Versuchs-Freisetzungen

Bevor gentechnisch veränderte Pflanzen kommerziell auf die Felder kommen, werden sie in sogenannten Versuchs-Freisetzungen im Freiland getestet. Das in Deutschland relevante Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) der EU schreibt zwar vor, dass gentechnisch veränderte Pflanzen nach ihrer Entwicklung im Labor oder Gewächshaus nur Schritt für Schritt in die Umwelt entlassen werden dürfen. Freisetzungsversuche also theoretisch zeitlich und räumlich beschränkt sind. Sicherstellen kann das Verfahren diesen Anspruch jedoch nicht. Praktisch können einmal in die Umwelt entlassene GVO kaum kontrolliert werden und ein parallel stattfindender, bewusst gentechnikfreier Anbau kann nur sehr schwer sichergestellt werden. Unzählige Freisetzungsversuche haben zu Verunreinigungen von konventionellen und ökologischen Sorten mit gentechnisch verändertem Material geführt.

Freisetzungsversuche bieten immer wieder auch Gelegenheit für lokale Diskussionen und Proteste. Diese hat das Gen-ethische Netzwerk über viele Jahre angeregt und unterstützt. Der letzte Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland wurde 2012 durchgeführt. Auch in anderen Ländern Europas ist die Anzahl der Versuchs-Freisetzungen in den letzten Jahren zurückgegangen.

Beiträge zu diesem Thema

  • Umstrittene Petunien

    Von Christof Potthof , 3. Juli 2015

    25 Jahre Freisetzungen gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland sind ein Anlass zurückzuschauen. Um die Deutungshoheit über den ersten Freisetzungsversuch wird bis heute gerungen. Wir ringen mit.

  • Widerspruch gegen den Vollstreckungsbescheid

    Von Interview mit Lea Hinze , 21. April 2015

    Im April 2008 zerstörten sechs FeldbefreierInnen der Initiative Gendreck weg! einen Freisetzungsversuch mit gentechnisch verändertem (gv) Weizen auf dem Gelände des Institutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben (Sachsen-Anhalt). Der GID berichtete bereits mehrfach über die Hintergründe des Versuchs und die juristischen Folgen für die AktivistInnen, zuletzt im GID 219.

  • Freisetzungsversuche im Fokus

    Von Anne Bundschuh , 26. Februar 2015

    Zahlreich sind die Versprechen der Konzerne, wenn es um das Potential der Gentechnik geht. Doch an welchen gentechnisch veränderten Sorten wird in Europa tatsächlich geforscht, und mit welchen Zulassungen für den kommerziellen Anbau müssen wir in den nächsten Jahren rechnen?

  • Bt-Auberginen in Bangladesch

    Von Farida Akhter , 26. Februar 2015

    Nach vielen Jahren der Auseinandersetzung wurden 2014 in Bangladesch erstmals gentechnisch veränderte Auberginen kommerziell angebaut. Landesweit waren 20 LandwirtInnen beteiligt.

  • Transgener Weizen

    Von Hannah Laup , 18. November 2014

    Nach einer mehrjährigen Pause entwickeln GentechnikerInnen wieder gentechnisch veränderten Weizen. Kontaminationen zeigen allerdings, dass es Probleme gibt.