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Gen für - chronologisch

Dezember 2006

Eine Variante des BDFN-Gens soll laut Berichten von Forschern der Cornell University in New York möglicherweise für die Wirksamkeit von Antidepressiva verantwortlich sein. Dies schließen sie aus Versuchen mit genveränderten Mäusen. Waren diese mit der entsprechenden Genvariante ausgestattet, legten sie ein ängstlicheres Verhalten an den Tag. Dieser Zustand verbesserte sich auch nicht durch die Verabreichung eines Antidepressivums (Fluoxetin). "Normale" Mäuse wurden dagegen durch das Medikament deutlich mutiger. Daraus leiten die Forscher ab, dass es sich bei Menschen ähnlich verhält. Zwar sind Menschen mit einem veränderten BDFN-Gen, das gleichzeitig für eine verminderte Fähigkeit zum räumlichen Denken einhergehen soll, bisher nicht durch ängstliches Verhalten oder Depressionen aufgefallen. Es sei aber bekannt, dass Stress die Produktion des Botenstoffs BDFN verringert und die Ängstlichkeit erhöht, schreibt das Team um Zhe-Yu Chen in Science. Für Träger der Genvariante müssten dann andere Wirkstoffe gesucht werden.

Science, 06.10.06, 314: 140-143
Juni 2006

Die Genveränderung Gen NOS1AP führt zu einer verlängerten Herzkontraktion und erhöht damit das Risiko, einen plötzlichen Herztod zu erleiden. Arne Pfeufer von der Universität München stellte auf der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Humangenetik eine Studie vor, bei der zunächst rund 100.000 Genvarianten mit der Herzkontraktionszeit von 200 Probanden und Probandinnen verglichen wurden. Anschließend wurden 8.500 Testpersonen auf diejenigen Mutationen getestet, die bei der ersten Testreihe aufgefallen waren. Der Zusammenhang zwischen der Herzaktivität und NOS1AP sei sehr deutlich gewesen. Die Studie war vom deutschen Herzkreislaufnetz im Nationalen Genomforschungsnetz gefördert worden.

www.sueddeutsche.de, 07.05.06
Homosexualität
April 2006

Nach Ansicht des Genetikprofessors Frank Sin von der neuseeländischen Universität Christchurch könnten homosexuelle Samenspender ein "Schwulengen" an ihre Nachkommen vererben. Mit der öffentlichen Äußerung, Kunden von Samenbanken sollten auf diese Möglichkeit hingewiesen werden, hat der Wissenschaftler eine Welle der Empörung, vor allem seitens der Schwulenvereinigung Gay Association of Professionals ausgelöst. Die Äußerung sei "unverschämt und erbärmlich" und impliziere, "dass Schwulsein etwas Minderwertiges" sei, sagte der Sprecher der Vereinigung, Allan-John Marsh. Der Streit wurde ausgelöst, als eine Fruchtbarkeitsklinik in der Hauptstadt Wellington kürzlich ein Verbot aufhob, das Homosexuellen die Samenspende untersagte. Das Verbot war mit der angeblich höheren Infektionsrate mit HIV unter homosexuellen Männern begründet worden. Bessere Untersuchungsmöglichkeiten machten eine solche Regelung aber nach Ansicht der Klinikleitung heutzutage überflüssig.

BioNews 350, 21.03.06
Kokainsucht
April 2006

Britische Wissenschaftler haben ein Gen identifiziert, dass einen Einfluss darauf haben soll, wie leicht ein Mensch kokainabhängig wird. Das Team vom psychiatrischen Institut des Kings College in London hat seinen Forschungsbericht in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Science veröffentlicht. Untersucht wurden danach Proben von 1.565 Menschen in Brasilien, von denen 699 mindestens einmal kokainabhängig gewesen waren. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass eine bestimmte Variante des Gens DAT mit einer Tendenz zur Drogenabhängigkeit gekoppelt sei ­ Menschen, die dieses Gen doppelt aufwiesen, hätten eine 50 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, abhängig von der Droge zu werden. Wie die Rekrutierung der Versuchspersonen stattfand und unter welchen Bedingungen die Proben entnommen wurden, wurde nicht erwähnt.

BioNews 350, 21.03.2006; BBC online, 13.03.06
Fettleibigkeit
Februar 2006

Entscheidend für den Körperumfang ist nicht zwingend die Menge an aufgenommener Nahrung, sondern vielmehr die Frage, wie der Körper diese verarbeitet. Komplexe Hormonsysteme, vor allem die Klasse der Melanozyten stimulierenden Hormone (MSH) und steuern diese Abläufe. Alpha- und beta-MSH wird dabei eine appetithemmende Wirkung zugeschrieben. Voneinander unabhängige Studien der Berliner Charité und des Cambridge Institute for Medical Research zeigen nun, dass fettleibige Menschen häufiger eine veränderte Form von beta-MSH besitzen als Normalgewichtige. Klinische Studien bei denen alpha-MSH-ähnliche Substanzen zur Appetitkontrolle eingesetzt wurden, mussten aufgrund starker Nebenwirkungen abgebrochen werden. Die Wirkweise von beta-MSH wurde bisher nicht genauer untersucht, da Labortiere wie Mäuse und Ratten kein beta-MSH produzieren.

www.wissenschaft.de, 08.02.06
Hautfarbe
Februar 2006

Das ausschlaggebende Gen für die helle Haut der Europäer und die dunkle Hautfarbe der Afrikaner wollen US-Forscher der Staatlichen Universität von Pennsylvania entdeckt haben. Dies berichtete das Wissenschaftsmagazin Science. Dem Einblick in die Evolution der menschlichen Hautfarbe sei man dadurch ein Stück näher gekommen, sagte einer der beteiligten Forscher, Keith Cheng. Das verantwortliche Gen komme zu 99 Prozent im Erbgut der Europäer und in einer anderen Version zu 93-100 Prozent bei Afrikanern vor. Es regele die Melanosom-Produktion. Melanosome sind Pigment-Partikel und geben der Haut ihre Farbe. Urahnen des Menschen entwickelten vor circa 1,5 Millionen Jahren eine dunkle Hautfarbe, als ihr Körper immer mehr seinen dichten Haarwuchs verlor, lautet die Theorie. Auf diese Weise habe sich der Mensch vor den UV-Strahlen der Sonne schützen können. Beim Vordringen der europäischen Vorfahren in nördliche Breitengrade wirkte sich die dunkle Haut aber kontraproduktiv für den Körper aus. Die Sonnenlichtaufnahme war erschwert und das lebensnotwendige Vitamin D konnte nicht produziert werden.

Science, 15.12.05
Tanzen
Februar 2006

Ein französisch-israelisches Forscherteam um Richard Ebstein von der Universität Jerusalem will nachgewiesen haben, dass der Ausdruck und die Grazie von Tänzern maßgeblich von zwei bestimmten Genvarianten bestimmt ist, die für die Verarbeitung und den Transport von Botenstoffen im Gehirn verantwortlich sind. Die Forscher untersuchten das Erbgut von 85 Tänzern und Tänzerinnen sowie deren Eltern. Die Künstler füllten außerdem einen Fragebogen zu Eigenschaften wie Kreativität, Einfühlungsvermögen und Ausdrucksfähigkeit aus. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden mit einer Vergleichsgruppe von 91 Sportlern, denen man ein vergleichbares Ausmaß an Körperbeherrschung und Konzentration zuschrieb, und einer weiteren Gruppe von 872 Personen, die weder sportlich noch tänzerisch begabt waren, verglichen. Das Ergebnis: Die Tänzer weisen ein charakteristisches Genprofil auf, so die WissenschaftlerInnen. Den Die künstlerische Veranlagung könnte sich im Laufe der Evolution ins Erbgut eingeschrieben haben, da Musik und Tanz von je her eine wichtige Rolle gespielt haben, lautet die Erklärung.

www.wissenschaft.de, 03.02.06