Behinderung

Selektive Pränataldiagnostik (PND), die nur nach Normabweichungen sucht und weder die Versorgung der Schwangeren noch die Gesundheit des werdenden Kindes verbessert, verstößt gegen die UN-Behindertenrechtskonvention. Sie konterkariert das gesellschaftliche Ziel der Inklusion von Menschen mit Behinderung. Behinderung wird vielfach immer noch mit Sorgen, Leid und Schmerzen verbunden - eine ableistische/behindertenfeindliche Einstellung. Die gesellschaftliche Bereitstellung von Ressourcen für die gezielte pränatale Suche nach Abweichungen und Behinderungen (via Regelfinanzierung durch die Krankenkassen) zeigt, dass es weiterhin als normal und unproblematisch gilt, Behinderung um beinahe jeden Preis vermeiden zu wollen.

Die angenommene Andersartigkeit macht behinderte Menschen zur Projektionsfläche für Ängste vor Schmerzen, Abhängigkeit, Immobilität und Verlust von Kontrolle. Von einer grundlegenden menschlichen Situation werden Verletzlichkeit und Schwäche zu einer Bedrohung der eigenen „Normalität“ und des Selbstbildes als autonomes, selbstbestimmtes Subjekt, das selbstdiszipliniert und -kontrolliert, frei und gesellschaftlich funktionstüchtig ist, die abgewehrt werden muss.

Beiträge zu diesem Thema

  • Die Grenzen des Tabubruchs

    Von Susanne Schultz , 2. Mai 2016

    Diagnose Down Syndrom mit Herzfehler und ein später Schwangerschaftsabbruch - das Feuilleton feierte den Spielfilm 24 Wochen als Tabubrecher und berichtete von einem still weinenden Publikum. Welche Tabus aber wurden gebrochen und aus welcher Perspektive? Und worum wurde geweint?

  • Zika schürt Angst vor Behinderung

    Von Kirsten Achtelik , 2. Mai 2016

    Die Vermutung, dass der von Mücken übertragene Zika-Virus für die Zunahme an Fällen von Mikrozephalie in Brasilien verantwortlich ist, scheint sich zu bestätigen. Weltweit hat dies zu einer panikartigen Angst vor Behinderung geführt.

  • Irritiertes Schweigen

    Von Udo Sierck , 20. April 2016

    Die Einführung der humangenetischen Beratung hat die pränatale Diagnostik vorbereitet. Die Behindertenbewegung spürte deren eugenischen Wurzeln nach und kritisierte die darin mainifestierte Furcht vor Behinderung.

  • Keine Reihenuntersuchung auf Down-Syndrom!

    Von ,

    (Berlin, 21. März 2016) Aus Anlass des Welt-Down-Syndrom-Tags protestieren wir erneut gegen die möglicherweise bevorstehende Krankenkassenfinanzierung nicht-invasiver Pränataldiagnostik! In einer gemeinsamen Stellungnahme wendet sich das Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik, dem auch das GeN angehört, gemeinsam mit der Bundesvereinigung Lebenshilfe erneut gegen die Bluttests, mit denen das Risiko des Fötus' für eine Trisomie 21 errechnet wird.