegen darf konventionelle Züchtung, die auf gängigen Verfahren wie Kreuzung und Selektion und der Nutzung zufälliger Mutationen beruht, nicht patentiert werden. Erst jüngst hatte die Europäische Kommission bestätigt, dass sowohl die Verfahren der konventionellen Züchtung als auch die daraus resultierenden Pflanzen und Tiere nicht patentiert werden dürfen. (PM No Patents on Seeds, 20.01.17, www.no-patents-on-seeds.org) (ab)

 

Glyphosat verbieten: EBI gestartet

Ende Januar ist eine Europäische Bürgerinitiative zum Verbot von Glyphosat von der Europäischen Kommission registriert worden. Die Initiative wird von zahlreichen Nichtregierungsorganisationen - darunter Campact, Greenpeace, Pesticide Action Network, Umweltinstitut München - getragen und will ein EU-weites Verbot aller glyphosat-basierten Herbizide erreichen. Außerdem fordert sie eine Industrie-unabhängige Bewertung von Pestiziden sowie die Formulierung EU-weiter verbindlicher Ziele für die Pestizidreduktion. Werden innerhalb eines Jahres eine Million Unterschriften in der EU gesammelt sowie das nötige Länderquorum in mindestens sieben Staaten erreicht, muss die EU-Kommission die Forderungen diskutieren. Die endgültige Entscheidung über die Neu-Zulassung von Glyphosat soll bis Ende 2017 fallen. (www.stopglyphosate.org; siehe auch in diesem Heft S. 43) (bp/ab)

 

Glyphosat erzeugt Krebs - in Kalifornien

Die Behörden des US-Bundesstaates Kalifornien dürfen Monsanto dazu verpflichten, Verpackungen seines Herbizids Roundup mit einer Krebswarnung zu versehen. Das urteilte ein kalifornisches Gericht Ende Januar. Roundup basiert auf dem Wirkstoff Glyphosat, den die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO als wahrscheinlich krebserzeugend einstufte. Bereits im vergangenen Jahr war eine entsprechende Regelung eingeführt worden, gegen die Monsanto jedoch Klage erhoben hat. Möglicherweise geht der Gerichtsstreit nun in eine weitere Runde. (Reuters, 31.01.17, www.reuters.com) (ab)

 

USA: Einspruch gegen Dicamba

Ende Januar legten mehrere Landwirtschafts- und Umweltschutzgruppen aus den USA Einspruch gegen die Zulassung des Pestizids XtendiMax (Wirkstoff: Dicamba) von Monsanto ein, das im vergangenen Jahr von der zuständigen Umweltschutzbehörde EPA zugelassen wurde. Es ist für den Einsatz bei Monsantos gentechnisch veränderten (gv) Mais- und Sojasorten vorgesehen, die gegenüber Dicamba tolerant sind, und kann somit nicht nur vor der Aussaat, sondern auch während des Anbaus angewendet werden. Dicamba wird mit erhöhten Krebsraten unter LandwirtInnen sowie mit Geburtsschäden in Verbindung gebracht und driftet zudem leicht auf benachbarte Felder ab. Die klagenden Organisationen weisen darauf hin, dass die Dicamba-Anwendungen auf mehr als das Zehnfache ansteigen werden. (PM Center for Food Safety, 23.01.17, www.centerforfoodsafety.org; siehe auch Kurz notiert im GID 239, S. 24, „Klage gegen Monsanto") (ab)

 

USA: gv-Gras genehmigt

Das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA hat im Januar eine gentechnisch veränderte (gv) Grassorte zugelassen („creeping bentgrass”, Event ASR368). Das gv-Gras wurde von Monsanto zusammen mit dem Unternehmen Scotts Company entwickelt. Es ist tolerant gegenüber dem Herbizid Glyphosat und war ursprünglich für die Verwendung auf Golfplätzen und anderen nicht-landwirtschaftlichen Flächen vorgesehen. Bereits im Jahr 2003 kam es im Rahmen von Freisetzungsversuchen zu den ersten Auskreuzungen, mittlerweile wuchert das Gras unkontrolliert als hartnäckiges Unkraut auf landwirtschaftlichen Flächen, an Flussbänken und Bewässerungsgräben in den US-Bundesstaaten Oregon und Idaho. Für die dadurch entstehenden Schäden mussten bisher unter anderem auch Monsanto und Scotts haften - dies hat sich nun geändert: In Zukunft ist es alleinige Sache der Landwirte und LandbesitzerInnen, das Unkraut zu bekämpfen. Umwelt- Naturschutz- und Landwirtschaftsverbände üben scharfe Kritik an der Entscheidung des Ministeriums und prüfen rechtliche Schritte. KritikerInnen weisen zudem darauf hin, dass der Zulassungsantrag, der erst im September eingereicht wurde, in beispielloser Geschwindigkeit genehmigt worden ist. Frühere Anträge waren aufgrund der Auskreuzungen immer negativ beschieden worden. Eine kommerzielle Vermarktung der Grassorte ist nach Aussage der Unternehmen bis auf Weiteres nicht geplant. (Center for Food Safety, 17.01.17, www.centerforfoodsafety.org; Newsweek, 31.01.17, europe.newsweek.com) (ab)

 

USA: Neue Biotech-Regulierung

US-amerikanische Behörden haben am 18. Januar - zwei Tage vor dem Ende der Obama-Administration - Entwürfe für neue Biotech-Regulierungen vorgelegt. Nach Darstellung des Wissenschaftsmagazins Nature sieht einer dieser Entwürfe vor, dass gentechnisch veränderte Tiere grundsätzlich daraufhin untersucht werden, ob sie sicher sind und ob die gentechnische Veränderung die erwarteten Effekte zeigt. Das Verfahren soll dem heute schon üblichen Verfahren für Medikamente ähnlich sein. Darunter sollen auch solche Tiere fallen, die mit den neuen Gentechnik-Verfahren hergestellt worden sind. Pflanzen, die mit diesen Methoden gentechnisch verändert wurden, sollen demgegenüber scheinbar nicht reguliert werden. Das geht zumindest aus einem Kommentar des Verbandes der US-amerikanischen Saatgut-Verbandes ASTA hervor (American Seed Trade Association). Die ASTA hatte sich gegen eine Regulierung von diesen Pflanzen ausgesprochen und zeigte sich entsprechend zufrieden mit dem aktuellen Stand der Entwürfe. Die Entwürfe sind Teil einer grundsätzlichen Novellierung des Regulierungsrahmens für Biotechnologien in den USA. Derzeit ist offen, wie die Trump-Administration mit dem Prozess der Novellierung verfahren wird. (Nature, 19.01.17, doi: 10.1038/nature.2017.21331; ASTA, 18.01.17, www.betterseed.org) (pau)

 

Weiter kein gv-Senföl in indischen Küchen

Verpasst Europa den Zug zum Anbau gentechnisch veränderter (gv) Lebensmittel, springen, so heißt es, Schwellenländer auf. Indien nicht: Betrugsvorwürfe gegen Pflanzengenetiker der Universität von Dehli verhindern jetzt die Zulassung von gv-Senf. Beim höchsten indischen Gericht, dem Supreme Court, ist kein Ende der Verhandlung in Sicht. Klägerin Aruna Rodrigues stützt ihre Vorwürfe auf die nachweislich falsche Behauptung, die gv-Senfsaaten brächten Ertragssteigerungen von 25 bis 30 Prozent gegenüber konventionellen Sorten. Die Annahme der Klage durch das höchste indische Gericht am 7. Oktober 2016 verleiht zwei anderen dort liegenden Fällen neue Aufmerksamkeit. Seit 2004 wird für ein transparenteres Regulierungssystem für gv-Nutzpflanzen, seit 2006 - ebenfalls von Aruna Rodrigues - für ein nationales Moratorium geklagt. (Nature 541, 19.01.17, www.nature.com, doi:10.1038/541267a) (hp)

 

Kuba: Anbau von gv-Mais und gv-Soja droht

Kuba strebt weiter nach Autarkie: Dass die meisten Lebensmittel importiert werden, wurde der Regierung letzten Sommer zu teuer. Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen - zunächst Mais und Soja - sollen Abhilfe schaffen, berichtet jetzt Deutsche Welle online. Ab Frühjahr 2017 könnte „auf größeren Flächen“ mit dem Anbau begonnen werden, sollten die „nötigen Tests“ bei den kubanischen Behörden als „erfolgreich“ abgeschlossen gelten. Dies sagt Mario Estrada, Leiter der Landwirtschaftsabteilung im kubanischen Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie in der Tageszeitung Granma. Seit 1996 gibt es Versuche mit gv-Nutzpflanzen auf Kuba - eine zivilgesellschaftliche Debatte darüber fand bisher kaum statt. (Deutsche Welle, 10.01.17, www.dw.com) (hp)

 

Mexiko auch weiterhin gentechnikfrei

Ein mexikanisches Gericht hat im Januar entschieden, das Moratorium auf gentechnisch veränderten (gv) Mais aufrechtzuerhalten. Der von Monsanto bereits vor Jahren eingereichte Antrag, gv-Mais kommerziell im Land anbauen zu dürfen, wird somit weiterhin nicht genehmigt. Mexiko importiert gv-Mais aus den USA für die Verwendung als Tierfutter; der für den menschlichen Konsum vorgesehene Mais hingegen wird im Land selbst angebaut. Angesichts der angekündigten Handelspolitik des neuen US-Präsidenten Trump mehren sich derzeit in Mexiko jedoch die Forderungen, alternative Quellen für den Mais-Import in Südamerika zu suchen. Eine Monsanto-Sprecherin kommentierte die Entscheidung des Gerichts sowie die anhaltende Skepsis der Bevölkerung gegenüber der Agrogentechnik damit, dass Monsanto „einen Fehler gemacht" habe: „18 Jahre lang haben wir den Konsumten nicht erklärt, was Biotechnologie ist, wozu sie gut ist und warum sie sicher ist." (Reuters, 31.01.17, www.reuters.com) (ab)

 

Burkina-Faso: Bessere Baumwoll-Ernte

Offiziellen Prognosen zufolge sollen im westafrikanischen Burkina-Faso in dieser Saison 750.000 Tonnen Baumwolle geerntet werden. Die Ernte wird damit bedeutend höher ausfallen als im Vorjahr, als 600.000 Tonnen geerntet wurden. Damals handelte es sich noch zum überwiegenden Teil um gentechnisch veränderte Baumwollsorten des Konzerns Monsanto. Diese sind im April 2016 vom Markt genommen worden, da sie auch für die gesunkene Qualität der Baumwollfasern verantwortlich gemacht wurden. Die Baumwollproduzenten fordern seitdem eine Entschädigung von 78 Millionen US-Dollar vom Gentechnik-Riesen. Diese Saison sei nun auch die Faserqualität höher als im Vorjahr, so der Landwirtschaftsminister während eines Europa-Besuches. (Reuters, 16.01.17, www.reuters.com) (ab)

 

Intacta vor dem EuGH

Der Europäische Gerichtshof hat im Dezember 2016 eine Klage von Testbiotech und anderen Nichtregierungsorganisationen abgewiesen. Diese hatten bereits 2012 eine Beschwerde gegen die Entscheidung der EU-Kommission eingelegt, die gentechnisch veränderte Sojasorte Intacta von Monsanto für eine Verwendung als Lebens- und Futtermittel in der EU zuzulassen. Diese Beschwerde war bereits 2013 zurückgewiesen worden, wogegen die Organisationen Klage einreichten. Zum ersten Mal wurde ein Gerichtsurteil auf Grundlage der Aarhus-Konvention gefällt. Diese ermöglicht es Nichtregierungsorganisationen, administrative Entscheidungen überprüfen zu lassen. Das Gericht sah es jedoch nicht als erwiesen an, dass bei der Entscheidung der Europäischen Kommission Fehler aufgetreten seien. (PM Testbiotech, 15.12.16, www.testbiotech.org; EuGH, 15.12.16, http://curia.europa.eu) (bp)

 

EU-Zulassungen

Die EU-Mitgliedstaaten haben keine ausreichende Mehrheit für oder gegen die Zulassung der gentechnisch veränderten Maissorten MON810 (Monsanto), Bt11 (Syngenta) und 1507 (Dupont Pioneer) erreicht. Bei der Sitzung des zuständigen Ausschusses Ende Januar stimmten 13 der 28 EU-Mitgliedstaaten gegen die erstmalige Zulassung von Bt11 und 1507 für den Import und die Verwendung als Futter- und Lebensmittel. Zwölf EU-Mitgliedstaaten stimmten gegen die erneute Bestätigung der Zulassung der Sorte MON810, die bereits 1998 erstmals angebaut werden durfte. Deutschland hat sich wie erwartet enthalten. Grund dafür sind die anhaltenden Differenzen zwischen CDU/CSU einerseits und dem von Barbara Hendricks (SPD) geführten Umweltministerium andererseits. Wenn auch eine zweite Abstimmung keine qualifizierte Mehrheit zustande bringt, liegt die Entscheidung bei der EU-Kommission. Alle gv-Sorten sind giftig gegenüber bestimmten Schadinsekten, Bt11 und 1507 sind außerdem tolerant gegenüber dem Bayer-Herbizid Glufosinat. (Informationsdienst Gentechnik, 27.01.17, www.keine-gentechnik.de; PM Testbiotech, 27.01.17, www.testbiotech.org) (ab)

 

Gv-Mais substantiell verschieden

Die gentechnisch veränderte (gv) Maissorte NK603 unterscheidet sich hinsichtlich ihrer genetischen Merkmale signifikant von ihrer konventionellen Ausgangssorte. Das ist das Ergebnis einer Studie, die eine Forschungsgruppe vom King's Kollege London und dem norwegischen Genøk, unter Beteiligung des französischen Molekularbiologen Gilles-Eric Séralini, Ende letzten Jahres in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte. Die ForscherInnen unterzogen die Pflanzen einer Reihe von neueren molekularen, so genannten Omics-Methoden. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass sie sich in zahlreichen Merkmalen wie beispielsweise in der Protein-Zusammensetzung unterschieden und dementsprechend nicht als „substantiell äquivalent”, also im Wesentlichen gleichwertig, angesehen werden können. Die substantielle Äquivalenz stellt in vielen Ländern eine Voraussetzung für die Zulassung von gv-Pflanzen dar; die Schwammigkeit und Uneindeutigkeit dieses Konzeptes wird jedoch seit Langem kritisiert. (Scientific Reports, 19.12.16, www.nature.com, doi:10.1038/srep37855) (ab)

240
Februar 2017
S. 20 - 22