Behinderung

Behinderung wird vielfach immer noch mit Sorgen, Leid und Schmerzen verbunden - eine ableistische/behindertenfeindliche Einstellung. Selektive Pränataldiagnostik (PND), die nur nach Normabweichungen sucht und weder die Versorgung der Schwangeren noch die Gesundheit des werdenden Kindes verbessert verschlimmert diese Sicht. Zudem verstößt sie gegen die UN-Behindertenrechtskonvention und konterkariert das gesellschaftliche Ziel der Inklusion von Menschen mit Behinderung. Die gesellschaftliche Bereitstellung von Ressourcen für die gezielte pränatale Suche nach Abweichungen und Behinderungen (via Regelfinanzierung durch die Krankenkassen) zeigt, dass es weiterhin als normal und unproblematisch gilt, Behinderung um beinahe jeden Preis vermeiden zu wollen.

Die angenommene Andersartigkeit macht behinderte Menschen zur Projektionsfläche für Ängste vor Schmerzen, Abhängigkeit, Immobilität und Verlust von Kontrolle. Von einer grundlegenden menschlichen Situation werden Verletzlichkeit und Schwäche zu einer Bedrohung der eigenen „Normalität“ und des Selbstbildes als autonomes, selbstbestimmtes Subjekt, das selbstdiszipliniert und -kontrolliert, frei und gesellschaftlich funktionstüchtig ist, die abgewehrt werden muss.

Beiträge zu diesem Thema

  • Kontinuitäten von Eugenik und Genetik

    Von
    GeN ,

    Am 14. März zeigt das GeN den Dokumentarfilm „A Dangerous Idea". Er verfolgt die Geschichte von eugenischen Sterilisationsprogrammen, pseudowissenschaftlichen „Rasse"theorien und dem Wettlauf um die Entschlüsselung der genetischen Sequenz. Dabei kommen nicht nur Expert*innen aus den Naturwissenschaften, der Soziologie und Politik zu Wort, sondern auch direkt Betroffene von Zwangssterilisationen.

  • Kassenzulassung bedeutet Normalisierung!

    Von
    GeN ,

    Sollen die gesetzlichen Kassen nichtinvasive Bluttests auf Trisomien bezahlen? Dies könnte auch zu zusätzlicher Angst führen, meint unsere Mitarbeiterin Kirsten Achtelik im Kommentar für Der Hausarzt. Sie fordert eine Debatte, wann welche pränatalen Untersuchungen sinnvoll sind.

  • Rezensionen

    Kirsten Achtelik , 24. August 2018

  • Eugenik nach 1945

    Ulrika Mientus , 24. August 2018

    Die verweigerte Anerkennung der Zwangssterilisierten als NS-Verfolgte verweist auf die Kontinuität der Lebens(un)wert-Logik.

  • Die frühe Eugenik

    Birgit Lulay , 24. August 2018

    Heute gilt Eugenik vielen als rechts und unwissenschaftlich. In der frühen eugenischen Bewegung waren aber zu viele Sozialist/innen und Frauenrechtler/innen aktiv, um dieses Vorurteil aufrechtzuerhalten.