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"Gen für..." - alphabetisch

Denkmuster
März 2009

Aus einer Kooperation von Hirn- und Genforschung ist folgende Untersuchung hervorgegangen, die den Einfluss der Gene auf unsere Denkstrukturen belegen soll: Jeweils drei Brüdern, von denen zwei eineiige Zwillinge waren, wurden Gedächtnisaufgaben und parallel diverse logische Aufgaben vorgelegt. Mittels bildgebender Verfahren (funktionelle Magnetresonanztomographie) wurde verfolgt, welche Areale des Arbeitsgedächtnisses sich im Gehirn der Versuchspersonen aktivierten. Dabei zeigte sich, dass die Aktivierungsmuster der einzelnen Probanden stark variierten. Allerdings bestand eine größere Ähnlichkeit zwischen den Aktivierungsmustern der eineiigen Zwillinge als mit den älteren oder jüngeren Brüdern. Die Forscher schließen daraus, dass “die individuelle Bevorzugung eines bestimmten Verarbeitungsmodus und dessen Einflüsse auf die Verhaltensleistung unter genetischem Einfluss stehen.” Damit würden, so die Forscher um Klaus Willmed von Hinckeldey und Jan Willem Koten am Universitätsklinikum der RWTH Aachen, gewisse neurobiologische Grundlagen der Individualität eine genetische Komponente aufweisen. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin Science veröffentlicht.

Ärzte Zeitung online, 27.03.09
Depressionen
Juni 2005

US-amerikanische Forscher wollen entdeckt haben, warum Menschen mit einer bestimmter genetischen Veranlagung anfälliger für Depressionen sind: Bei ihnen bilden sich kleinere Mengen von jenen Molekülen, die für die Verteilung des Botenstoffs Serotonin verantwortlich sind. Dadurch sei ein wichtiger "Schaltkreis" unterbrochen, der für die Verarbeitung negativer Gefühle zuständig ist. Die Folge sei ein ängstliches und reizbares Naturell, was das Risiko für eine Depression erhöht. Bei Probanden mit diesem Gen, deren Hirnaktivitäten mit Magnetresonanztomographie gemessen wurden, war außerdem die Koppelung zwischen bestimmten Hirnregionen, die auf unangenehme Umwelteindrücke reagieren, nach Angaben der Wissenschaftler gestört. Siehe auch die Veröffentlichung von Lukas Pezawas, National Institute of Health, Bethesda, Maryland, Nature Neuroscience, online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nn1463.

www.wissenschaft.de, 09.05.05
Depression
August 2003

Die Stimmungsschwankungen bei manisch Depressiven sind nach Ansicht von WissenschaftlerInnen der Universität San Diego, Kalifornien, auf eine einzige Genmutation zurückzuführen. Im Fachmagazin Molecular Psychology berichten die ForscherInnen, bei etwa zehn Prozent der TrägerInnen dieser Genvarianz bräche die Krankheit aus. Untersucht wurden DNA-Proben aus 400 Familien. Bei dem betreffenden Gen handelt es sich um GRK3, das eine wichtige Rolle in der Signalübertragung spielt und auf den Botenstoff Dopamin reagiert. John Kelsoe, Leiter des Projekts, nimmt an, dass die Mutation eine Übersensibilität auf Dopamin hervorruft. Dies erkläre jedoch noch nicht, warum nur zehn Prozent der Mutations-TrägerInnen erkranken. Umweltbedingte Ursachen seien somit nicht auszuschließen. In einer weiteren Studie wird von einem internationalen Forscherteam ein Gen, das für die Verteilung des Hormons Serotonin zuständig ist, in Zusammenhang mit Depression gestellt. Die WissenschaftlerInnen um Terrie Moffat, Universität Wisconsin, und Avshalom Caspi, King's College, London, berichten in Science, das betreffende Gen läge bei Menschen, die Schicksalsschläge schlechter verarbeiten, in einer kurzen Variante vor. Unabhängig davon haben amerikanische ForscherInnen 19 Abschnitte des menschlichen Genoms mit Depressionen assoziiert. Hierfür hatte der Psychiatrie-Professor George Zubenko, Universität Pittsburgh, genetische Reihenuntersuchungen in 81 Familien durchgeführt, in denen Fälle von Depression auftraten. Im American Journal of Medical Genetics schreiben die beteiligten ForscherInnen, das Auftreten und die Schwere der Depressionen hänge unter anderem vom Geschlecht der Anlage-TrägerInnen ab. Außerdem läge das durchschnittliche Lebensalter in den untersuchten Familien acht Jahre unter dem Bevölkerungsdurchschnitt. Daraus schließt Zubenko, dass die für die Depression verantworlichen Mutationen auch die Lebenszeit verkürzen.

Netzeitung, 16.06.03; reuters health, 02.07.03; Science, 301:2003; Deutsches Ärzteblatt, 21.07.03