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Gen für - chronologisch

Angst
Dezember 2005

US-amerikanische Forscher haben bei Experimenten an Mäusen das Gen Stathmin entdeckt, das erlernte und angeborene Formen von Angst steuern soll. Sie berichten im Fachmagazin Cell, dass Mäuse, denen Stathmin fehle, sich kühner verhielten und ein geringeres Vermögen besäßen, Ängste zu erlernen. Diese Entdeckung soll es erlauben, angeborene und erlernte Angststörungen beim Menschen besser zu erforschen und im weiteren Therapiemöglichkeiten für solche Störungen zu entwickeln. Ähnliches berichtet ein Team um Marcella Rietschel vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim im American Journal of Psychiatry. Rietschel will eine Genvariante lokalisiert haben, die den Verfolgungswahn begünstigen soll. Sie verglich Schizophrenie-Patienten mit solchen, die an einer manischen Depression leiden. In beiden Patientengruppen verfügten Menschen, die unter Verfolgungswahn litten, über die gefundene Genvariante. Genaueres über die Funktionsweise des Gens ist aber noch nicht bekannt.

www.wissenschaft.de, 18.11.05; American Journal of Psychiatry, Bd.162, S. 2101; Berliner Zeitung, 09.11.05
Schizophrenie
Dezember 2005

Im Fachmagazin Nature-Neuroscience stellt eine Forschergruppe um Doron Gothel von der kalifornischen Stanford University, ein Gen vor, das für die Regulierung des Dopamin-Haushalts verantwortlich ist und maßgeblich an der Entstehung von bestimmten Formen der Schizophrenie beteiligt sein soll. Zwar sei die entdeckte Genveränderung nur bei fünf Prozent aller Schizophreniekranken die Ursache ihrer Erkrankung, die Entdeckung helfe aber trotzdem, die Mechanismen von psychischen Krankheiten verstehen zu können, meint Gothel. Dopamin ist ein Neurotransmitter des vegetativen Nervensystems und wird bei der Steuerung vieler lebensnotwendiger Vorgänge benötigt, so zum Beispiel der Motorik.

www.wissenschaft.de, 24.10.05
Einsamkeit
Dezember 2005

Gefühle von Einsamkeit scheinen erbliche Ursachen zu haben, berichten niederländische und US-amerikanische Wissenschaftler. Sie schließen dies aus einer Studie an 8.000 erwachsenen Zwillingen, die seit 1991 regelmäßig beobachtet wurden. Die Forscher gehen dabei davon aus, dass Zwillinge unter gleichen sozialen Bedingungen aufgewachsen sind, Umwelteinflüsse könnten somit herausgerechnet werden. Ungefähr die Hälfte der eineiigen, genetisch identischen Zwillingspaare beschrieb die Art und den Pegel ihrer Empfindung von Einsamkeit ähnlich. Bei den Zweieiigen waren es nur 25 Prozent. Die Studienergebnisse ließen allerdings keine Schlüsse auf bestimmte Gene, die Einsamkeitsgefühle bedingen, zu.

www.wissenschaft.de, 11.11.05
Heimat verlassen
Dezember 2005

Nun ist es raus! Seit Jahrhunderten versuchen US-Amerikaner den US-amerikanischen Charakter zu erklären: Was gemeinhin und etwas hochtrabend als "American Exceptionalism", just die amerikanische Eigenart bezeichnet wird, wurde unter anderem den Erfahrungen der Einwanderer im 17. und 18. Jahrhundert zugeschrieben. Damals landeten zunächst aus Großbritannien geflüchtete Puritaner, später verarmte Iren und andere Europäer an der heutigen Ostküste der Vereinigten Staaten an, um immer weiter ins Innere des Landes vorzurücken. Dass alle heutigen US-Amerikaner Vorfahren haben, die dieses Wagnis auf sich nahmen, könnte durchaus genetische Ursachen haben - jedenfalls kamen dieses Jahr gleich zwei Bücher von Psychologieprofessoren auf den Markt, die diese These propagieren: Peter Whybrow ("American Mania") und John Gartner ("The Hypomanic Edge") entwickeln beide die These, es gebe ein spezielles Immigranten-Genprofil, dass darüber entscheide, ob sich ein Mensch entscheidet, sein Land und seine Leute zu verlassen. Damit wäre auch endlich die amerikanische Besonderheit gefunden: Sie besteht in einer genetischen Eigenart ihres Dopamin-Rezeptorsystems und führt dazu, dass US-Amerikaner alias Emigranten beziehungsweise Imigranten, besonders neugierig und wagemutig, das heißt willig zu migrieren sind. Was wären wir nur ohne die Genforschung...

New York Times, 11.12.05
tiefen Schlaf
Oktober 2005

Ein Gen für tiefen Schlaf wollen Hans-Peter Landolt und seine Kollegen von der Universität Zürich gefunden haben. Menschen mit einer Veränderung im so genannten Adenosin-Desaminase-Gen erwachten seltener während der Nacht und hätten einen intensiveren Schlaf, schreiben die Forscher im Fachjournal PNAS. Festgestellt wurde bei den Betroffenen außerdem eine veränderte Aktivität der Hirnstromwellen ­ und zwar sowohl im Schlaf als auch im Wachzustand.

Ärzte Zeitung, 11.10.05
Alkoholismus
Oktober 2005

Fruchtfliegen steigern aufgrund eines Gens namens "Hangover" (zu Deutsch Kater) die Alkoholtoleranz, was zu einem höheren Konsum von Alkohol führen kann. Wissenschaftler um Henrike Scholz von der Universität Würzburg berichten im Magazin Nature, dass diese Wechselwirkung die Ursache von Alkoholabhängigkeit zu sein scheint. "Hangover" beeinflusse auch andere Körperfunktionen, die den Umgang mit Umweltstress regeln. Ein vergleichbarer Mechanismus könnte auch beim Menschen vorliegen, erklärten die Forscher.

www.wissenschaft.de, 11.08.05; Nature Bd. 436
Cholesterinspiegel
August 2005

Probleme mit einem erhöhten Cholesterinspiegel sollen stärker von der genetischen Veranlagung abhängen als von der Lebensweise. Dies wollen US-amerikanische Forscher um Paul Williams vom Lawrence Berkeley National Laboratory jedenfalls in einer Studie an 28 Zwillingspaaren herausgefunden haben. Diesen Probanden verordneten die Wissenschaftler zunächst eine fettarme, dann eine sehr fetthaltige Diät. Anschließend bestimmten sie den Cholesterinspiegel der Testpersonen. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Probanden insgesamt sehr unterschiedlich, Zwillinge aber sehr ähnlich reagierten. Dies sei auch dann der Fall gewesen, wenn die Zwillinge einen sehr unterschiedlichen Lebensstil an den Tag legten, also der eine beispielsweise eher eine "Couch-Potato", der andere ein sportlicher Typ war. Die Gene haben folglich einen größeren Einfluss auf die Fettwerte als der Lebensstil, folgern die Forscher.

www.wissenschaft.de, 09.07.05
Depressionen
Juni 2005

US-amerikanische Forscher wollen entdeckt haben, warum Menschen mit einer bestimmter genetischen Veranlagung anfälliger für Depressionen sind: Bei ihnen bilden sich kleinere Mengen von jenen Molekülen, die für die Verteilung des Botenstoffs Serotonin verantwortlich sind. Dadurch sei ein wichtiger "Schaltkreis" unterbrochen, der für die Verarbeitung negativer Gefühle zuständig ist. Die Folge sei ein ängstliches und reizbares Naturell, was das Risiko für eine Depression erhöht. Bei Probanden mit diesem Gen, deren Hirnaktivitäten mit Magnetresonanztomographie gemessen wurden, war außerdem die Koppelung zwischen bestimmten Hirnregionen, die auf unangenehme Umwelteindrücke reagieren, nach Angaben der Wissenschaftler gestört. Siehe auch die Veröffentlichung von Lukas Pezawas, National Institute of Health, Bethesda, Maryland, Nature Neuroscience, online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nn1463.

www.wissenschaft.de, 09.05.05
Alkoholismus
April 2005

Wissenschaftler der britischen Universitäten Oxford und Bristol wollen festgestellt haben, dass Menschen mit einer bestimmten Version des DRD2-Gens wenig Alkohol trinken. Dabei seien die Auswirkungen des Gens bei Männern stärker gewesen als bei Frauen, so Marcus Munafo und seine KollegInnen im Fachmagazin Pharmacogenomics. An den Untersuchungen nahmen 1000 Männer und Frauen teil, die Auskunft über ihre Trinkgewohnheiten gaben. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass zumindest manche Verhaltenweisen, so auch das Trinken, auch genetische Ursachen haben. Menschen mit den entsprechenden Veranlagungen seien anfälliger dafür, abhängig zu werden. Das DRD2-Gen kodiert für ein Rezeptorprotein, welches die Empfänglichkeit der Gehirnzellen für den "Glückbotenstoff" Dopamin beeinflusst. DRD2 wurde bereits in Zusammenhang mit Rauchverhalten und Nikotinabhängigkeit gebracht.

BBC News, 17.03.05
April 2005

Für eine bestimmte Form der Sehschwäche soll eine genetische Mutation mitverantwortlich sein, die nun gleich von drei unabhängig arbeitenden US-amerikanischen Forscherteams identifiziert wurde. Alle drei Teams berichten über ihre Ergebnisse in der online-Ausgabe der Fachzeitschrift Science. Die so genannte Makular Degeneration (AMD), eine Schädigung der Netzhautmitte, bei der die Sinneszellen aufgrund von zunehmenden Durchblutungsstörungen zerstört werden, tritt häufig im fortgeschrittenen Lebensalter auf. Obwohl viele Faktoren die Krankheit begünstigen, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die genetische Veranlagung "das individuelle Risiko einer Person zu etwa 50 Prozent mitbestimmt". Die verantwortliche Genmutation führe zu starken Entzündungen. Wenn es möglich werde, Personen mit einem hohen Risiko für AMD frühzeitig zu identifizieren, könnte der Erblindung mit einer entsprechenden Anpassung des Lebensstils entgegengewirkt werden, so Margaret Pericak-Vance, Leiterin eines Forschungsteams an der Duke University in North Carolina. Rauchen und Fettleibigkeit seien bekannte Faktoren, die die AMD begünstigen – grünes Gemüse dagegen senke das Erkrankungsrisiko.

Nature News, 10.03.05
Homosexualität
Februar 2005

In einer Studie an 465 Männern aus 146 Familien mit mindestens zwei männlichen Homosexuellen wiesen 60 Prozent der homosexuellen Männer auf drei Chromosomen identische genetische Variationen auf; diese Variationen sind dagegen nur bei 50 Prozent der heterosexuellen Männer vorhanden. Daraus folgern die Wissenschaftler um Brian Mustanski am National Institute of Health in Bethesda/USA, dass sie die genetische Grundlage der Homosexualität gefunden haben. Bei der Vorstellung der Studie in der Märzausgabe der Zeitschrift Human Genetics relativieren sie zugleich die Bedeutung der Ergebnisse: "Die sexuelle Orientierung ist ein so komplexes Merkmal", so Mustanski, "dass wir nie ein einzelnes Gen finden werden, das bestimmt, ob jemand gay wird oder nicht." Er hält es für sicher, dass erst die Wechselwirkung der verschiedenen Gene miteinander und mit anderen Faktoren zu Homosexualität führen. Zu diesen Faktoren zählen die Wissenschaftler eigentlich alles, was die sexuelle Orientierung eines Mannes eben so beeinflussen kann, unter anderem den Erziehungsstil, die Anzahl älterer Brüder, Umwelt- oder hormonelle Einflüsse.

afp, 28.01.05; Human Genetics Alert Newsletter, 11.02.05
Nikotinsucht
Februar 2005

Einen Gentest für Nikotinsucht hat die britische Biotech-Firma G-Nostics entwickelt. Der "NicoTest" soll genetische Ursachen für Nikotin-Abhängigkeit feststellen. Bestandteil des Angebotes ist außerdem ein Fragebogen, mit dessen Hilfe individuelle Möglichkeiten ermittelt werden sollen, mit dem Rauchen aufzuhören. Der Gentest kostet 95 englische Pfund und kann bei Einsendung einer Blutprobe postalisch in Auftrag gegeben werden. Entwickelt wurde der Test auf der Basis von Untersuchungen des Leiters der Abteilung Klinische Pharmakologie der Universität Oxford, Robert Walton. Er ist zugleich Mitbegründer der Firma G-Nostics. Nach Angaben der kritischen Organisation GeneWatch ist die Universität Oxford außerdem Anteilseigner der Firma. Die AktivistInnen von GeneWatch kritisieren auch die Verknüpfung von wissenschaftlicher Forschung und kommerzieller Praxis. Zudem seien wissenschaftliche Standards während der Prüfung des Tests nicht eingehalten worden.

PM GeneWatch, 06.01.05
Sportlichkeit
Februar 2005

Ein australisches Unternehmen mit dem phantasievollen Namen Genetic Technologies bietet über das Internet einen Gentest an, der Aussagen über das sportliche Potenzial von Kindern macht. Für umgerechnet 43 englische Pfund sollen Eltern so herausfinden können, ob ihr Sprössling eher zu Ausdauer erfordernden Sportarten neigt oder eher ein "Sprintertyp" ist.
Der Test basiert auf Forschungen des Instituts für Neuromuskuläre Forschung in Sydney. Das Team um Kathryn North hatte DNA-Proben von 300 Läufern untersucht, darunter 50 Hochleistungssportler. Dabei waren die Wissenschaftler auf eine Variation auf dem ACTN3-Gen gestoßen, deren Vorkommen sich mit der Art des Laufens korrelieren ließ. Bei 95 Prozent der Sprinter fand sich mindestens eine Kopie der ACTN3-Variante R, bei 50 Prozent von ihnen sogar zwei. Die Genvariante codiert für ein Protein, das eine schnelle und kräftige Muskelkontraktion ermöglicht. Bei Ausdauerläufern kam die Variante immerhin bei 76 Prozent einmal und bei 31 Prozent zweimal vor. Den Unterschied hielten die Wissenschaftler trotzdem für groß genug, um ihn in Zusammenhang mit der Qualität sportlicher Leistungsfähigkeit zu bringen. "Der Test ermöglicht es, die optimale Sportart auszuwählen", wird Deon Venter, einer der Direktoren von Genetic Technologies, zitiert. Befürworter von Gentests im Sport sehen den Test als Erweiterung bereits bestehender Praktiken zur Beurteilung sportlicher Potenziale. Dem hält der schottische Ethiker Andy Miah entgegen, dass Tests zur sportlichen Begabung Kinder von Sportarten abhalten könnten, die ihnen Spaß machen. "Und das nur, weil jemand auf der Basis eines genetischen Tests entschieden hat, dass sie in dieser Sportart niemals gewinnen können."

The Times, 20.12.04