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"Gen für..." - alphabetisch

Gesichtserkennung
Februar 2010

Einmal mehr diente eine Zwillingsstudie dazu, genetische Anlagen zu eruieren; diesmal ging es um die Fähigkeit, Gesichter wiederzuerkennen. Ein internationales Forschungsteam, koordiniert von Jeremy Wilmer vom Wellesley College in Massachusetts, hat die Fähigkeit untersucht, sich an Gesichter zu erinnern. 164 eineiige und 125 zweieiige Zwillingspaare wurden darum gebeten, in einer Lernphase Bilder von Gesichtern anzuschauen und sie dann unter mehreren unbekannten Gesichtern wiederzuerkennen. Die statistische Übereinstimmung der prozentualen Wiedererkennung war bei den zweieiigen Zwillingspaaren etwas geringer als bei den eineiigen. Daraus schließen die ForscherInnen, die ihre Ergebnisse im online-Magazin PNAS veröffentlichten, auf die genetische Veranlagung der Gesichtserkennung. Auch in der Hirnforschung haben sich NeurologInnen in der letzten Zeit begeistert auf die Gesichtserkennung gestürzt, um biologische Grundlagen geistiger Tätigkeiten zu suchen, da hier die Aktivität eng umgrenzter Hirnareale visualisiert werden konnte. Ob sich die Zwillingsstudie in molekulargenetische Erkenntnisse übersetzen lässt, lassen die AutorInnen des PNAS-Artikel offen. Sie gestehen ein, dass Forschungen, die nach den genetischen Grundlagen „allgemeiner Intelligenz“ suchten, bisher regelmäßig gescheitert sind.

PNAS online, 22.02.10; Ärztezeitung, 23.02.10
Goldbildung
Oktober 2009

Endlich mal Gene, die sich direkt in Gold verwandeln lassen: Ein Team an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) will verschiedene Gene entdeckt haben, die an der so genannten Bio-Mineralisierung von Gold beteiligt sind. Die in der Online-Ausgabe der "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichten Ergebnisse sind im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes entstanden, das sich mit biochemischen Prozessen der Goldbildung befasst. Die Wissenschaftler aus den USA, Kanada, Belgien, Frankreich und Deutschland sind zu dem Schluss gekommen, dass das Wachstum von Goldnuggets Ergebnis eines aktiven biochemischen Prozesses sein kann. Eine Schlüsselrolle spiele in diesem Prozess das metallresistente Bakterium Cupriavidus metallidurans, das auf Goldnugggets lebt. Die Arbeitsgruppe am Institut für Biologie der MLU hofft nun auf eine effektive Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse über die beteiligten Gene. "Vielleicht werden die jetzt gewonnenen Erkenntnisse es einmal erlauben, auch aus goldarmen Lösungen Gold zu gewinnen", so der Leiter des Teams, Professor Dietrich Nies.

idw-online.de/pages/de/news337726
Gangster
Juni 2009

Eine neue Studie der Florida State University will den Zusammenhang zwischen einer seltenen Variation des MAOA-Gens und dem gesteigerten aggressiven Verhalten von Gang-Mitgliedern entdeckt haben. Vorherige Forschungen verknüpften das MAOA-Gen schon einmal mit aggressivem Verhalten. Die neue Studie soll allerdings darüber hinaus belegen, dass die MAOA-Genvariante Gang-Mitglieder hervorbringt, so Kevin M. Beaver, der Leiter der Studie. Für die Studie wurden 2.500 Jugendliche befragt und untersucht. Ihre Antworten und DNA-Daten hätten die Vermutungen des Forschungsprojektes um Beaver bestätigt, der sich mit Forschungen zu „biosozialer Kriminalität“ bereits einen Namen gemacht hat. Laut der Studie werde das Verhalten und die Stimmungslage der Gen-Träger von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin beeinflusst, die von dem MAOA-Gen gesteuert werden. Laut der Studie ist das „ Gangster-Gen“ auf dem X-Chromosom lokalisiert, von dem Männer bekanntlich nur eines besitzen. Warum sich dennoch mehr Männer in Gangs organisieren als weibliche XX-Trägerinnen, auch darauf hat das Forschungsprojekt eine Antwort: Weise ein Mann die MAOA-Variante, die als „Gangster-Gen“ gilt, auf, gebe es kein zweites Gen, welches diesem entgegenwirken könne.

PM Florida State University, 05.06.09, online: www.fsu.edu/news/2009/06/05/warrior.gene/
gute Ehemänner
September 2008

Ob jemand eine gelungene Beziehung führt, liegt einer neuen wissenschaftlichen Studie zufolge an den Genen. Eine bestimmte Genvariante, von der bereits bekannt war, dass sie das Bindungsverhalten von Wühlmäusen beeinflusst, soll demnach auch beim Menschen, genauer gesagt, bei Männern, eine Auswirkung auf deren Paarungsverhalten haben. Dies schlossen schwedische und US-amerikanische WissenschaftlerInnen aus Untersuchungen an 552 gleichgeschlechtlichen Zwillingspaaren. Sie stellten fest, welche der drei bekannten Varianten des betreffenden Gens vorlag und ließen dann sowohl die Zwillinge selbst, als auch deren Partnerinnen einen Fragebogen zu ihrer Beziehung ausfüllen. Das Ergebnis: Männer mit der 334 genannten Variante waren seltener verheiratet und ihre Partnerinnen waren unzufriedener mit der Beziehung. Lag 334 sogar doppelt vor, so bestand eine besonders große Wahrscheinlichkeit, dass die Männer innerhalb des letzten Jahres eine Ehekrise durchlebt hatten. Das betreffende Gen steht mit dem Hormon Vassopressin in Zusammenhang, wie es sich aber auf das Liebesleben auswirkt, konnte nicht erklärt werden. Bis auf weiteres gilt also: bei der Partnerwahl doch auf die Gene achten.

bild der wissenschaft online, 02.09.08
Glauben
April 2008

„Das Gottes-Gen. Warum uns der Glaube im Blut liegt“ - so heißt ein in den USA viel diskutiertes, bereits 2004 erschienenes Buch. Der US-Genetiker Dean Hamer, Mitarbeiter der Gene Structure and Regulation Unit am National Cancer Institute, macht darin einen speziellen Neurotransmitter-Transporter für Spiritualität verantwortlich, den „Vesicular Monoamine Transporter 2“. Da dürfte es nun wohl auch nicht mehr lange dauern, bis das Wissenschafts-Gläubigkeits-Gen gefunden ist.

Meldung der Woche, 23.04.08, GeN
Gesang
Februar 2008

Der Populationsgenetiker Floyd Reed von der University of Maryland in College Park, USA, ist der Auffassung, dass Gemeinsamkeiten in der Musikalität von Menschen auf Ähnlichkeiten in ihrem Erbgut zurückzuführen sind. Das schließt er aus einer Studie, in welcher er sowohl die Gesangs-Merkmale als auch die genetischen Daten von 39 afrikanischen Kulturen verglich. Dazu benutzte er eine vor etwa 40 Jahren von dem Musikforscher Alan Lomax erstellte Datenbank traditioneller Gesänge. Anhand von verschiedenen musikalischen Merkmalen wie zum Beispiel dem Tempo entwarf Reed nun ein Diagramm, das Ähnlichkeiten in der Musik verschiedener Kulturen verdeutlichte. Gleichzeitig verglich er genetische Daten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und kam zu dem Schluss, dass oft bei musikalischer Ähnlichkeit auch genetische Ähnlichkeit bestünde. Dagegen seien die musikalischen Gemeinsamkeiten geografisch benachbarter Bevölkerungsgruppen weniger stark ausgefallen.

www.wissenschaft.de, 12.12.07
Gewicht
Februar 2008

Eine Forschungsgruppe um die Genetikerin Danielle Reed vom Monell-Forschungszentrum in Philadelphia, USA, will errechnet haben, dass bei der Regulation des Körpergewichts von Mäusen rund 6.000 Gene eine Rolle spielen. Für Ihre Kalkulationen nutzten die WissenschaftlerInnen eine Datenbank, in der Informationen zu den Genomen von Knock-Out-Mäusen des Jackson Laboratory in Bar Harbor gespeichert sind. Die Idee für diese Nachforschungen entstand daraus, dass bei genveränderten Mäusen häufig Gewichtsveränderungen beobachtet werden. Diese Gewichtsveränderungen, die über dreißig Prozent der genmanipulierten Artgenossen betreffen, könnten womöglich auch dafür verantwortlich sein, dass viele Knock-Out Mäuse sterben oder nur sehr kurze Zeit überleben, vermuten die ForscherInnen.

www.wissenschaft.de, 16.01.08
Größe
Oktober 2007

Eine Londoner Forschungsgruppe um Michael Weedon von der Peninsula Medical School in Dexter hat bekannt gegeben, anhand einer Untersuchung mit knapp 5.000 Probanden einen DNA-Abschnitt entdeckt zu haben, welcher die Größe des Menschen bestimmt. Das Gen namens HMGA2 enthält laut Weedon die Bauanleitung für ein gleichnamiges Protein, welches an die DNA andockt und andere Gene so beeinflusst, dass sie sich auf das Wachstum auswirken. Bereits im menschlichen Embryo bestimme es die zukünftige Größe der Knochen, so der Wissenschaftler. Außerdem habe eine weitere Studie gezeigt, dass eine sehr geringe Veränderung des HMGA2-Gens ausreiche, um den Menschen wachsen zu lassen.

Ärzte Zeitung, 05.09.07
Geschmack
Oktober 2003

Wen überrascht’s? Auch guter Geschmack liegt in den Genen. Das schreiben jedenfalls israelische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Nature Genetics. Zwar schmecke Spinat nach Spinat, aber aufgrund der individuellen Kombination aktiver Gene, die für die Bildung von Rezeptoren in der Nase zuständig sind, rieche jeder Mensch das Gemüse anders und nehme auch dessen Geschmack unterschiedlich wahr. Über 50 Rezeptor-Gene, die offenbar willkürlich an- oder abgeschaltet sind, sollen nach Ansicht der Wissenschaftler dazu beitragen, dass jeder Mensch einen einzigartigen Geruchs- und Geschmackssinn hat. Projektleiter Doron Lancet meint nun, die Ergebnisse sollten insbesondere von der Nahrungsmittelindustrie bei der Entwicklung von Aromen berücksichtigt werden - möglicherweise biete ein DNA-Chip in Zukunft die Möglichkeit, die Riechgene zu identifizieren und für jeden Menschen maßgeschneiderte Düfte und Aromen herzustellen.

Bild der Wissenschaft online, 13.08.03