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"Gen für..." - alphabetisch

politische Haltung
Februar 2011

In der neuen Ausgabe des Journal of Politics wird ein Ausflug in die Welt der Gene unternommen. Eine ForscherInnengruppe hat 13.000 australische „Kaukasier“ nach ihrer politischen Präferenz im Schema von „konservativ“ bis „liberal“ befragt und die Ergebnisse mit Genkopplungs-Analysen korreliert. Dabei versuchten die ForscherInnen mit 50 kurzen Ja/Nein Statements zu Themen wie Todesstrafe, Fluor im Trinkwasser, Pflanzenheilkunde, Selbstmord und moderner Kunst, das Spektrum soziopolitischer Einstellungen auszuloten und die ProbandInnen einzuteilen. Wie diese Einteilung erfolgte, erfährt man leider auch im Zusatzmaterial nicht, obwohl - oder weil - es sicher mehr über die ForscherInnen als die ProbandInnen mitteilen würde (und wahrscheinlich sehr unterhaltsam wäre). Mit Hilfe eines genomweiten Assoziations-Scans „identifizierten“ die AutorInnen dann vier, selbst nach eigenen Maßstäben nicht signifikante (wohl ein Grund für den Publikationsort), aber mehr oder minder „suggestive“ Bereiche auf Chromosomen. Anschließend machten sie dennoch - mit dem unbedingten Willen zur genetischen Assoziation - Gene aus, die „in der Nähe“ liegen und mit „Wahrnehmung und sozialem Verhalten“ assoziiert seien.
www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1395871

Journal of Politics, Vol. 73, S. 271-85, Januar 2011; Deutschlandradio, 23.02.11.
Parkinson
Januar 2010

Münchner Wissenschaftler wollen einen genetischen Risikofaktor für Parkinson entdeckt haben. Die identifizierte Genvariante wirke sich auf den Vitamin B6-Stoffwechsel aus, erklärten Humangenetiker am Helmholtz Zentrum. Dieser habe in genomweiten Assoziationsstudien einen deutlichen Einfluss auf Krankheitsrisiko und Therapieverlauf gehabt. Bestätigt würde dadurch das „Zusammenspiel von erblichen Faktoren und Umwelteinflüssen wie etwa Nahrungsgewohnheiten bei der Entstehung des Morbus Parkinson,“ so der Erstautor der Studie Matthias Elstner von der Neurologischen Klinik der Ludwig-Maximilian-Universität München. Untersucht wurde an mehr als 2.800 Gesunden und 1.200 Parkinson-Erkrankten, welche Gene sich bei einer Parkinson-Erkrankung in ihrer Aktivität verändern. Gefunden wurde eine erhöhte Aktivität des Pyridoxalkinase-Gens, die „möglicherweise“ eine veränderte Aktivität des Enzyms Pyridoxalkinase im Hirn bewirke. Dieses Enzym wiederum wandelt das Vitamin B6 aus der Nahrung in eine Form um, die wiederum für die Produktion des Botenstoffs Dopamin notwendig ist. Für Parkinson wird das Absterben von Nervenzellen verantwortlich gemacht, die den Botenstoff Dopamin erstellen. Diese „Kausalkette“ demonstriert, wie voraussetzungsreich „genetische“ Begründungen Krankheitsursachen und risiken sind.

(idw online, 01.11.10)
Partnerwahl
November 2009

Neue Formen des Online-Datings treiben die Genetifizierung des Menschen auf die Spitze: Ein Beispiel ist ScientificMatch?.com, ein Angebot des Geschäftsmanns Eric Holzle, der mittels eines Genabgleichs eine „wissenschaftlich” fundierte Partnerwahl verspricht. Das entsprechende Argument lautet, dass bestimmte Gene, die an der Immunabwehr beteiligt sind, auch einen Einfluss auf den Körpergeruch eines Menschen haben. Dabei wird davon ausgegangen, dass Menschen mit unterschiedlichen Geruchsprofilen besonders attraktiv füreinander sind. Genematching verspricht: Wenn die Gene passen, halten sich die Partner eher die Treue und haben mehr Spaß im Bett. Ein ähnlich obskures Angebot kann man auch bei der Schweizer Firma GenePartner finden, die immerhin 99 US-Dollar für eine solche genetische Partnervermittlung verlangt. „Liebe ist kein Zufall”, wirbt die Firma. Die Investition soll sich lohnen, denn diese Vorteile sollen sich auch auf die genetischen Nachkommen auswirken. Und wenn die sich erstmal gut riechen können...

BioNews 534, 16.11.09
April 2008

Ein Team an der Emory Universität in Atlanta erforschte, dass ein bestimmtes Gen namens FKBP5 kombiniert mit Missbrauchs-Erfahrungen in der Kindheit ein erhöhtes Risiko bewirke, post-traumatische Belastungsstörungen (PTBS) nach schockierenden Erlebnissen zu entwickeln. 900 nicht-psychiatrische PatientInnen eines Krankenhauses in Atlanta hatten dafür Angaben gemacht und Speichelproben abgegeben. KritikerInnen befürchten, dass solche Forschungsergebnisse dafür eingesetzt werden können, Rekruten genetisch zu screenen. Tatsächlich arbeiten einige Mitglieder des Teams schon länger an der Frage, wie SoldatInnen Kriegserlebnisse verarbeiten. Eine Autorin der Studie, Rebekah Bradley, ist Direktorin am Gesundheitszentrum für VeteranInnen in Atlanta. Und seit 2006 forscht ein weiterer Autor der Studie, Kerry J. Ressler, an einem Medikament gegen post-traumatischen Stress für VeteranInnen. Der Wirkstoff D-Cycloserin (DCS), für den Ressler im Übrigen Inhaber eines Patentes ist, soll Neurotransmitter hemmen, die mit Angstreaktionen in Verbindung gebracht werden. Nach einer Studie des US Departments of Veterans Affairs leiden etwa 30 Prozent der VietnamveteranInnen und bisher 18 Prozent der IrakveteranInnen an PTBS.

Journal of the American Medical Association, 19.3.08; PM Emory University, 29.06.06 und 18.03.08; The Times, 24.03.08
Oktober 2007

Für den plötzlichen Kindstod (SIDS) könnte der Defekt eines Gens für die Lungenreife verantwortlich sein. Der britische Forscher David Drucker von der Universität Manchester und seine Kollegen fanden bei 25 an SIDS gestorbenen Säuglingen Abweichungen an einem solchen Gen. Außerdem war bei den Babies auch ein Gen, das bei Entzündungen aktiv wird, verändert. Allerdings wird der plötzliche Kindstod nach Ansicht der Forscher durch die genetische Konstitution zwar begünstigt, aber letztendlich durch äußere Faktoren ausgelöst.

Ärzte Zeitung, 25.08.06
Juni 2006

Die Genveränderung Gen NOS1AP führt zu einer verlängerten Herzkontraktion und erhöht damit das Risiko, einen plötzlichen Herztod zu erleiden. Arne Pfeufer von der Universität München stellte auf der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Humangenetik eine Studie vor, bei der zunächst rund 100.000 Genvarianten mit der Herzkontraktionszeit von 200 Probanden und Probandinnen verglichen wurden. Anschließend wurden 8.500 Testpersonen auf diejenigen Mutationen getestet, die bei der ersten Testreihe aufgefallen waren. Der Zusammenhang zwischen der Herzaktivität und NOS1AP sei sehr deutlich gewesen. Die Studie war vom deutschen Herzkreislaufnetz im Nationalen Genomforschungsnetz gefördert worden.

www.sueddeutsche.de, 07.05.06
Juli 2004

Nach einem Bericht der PNAS-Online-Ausgabe sind US-amerikanische Wissenschaftler zu dem Schluss gekommen, dass der plötzliche Kindstod (SIDS) genetisch bedingt sein könnte. Den Forschungsergebnissen zufolge sind in zwei Generationen von neun Familien, die der Religionsgemeinschaft der Amischen angehören, 21 Kinder am SIDS gestorben. Die Forscher geben an, vier der Kinder genetisch untersucht und festgestellt zu haben, dass beide Kopien des Gens TSPYL verändert gewesen seien, während Verwandte maximal eine Kopie des veränderten Gens aufgewiesen hätten.

Ärzte-Zeitung, 21.07.04
Pubertät
Dezember 2003

Eine amerikanisch-britische Forschergruppe will den Grund für das Ausbleiben der Pubertät (den sogenannten idiopathischen hypogonadotropen Hypogonadismus (IHH)) gefunden haben. Die Pubertät beginnt mit der Freisetzung eines bestimmten Hormons im Körper; bleibt diese aus, so kommt es auch nicht zum Ausbruch der Pubertät. Die Forscher berichten, eine Mutation des Gens GPR54 auf dem Chromosom 19 des Erbguts eines Betroffenen gefunden zu haben. Diese sei für die Hormonblockade verantwortlich.

Ärzteblatt online, 23.10.03