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Kurz notiert - Politik und Wirtschaft

Gentech-Forschung: Interessenkonflikte

Bei der Forschung zu gentechnisch veränderten (gv) insektengiftigen Pflanzen sind Interessenkonflikte zwischen den WissenschaftlerInnen und der Gentechnik-Industrie weit verbreitet. Dies hat deutliche Auswirkungen auf die Studienergebnisse: Mehr als jede zweite Studie, an der ein Wissenschaftler der Industrie beteiligt war oder die mit Hilfe von Industrie-Geldern durchgeführt wurde, kommt zu einem für die Industrie vorteilhaften Ergebnis (123 von 229). Bei Studien ohne derartige Interessenkonflikte gilt das nur für jede dritte Studie (126 von 350). Das geht aus einer Publikation hervor, die die Fachzeitschrift PLOS One im Dezember veröffenlichte. Ein Forschungsteam um Thomas Guillemaud vom französischen Agrarforschungszentrum INRA sichtete dafür 672 wissenschaftliche Publikationen, die die Wirksamkeit und Beständigkeit von gv-Pflanzen untersuchen, die das Toxin Bacillus thuringiensis (Bt) produzieren und dadurch giftig auf bestimmte Schadinsekten wirken sollen. Neben der Beeinflussung der Ergebnisse weisen die Forscher auf die mangelnde Transparenz hin: Bei 13 Prozent der Publikationen war es ihnen aufgrund fehlender Angaben der Studienautoren nicht möglich, das Vorliegen von Interessenkonflikten zu beurteilen. So enthält fast ein Viertel der Publikationen keine Angaben zur Finanzierung. Außerdem wurden die Autoren nur daraufhin überprüft, ob sie Angestellte von Gentechnik-Unternehmen sind - eine gelegentliche Beschäftigung als Berater, eine Mitgliedschaft im Aufsichtsrat oder eine gemeinsame Patentinhaberschaft blieben jedoch unberücksichtigt. Das tatsächliche Ausmaß an Interessenkonflikten dürfte daher noch weit größer sein. (Plos One, 15.12.16, journals.plos.org/plosone, doi: 10.1371/journal.pone.0167777) (ab)

 

Gentest-Firmen gründen Lobby-Organisation

Fünf Firmen, die genetische nichtinvasive pränatale Tests anbieten, haben sich in den USA zur Coalition for Access to Prenatal Screening (CAPS) zusammengeschlossen, um den Zugang zu den Tests auf Trisomien zu erleichtern. Die Firmen Illumina, Counsyl, Progenity, Natera und Integrated Genetics wollen die Bekanntheit der Tests unter schwangeren Frauen und die Übernahme durch die Krankenversicherer erhöhen. Dies soll durch Informationsvermittlung, aber auch durch die „Ermunterung zu angemessenen gesetzlichen Maßnahmen“, sprich Lobbyarbeit, geschehen. Allerdings sind nicht alle Anbieter der molekulargenetischen Tests in die Koalition eingetreten, außer Natera verwenden alle Firmen die Sequenziermethode von Illumina. Der Verdacht liegt also nahe, dass die Koalition die Konkurrenten Sequenom und Ariosa vom Markt drängen will. (www.capsprenatal.com, 04.01.17; prenatalinformation.org, 11.01.17) (ka)

 

Pharmalobby als PatientInnenvertretung

Eine Studie vom Project on Government Oversight (POGO) hat aufgedeckt, dass fast alle PatientInnenverbände in den USA von der Pharmaindustrie gesponsort sind. Diese vermeintlich unabhängigen Gruppen sollen die Interessen von PatientInnen in politischen Entscheidungsprozessen stark machen. Doch 39 von 42 Verbänden, die im untersuchten Zeitraum an Diskussionen mit der US-Arzneimittelbehörde FDA zu Medikamenten teilnahmen, erhielten Finanzierung von Pharmaunternehmen. Und viele haben VertreterInnen der Biotech- und Pharmaindustrie in ihren Verwaltungsgremien. Die Ergebnisse sind gerade jetzt besonders brisant, da der US-Kongress im Begriff ist, den 21st Century Cures Act zu beschließen. Dieses Gesetz soll den Zulassungsprozess von neuen Medikamenten zugunsten von Pharmafirmen deutlich erleichtern. Beispielsweise sollen Anwendungsversuche in Zukunft genauso als Wirksamkeitsüberprüfung eines Medikaments zählen, wie es jetzt strikte randomisierte klinische Studien tun. An dem Gesetzesentwurf haben 1.400 LobbyistInnen gearbeitet. Auch PatientInnenverbände waren maßgeblich daran beteiligt. POGO ist eine unabhängige Nichtregierungsorganisation, die Korruption und Fehlverhalten im Politiksystem aufdeckt. (The Intercept_, 01.12.16; POGO, 01.12.16, www.pogo.org) (ib)

 

Lobbyismus: Gesetzentwurf veröffentlicht

Anfang Februar haben die Organisationen LobbyControl und abgeordnetenwatch.de einen Gesetzentwurf für ein Lobby-Transparenzgesetz veröffentlicht. Der Entwurf ist unter Beteiligung der Öffentlichkeit entstanden, eine erste Version stand bereits seit Sommer 2016 im Internet und wurde dort über 400 Mal kommentiert. Durch das Gesetz würden erstmals klare Regeln für LobbyistInnen und Lobby-Organisationen aufgestellt, darunter Verbände, Unternehmen, Agenturen, Kanzleien sowie Nichtregierungsorganisationen. Die wichtigsten Inhalte des Entwurfs sind die Einführung eines verpflichtenden Lobbyregisters, das Angaben zu Budget, Auftraggebern und Politikfeld enthalten soll. Es soll öffentlich im Internet zugänglich sein und eine unabhängige Behörde soll die Angaben prüfen. Falsche oder fehlende Angaben stuft der Gesetzentwurf als Ordnungswidrigkeiten ein, die mit Geldbußen sanktioniert werden können. (Lobbycontrol, 06.02.17, www.lobbycontrol.de; www.lobbyregister.org; siehe auch den Schwerpunkt „Lobbyismus und Interessenpolitik" im GID 238, Oktober 2016) (ab)

 

Bayer-Monsanto: Versprechungen

Auch nach der Übernahme von Monsanto durch Bayer soll das Zentrum der gemeinsamen Saatgutentwicklung am Standort St. Louis im US-Bundesstaat Missouri verortet sein. Das bekräftigten die Unternehmen in einer Pressemitteilung anlässlich eines persönlichen Treffens der Firmen-Manager mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump. Diese warben im Gespräch mit zahlreichen Versprechungen um die Zustimmung der USA zur Übernahme. Unter anderem stellten sie in Aussicht, im Laufe der nächsten sechs Jahre etwa 16 Milliarden US-Dollar in Forschung und Entwicklung zu investieren, die Hälfte davon in den USA. Auch sollten „mehrere tausend gutbezahlte Arbeitsplätze” entstehen, wenn „die Eingliederung vollständig abgeschlossen ist”. In den USA muss die Übernahme neben den Kartellbehörden auch der Ausschuss für Auslandsinvestitionen (CFIUS) genehmigen, der die Auswirkungen auf die nationale Sicherheit überprüft. Bayer geht davon aus, das Geschäft noch in diesem Jahr abschließen zu können. (PM Monsanto, 17.01.17, news.monsanto.com; Tagesspiegel, 22.01.17, www.tagesspiegel.de) (ab)

 

ChemChina will Syngenta

Das chinesische Staatsunternehmen ChemChina ist zu Zugeständnissen an die EU-Wettbewerbsbehörde bereit, um die Genehmigung des Kaufs des schweizerischen Agrarkonzerns Syngenta zu erwirken. Die 43 Milliarden Dollar schwere Übernahme wäre der bislang größte Auslandszukauf eines chinesischen Unternehmens überhaupt. Die Prüffrist der Behörde von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager für ihre „eingehende Untersuchung“ läuft bis zum 12. April dieses Jahres. Überschneidungen zwischen dem Geschäft der ChemChina-Tochter Adama und der Schweizer Syngenta auf dem europäischen Markt für Agrar-Pestizide wurden von der EU bemängelt. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei den Zugeständnissen um Teilverkäufe von Unternehmensbereichen handelt; auch Preisanpassungen könnten eine Rolle spielen. Vermutlich werden einzelne Produkte aus diesem Bereich aus dem Portfolio des neu entstehenden Agrochemieriesen ausgegliedert, um Monopolismusvorwürfe zu entkräften. Einer Reuters-Meldung von Anfang Februar zufolge gehen Brancheninsider davon aus, dass die EU-Kommission bereits im März grünes Licht für die Übernahme geben wird. (PM der EU-Kommission, 28.10.16; FAZ, 10.01.17, www.faz.net; Reuters, 02.02.17, www.reuters.com) (hp)

 

CETA rückt näher

Der Handelsausschuss des EU-Parlaments hat sich Ende Januar für die Ratifizierung und vorläufige Anwendung von CETA, dem geplanten Freihandels- und Investitionsschutzabkommen der EU mit Kanada, ausgesprochen. Von den 41 Ausschussmitgliedern stimmten 25 dafür, 15 dagegen, eine Abgeordnete enthielt sich. Zwei Wochen zuvor hatte sich bereits der Umweltausschuss mehrheitlich für das Abkommen ausgesprochen. Damit stehen die Chancen immer schlechter, dass CETA durch das EU-Parlament gestoppt wird. Die Abstimmung im Plenum ist für Mitte Februar angesetzt. Danach muss CETA jedoch noch von den Parlamenten aller 28 EU-Mitgliedsstaaten abgestimmt werden. In Deutschland ist dies neben dem Bundestag auch der Bundesrat. (Euractiv, 25.01.17, www.euractiv.de; Europäisches Parlament, 12.01.17, 24.01.17, www.europarl.europa.eu) (ab)

 

Lösungswege des Bundeslandwirtschaftsministers?

Im Dezember, zwischen Weihnachten und Neujahr, hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt das sogenannte „Grünbuch“ seines Hauses veröffentlicht. Darin werden - wie es der Minister in seinem Vorwort schreibt - Perspektiven entwickelt und Lösungswege beschrieben. Das Buch sei das Ergebnis eines Dialogprozesses, den der Minister 2015 initiiert habe. Gentechnik in ihrer klassischen Art spielt im Grünbuch keine Rolle. Vielmehr wird einzig die Notwendigkeit der Versorgung mit gentechnikfreier Ware betont, damit unser „Anspruch auf gentechnikfreie Erzeugung“ unterstützt wird. Bezüglich der sogenannten neuen Gentechnik-Verfahren äußern sich AutorInnen offen: „Neue Züchtungstechnologien in der Landwirtschaft, wie CRISPR/Cas-Technologien, sollen durch Forschungsarbeiten umfassend beurteilt werden.“ Es soll „eine fundierte Beurteilungsbasis geschaffen“ werden. Und weiter: „Wir dürfen uns nicht von allen neuen Entwicklungen abschneiden.“ (PM Bundeslandwirtschaftsministerium, 30.12.16, www.bmel.de; siehe auch den Beitrag „Auf der Suche nach dem Offensichtlichen“ im GID 236, Juni 2016, www.gen-ethisches-netzwerk.de/3306) (pau)

 

DIY-Biologie

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gab im Januar eine Warnung heraus, die die Verwendung von so genannten Do-it-yourself-Kits betrifft. Diese Baukästen enthalten das nötige Zubehör, um das Erbgut von Mikroorganismen mit Hilfe der CRISPR-Cas-Technologie zu verändern. Das BVL weist nun darauf hin, dass die Anwendung der Kits möglicherweise unter das Gentechnikrecht fällt - nämlich dann, wenn gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthalten sind oder diese erzeugt werden. In diesem Fall ist die Anwendung nur in speziellen Laboren erlaubt. Bei Missachtung dieser Vorschrift droht demnach eine Geldbuße von bis zu 50.000 Euro; sollten dabei GVO in die Umwelt entweichen, sei sogar eine Freiheitsstrafe möglich. Die entsprechenden Kits werden von ausländischen Herstellern im Internet verkauft und sind ab einem Preis von etwa 140 Euro erhältlich. (BVL, 25.01.17, www.bvl.bund.de; taz, 02.02.17, www.taz.de) (ab)

 

Berechnung in Kanada: Ersparnisse durch Sterbehilfe

Laut einer Studie, die in der Zeitschrift der kanadischen Ärztekammer veröffentlich wurde, könnte das kanadische Gesundheitssystem mit Sterbehilfe 139 Millionen kanadische Dollar jährlich sparen. Die Autoren, Wissenschaftler der Universität Calgary, benutzten Daten zur Sterbehilfe aus Belgien und den Niederlanden. Sie verrechneten diese mit den aktuellen Kosten für Sterbebegleitung. Auch die potenziellen Ausgaben für assistierten Suizid wurden mit einberechnet. PatientInnen, die von Sterbehilfe Gebrauch machen, könnten auf die „ressourcenintensive Phase am Lebensende“ verzichten, so die Autoren. Sie würden aber nicht vorschlagen, dass Menschen freiwillig euthanasiert werden sollten, um Geld zu sparen. Diese Anmerkung überzeugte KritikerInnen wie den US-amerikanischen Bioethiker Wesley J. Smith nicht. In einem Artikel für den National Review schrieb der Berater der PatientInnenrechtsorganisation Patients Rights Council, die Studie würde ökonomische Anreize für die Euthanasie von PatientInnen setzen. (National Review, 25.01.17; Canadian Medical Association Journal, 23.01.17, doi: 10.1503/cmaj.160650) (ib)

 

Genom-Sequenzierung billiger?

Einer der führenden Hersteller von Sequenzierungsmaschinen, Illumina, hat Anfang Januar angekündigt, bald das ganze Genom für 100 US-Dollar sequenzieren zu können. Dies soll mit neuen Sequenziermaschinen möglich werden, die bereits ab März ausgeliefert werden könnten. Die Systeme NovaSeq5000 und NovaSeq6000 sollen drei mal schneller sein als die jetzige Generation. ExpertInnen äußerten sich jedoch skeptisch: Die wahren Kosten der DNA-Analyse steckten nicht im maschinellen Auslesen der DNA, sondern eben in der Analyse der Daten. Daher bezieht sich auch die angeblich jetzt bereits erreichte Kostengrenze des 1.000-Dollar-Genoms lediglich auf die Rohdaten. Allerdings ist auch hier meist das Exom, also lediglich die Protein-kodierenden Regionen des Genoms gemeint. (www.statnews.com, 11.01.17) (ka)

 

Die eigene Genomsequenz verkaufen

Mitte Dezember stellte das US-amerikanische Start-up Genos sein Geschäftsmodell vor: Für 499 US-Dollar können KundInnen ihr Genom sequenzieren lassen. Das Angebot umfasst das Exom, also den Protein-kodierenden Bereich. Wie andere Anbieter verspricht die Firma ihren KundInnen damit einen Informationsgewinn, obwohl die Daten für Laien schwer interpretierbar sind. Ganz neu ist die Möglichkeit, die eigenen Sequenzierdaten durch eine Online-Plattform von Genos an Forschungsprojekte verkaufen zu können. Fünfzig bis 200 US-Dollar pro Projekt zahlen Forschungseinrichtungen wie das bekannte Broad Institute für ein Paket aus DNA-Sequenzen und Gesundheitsdaten den ProbandInnen. Auch Menschen, die ihre DNA bei anderen Firmen haben sequenzieren lassen, können ihre Daten hochladen und sie verkaufen - ein Ansatz, der in einem Artikel in der Fachzeitschrift Nature Biotechnology gelobt wird. Das Modell würde dazu beitragen, Bedenken über Datenschutz zu senken und das Vertrauen in den Austausch von Daten zu vergrößern. (Wired, 15.12.16; Nature Biotechnology, 10.01.17, doi:10.1038/nbt.3757) (ib)

 

Anonyme Studien-Kommentierung erlaubt

Pubpeer.com, eine Online-Plattform auf der wissenschaftliche Studien anonym begutachtet und kommentiert werden können, hat einen Rechtsstreit gewonnen. Geklagt hatte der Wissenschaftler Fazlul Sarkar. Er hatte nach eigenen Angaben ein Jobangebot durch den Vorwurf der Forschungsfälschung auf der Webseite verloren. Deshalb hatte Sakar vor einem US-amerikanischen Gericht auf die Herausgabe der Identität der kommentierenden Personen geklagt. Das Urteil ist für die Forschungscommunity von großem Interesse, da der so genannte anonyme post publication peer-review (anonyme Begutachtung nach der Publikation) ein viel diskutierter Ansatz ist, für mehr Kontrolle von Forschungsergebnissen zu sorgen. Im Falle Sarkar lagen die Kommentare auf Pubpeer richtig. Sein letzter Arbeitgeber, die Wayne State University, hatte in eigenen Nachforschungen herausgefunden, dass mehr als 40 Publikationen von Sakar gefälschte Ergebnisse enthalten. (Science, 07.12.16, www.sciencemag.com; Retraction Watch, 07.12.16, www.retractionwatch.com) (ib)

 

Kontroverses Preisausschreiben um Medikamentenstudie

Nach Protesten hat sich das Pharmaunternehmen Novartis als Sponsor aus einem fragwürdigen Wettbewerb zurückgezogen. Mit 10.000 US-Dollar sollten wissenschaftliche Studien prämiert werden, die Entresto, ein neues Medikament von Novartis gegen Herzversagen, positiv bewerten. Organisiert wurde der Wettbewerb auf der Online-Plattform Cureus, die Industrie-gesponsorten Inhalt publiziert. Nach Kritik auf dem Kardiologie-Blog Cardiobrief.org zogen sich renommierte WissenschaftlerInnen aus dem GutachterInnengremium zurück. Nachdem auch Novartis als Sponsor absprang, wurde der gesamte Wettbewerb abgesagt. (CardioBrief, 19.12.16, www.cardiobrief.org; Cureus, www.cureus.com/competitions/HFrEF) (ib)

 

Genetischer Fruchtbarkeitstest für Frauen

Das US-amerikanische Unternehmen Celmatix hat mit dem Slogan „Your fertility decoded” (Deine Fruchtbarkeit entschlüsselt) einen genetischen Biomarker-Test auf den Markt gebracht. Als erster Test dieser Art soll er Frauen durch die Messung genetischer Marker im Blut Fruchtbarkeitsprobleme voraussagen können. Der Test mit dem Handelsnamen Fertilome kostet 1.900 US-Dollar und soll von GynäkologInnen verschrieben werden, die dann die Konsequenzen der Ergebnisse mit den Patientinnen beraten sollen. Der Test kann jedoch nur das statistische Risiko für verschiedene Fruchtbarkeitsprobleme berechnen - ob diese tatsächlich bei der Patientin vorliegen, ist nicht gesagt. (Insider, 24.01.17, www.thisisinsider.com) (ib)

 

Verhandlungen mit Wissenschaftsverlagsriesen gescheitert

Seit dem 1. Januar 2017 haben tausende deutsche WissenschaftlerInnen keinen Zugang mehr zu Publikationen des niederländischen Verlagshauses Elsevier. Sie können daher beispielsweise renommierte Fachzeitschriften wie Cell und The Lancet nicht mehr lesen. Ein Konsortium aus hunderten Universitäten, Forschungsinstituten und Bibliotheken hatte 2014 das Bündnis Project DEAL gegründet um gemeinsam mit Elsevier zu verhandeln. DEAL hatte unerfolgreich versucht, das Verlagshaus zu einer Erweiterung seines Open Access-Angebots zu bringen. Damit sind Publikationen gemeint, die ohne Bezahlung im Internet zugänglich sind. Die Institutionen müssen ohne Open Access zwei Mal an Wissenschaftsverlage zahlen: Einmal bei der Publikation und noch einmal über die Abonnements der Fachzeitschriften. Die deutschen Bibliotheken wollen die Zeitschriften nun durch Fernleihe erwerben. Vermutlich werden die WissenschafterInnen auch die illegale Plattform Sci-Hub nutzen, um umsonst an dringend benötigte Fachartikel zu gelangen. (Science, www.sciencemag.org, 22.12.16; Project DEAL, 04.01.17, www.projekt-deal.de) (ib)

 

WissenschaftlerInnen gegen Trump

Spätestens seitdem der US-amerikanische Präsident Donald Trump eine Verfügung unterschrieben hat, die Menschen aus sieben Ländern auch mit Visum und Green Card die Einreise in die USA verbietet, regt sich auch in der wissenschaftlichen Community Protest. Fast 30.000 Menschen haben die Online-Petition „AkademikerInnen gegen die Immigrations-Verfügung“ unterschrieben. Mehr als 4.500 internationale WissenschaftlerInnen haben in einer Solidaritätserklärung dazu aufgerufen, Fachkonferenzen in den USA zu boykottieren. Auch als Protest gegen Trumps anti-wissenschaftliche, „postfaktische“ Haltung soll ein Protestzug von WissenschaftlerInnen zum Weißen Haus stattfinden. Am 22. April wollen sie „aus dem Labor auf die Straße marschieren“. Wie der „Frauenprotestmarsch“ gegen Trump im Januar, soll die Demonstration zusätzlich in mehr als 30 verschiedenen Städten weltweit stattfinden. Auch in Deutschland wollen sich WissenschaftlerInnen beteiligen. (STAT, 01.02.17, www.statnews.com; www.marchforscience.com; www.twitter.com/ScienceMarch GER) (ib)

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Februar 2017
S. 32 - 34