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In Bewegung

WissenschaftlerInnen demonstrieren

Aus Protest gegen die wissenschaftsfeindliche Politik der US-Regierung gingen am 22. April, dem „Tag der Erde“ in den USA tausende WissenschaftlerInnen auf die Straße. Konfrontiert mit Präsident Trump, der den menschlichen Einfluss auf das Klima leugnet und heftige Einschnitte in die Budgets von Gesundheits- und Umweltbehörde plant, forderten sie evidenzbasiertes politisches Handeln. Parallel fanden überall auf der Welt, auch in vielen deutschen Städten, Ableger des March for Science statt. Allein in Berlin waren es laut offiziellen Zahlen 11.000 Menschen, die sich vor dem Brandenburger Tor versammelten. In Deutschland wurde die als Graswurzel-Bewegung gestartete Organisation jedoch offensichtlich schnell von Wissenschaft und Politik als PR-Gelegenheit erkannt. So zählt die lange Liste der UnterstützerInnen neben öffentlichen Forschungsinstituten und Wissenschaftsgesellschaften auch BIO Deutschland (Branchenverband der deutschen Biotechnologie). Entsprechend fehlte der Veranstaltung leider jegliches selbstkritische Moment. In den Reden auf dem Podium wurde von einer grenzenlosen Wissenschaft geschwärmt, ohne auf die vielfältigen Probleme im Wissenschaftsbetrieb einzugehen, die sicher ein Mitgrund sind, warum das öffentliche Vertrauen in angeblich „objektive wissenschaftliche Fakten“ sinkt. Das GeN verteilte zum Anlass Flyer, die Forschende zu mehr Transparenz und Verantwortung aufriefen. Andere Initiativen nutzten die Gelegenheit ebenfalls um kritische Impulse zu setzen. Die NaturwissenschaftlerInnen-Initiative e.V. (NatWiss) protestierte gegen Ökonomisierung der Universitäten und forderte eine Wissenschaft für den Frieden. Auch in anderen europäischen Städten wurde die Gelegenheit zur Kritik genutzt. Beim March for Science in Brüssel beispielsweise protestierte die Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) gegen die antiwissenschaftliche Lobbyarbeit des Konzerns Monsanto.

Den Flyer des GeN können Sie online lesen oder bei uns bestellen.

www.gen-ethisches-netzwerk.de/3537

 

Für einen gerechten Welthandel

Um dem undemokratischen Handelsabkommen TTIP entgegen zu treten, wurde 2013 das Bündnis TTIP unfairhandelbar gegründet. Unser Protest zeigte Wirkung: Handelspolitik wurde wieder zum Thema und die TTIP-Verhandlungen sind - zumindest vorübergehend - gestoppt.* Auch CETA ist noch lange nicht in Sack und Tüten, und auch die Gefahren des geplanten Dienstleistungsabkommen TiSA geraten zunehmend ins Licht der Öffentlichkeit. Das ist ein guter Zeitpunkt, um auch an Alternativen zur aktuellen EU-Handelspolitik zu arbeiten. Daher wurde im April das Netzwerk für einen gerechten Welthandel ins Leben gerufen, in dem TTIP unfairhandelbar aufgeht und dem außerdem weitere Organisationen angehören, die in den letzten Jahren gegen TTIP aktiv waren. Wir wollen die Debatte um eine grundlegende Neuorientierung der europäischen Wirtschafts- und Handelspolitik vorantreiben. Auch das GeN bleibt dabei.

*Oder auch nicht. Kurz vor Redaktionsschluss häufen sich die Berichte darüber, dass die TTIP-Verhandlungen bald wieder aufgenommen werden könnten.

 

Madrid: Feministinnen gegen Surrofair

Am ersten Maiwochenende fand im spanischen Madrid die heftig umstrittene Messe für Leihschwangerschaften Surrofair statt, auf der US-amerikanische, kanadische und ukrainische Reproduktionszentren die Vermittlung von „Leihmüttern“ anboten. Ein neu gegründetes queer-feministisches Netzwerk „gegen die Vermietung der Bäuche“ protestierte dagegen mit einer Kundgebung unter dem Motto „Kauf keine Babys, beute keine Frauen aus!“ Gefordert wurde ein Verbot der Messe. Die Eizellspende ist in Spanien legal und wird auch von deutschen Reproduktionsreisenden genutzt, die Inanspruchnahme oder Vermittlung von Mietschwangeren ist aber verboten. Solche Messen unterstützen die Forderung nach Legalisierung der Mietschwangerschaft. Die AktivstInnen wiesen Forderungen nach einer Freigabe der altruistischen „Leihmutterschaft“ als „Falle“ zurück,  die Sehnsucht nach Kindern dürfe man nicht mit einem Recht gleichsetzen.

 

Proteste bei der Bayer-Hauptversammlung

Drei Fragen an die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG):

Wie bewertet ihr die Protestaktionen rund um die diesjährige Bayer-Hauptversammlung?

Um den erwarteten Protesten anlässlich der geplanten Übernahme von Monsanto zu entgehen, ist der Konzern nach Bonn geflohen und hat dort mit Hilfe eines konstruierten Terror-Szenarios die Hauptversammlung weiträumig abgeriegelt. Die Demo sollte weit von den Eingängen entfernt stattfinden, die AktionärInnen sollten ohne jede „Belästigung“ durch DemonstrantInnen mit Bussen direkt zum Eingang gefahren werden. Doch es kam anders! In vier gerichtlichen Eilverfahren konnten wir deutliche Verbesserungen erreichen, und somit war die Hauptversammlung von rund 300 DemonstrantInnen mit ihrem bunten Protest geradezu „belagert“. Die Monsanto-Hurra-Rede des Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann in der Hauptversammlung wurde von Sprechchören unterbrochen und mehrere kritische RednerInnen setzten das Thema auf die Tagesordnung.

Was war anders als in den Jahren zuvor?

Dieses Jahr waren auch Teile des weltweiten Monsanto-Widerstandes mit vor Ort. Auch beschränkten sich unsere Aktivitäten nicht auf den Tag selber. Schon im Vorfeld hatten wir gemeinsam mit unseren Partnern Podiumsdiskussionen organisiert. In der Frankfurter Rundschau erschien eine Woche vor der Hauptversammlung eine Zeitungsbeilage mehrerer Organisationen, die sich kritisch mit der Übernahme auseinandersetzt (siehe S. 46 in diesem GID, Anm.d.Red.). Zudem gab es erstmals auch eine Demonstration in Berlin. Und dann natürlich die juristische Auseinandersetzung.

Wie muss es jetzt weitergehen?

Die Widerstandsbewegungen gegen Bayer und Monsanto müssen ihre Zusammenarbeit verstetigen, die Bündnisse müssen breiter werden. Die weltweiten Marches Against Monsanto müssen zu Märschen gegen Bayer werden. Dazu brauchen wir mehr Leute, aber auch mehr finanzielle Unterstützung.

➤ Mehr Infos gibt es auf der Internetseite der CBG: www.CBGnetwork.org.

 

Broschüre „Fusion von Bayer & Monsanto"

Welche Agrarchemie-Konzerne wollen fusionieren? Was sind ihre Motive? Wie funktioniert die Fusionskontrolle? Und wie müsste sie funktionieren, um Zusammenschlüsse zu verhindern und Konzernmacht wirksam einzudämmen? Diese Fragen stehen im Zentrum einer Streitschrift, die kurz vor der Bayer-Hauptversammlung veröffentlicht wurde. Sie wurde von Inkota, Aktion Agrar, Goliathwatch und dem GeN erstellt und von insgesamt 20 Organisationen herausgegeben.

➤ Pressemitteilung zur Veröffentlichung sowie Download der Broschüre als pdf unter www.gen-ethisches-netzwerk.de/node/3544.

 

Hasen gegen Repromesse

Am 18. und 19. Februar 2017  fanden in Berlin die ersten „Kinderwunschtage“ statt. Auf der Messe stellten sich MedizinerInnen, TherapeutInnen und VertreterInnen von Behandlungszentren den Fragen der „Kinderwunschpaare“. Schon im Vorfeld hatte es heftige Kritik an den „Kinderwunschtagen“ gegeben, vor allem an der Präsentation von in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz (ESchG) verbotenen Techniken wie der Eizellabgabe und der „Leihmutterschaft“. Diese öffentliche Kritik hatte dem Event viel Aufmerksamkeit beschert, mit knapp 1.500 BesucherInnenn kamen jedoch deutlich weniger Interessierte als erwartet. Der Veranstalter, die internationale Eventagentur F2F Events aus Großbritannien betonte, es handele sich nicht um eine Verkaufs-, sondern um eine Informationsveranstaltung. Die Qualität der präsentierten Informationen war jedoch sehr unterschiedlich, um es freundlich auszudrücken - grottenschlecht bis teilweise einfach falsch trifft es eher. Draußen vor der Tür protestierten als Hase und Ärztin verkleidete Feministinnen gegen die Messe. Mit bunten Eiern machten sie auf die gesundheitlichen Risiken der Eizellentnahme und die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Eizellabgebenden und Leihgebärenden aufmerksam. „Woher kommen die Eier?“, „Wer verdient auf dem Eizellmarkt?“, fragten sie und forderten: „Soziale Mehrelternschaft und Wahlverwandtschaften stärken!“

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Mai 2017
S. 4 - 5