Pränataldiagnostik

Seit der Einführung des Ultraschalls in die Regelversorgung von Schwangeren 1979 hat sich die pränatale Suche nach vermeintlichen Beeinträchtigungen des Fötus zu einem normalen Bestandteil der Schwangerenversorgung entwickelt. Selektive Pränataldiagnostik (PND) verbessert weder die Versorgung der Schwangeren noch die Gesundheit des werdenden Kindes, sondern erzeugt und verstärkt Ängste - die versprochene Sicherheit ist so nicht zu erreichen. Oft steht die Schwangere vor der Entscheidung, das gewollte Kind „trotzdem“ zu bekommen oder abzutreiben.

Die ausufernde Risikoabschätzung wird durch eine Logik von Angebot und Nachfrage bestimmt. Zurzeit wird die Einführung der neuen, nicht-invasiven Tests (NIPT) in die Krankenkassen-Regelversorgung geprüft, der sich das Gen-ethische Netzwerk entgegenstellt. Denn die selektive Fahndung nach Abweichungen von einer gedachten Norm verstößt gegen die UN-Behindertenrechtskonvention. Das GeN tritt in der Tradition der feministischen Kritik an Gen- und Reproduktionstechnologien für ein Recht auf Abtreibung ein, wendet sich aber gegen die behindertenfeindliche pränatale Suche nach Behinderungen.

Beiträge zu diesem Thema

  • Von der Selbstbestimmung zur Selektion?

    Von ,

    (Berlin, 6. September 2012) Seit August ist ein Bluttest für Schwangere auf dem Markt, der die pränatale Fahndung nach Beeinträchtigungen des Embryos möglicherweise enorm vereinfachen wird, und seit letztem Jahr erlaubt ein Gesetz in bestimmten Fällen den Einsatz der Präimplantationsdiagnostik. Beides erscheint in der Öffentlichkeit vor allem als Dienst am Selbstbestimmungsrecht von Frauen und Paaren. Stimmt das? Wird so Selektion normal? Was können Verbote neuer technologischer "Angebote" bewirken? Wer forscht an neuen Verfahren und warum? Diese und andere Fragen verhandeln wir in unserer Veranstaltungsreihe am 18. und 25.9.12 in Berlin.

  • USA: Praenatale Marktlogik

    Von Uwe Wendling , 4. Mai 2012

    In den USA ist ein erstes Verfahren der „nicht-invasiven genetischen Pränataldiagnostik“, wie der neue Bluttest im Fachjargon heißt, schon auf dem Markt. Im Vorfeld hat die Nichtregierungsorganisation Council for Responsible Genetics eine Studie veröffentlicht, die auf verschiedene Problemfelder hinweist.

  • Gentest-Espresso

    Von Alexander von Schwerin , 4. Mai 2012

    Der Ethikrat beriet Ende März über die enorme Beschleunigung in der Gendiagnostik durch den Einsatz von Hochdurchsatz-Technologien. Eine Frage war: Kommt das Genomscreening für die Pränataldiagnostik?

  • Which side are you on?

    Von , 4. Mai 2012

    In der Beratungsstelle Cara reifen die Pläne für eine Kampagne gegen den Einsatz des neuen pränatalen Bluttests als medizinische Routine. Wichtiges Anliegen ist es, überhaupt eine offene Debatte über Selektion und Eugenik zu initiieren - und über das Lebensrecht von Menschen mit Down-Syndrom.

  • Warum überhaupt Kritik am neuen Test?

    Von Mareike Koch , 4. Mai 2012

    Der neue Bluttest, der eine risikolose frühe Diagnose der Trisomie 21 ermöglicht, scheint nur ein weiterer, logischer Schritt in der Entwicklung der Pränataldiagnostik zu sein. Tatsächlich muss aber an dieser Stelle die Frage, ob diese Art der Selektion gesellschaftlicher Konsens ist, dringend neu gestellt werden.