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Gen für - chronologisch

vorzeitiges Altern
November 2008

"Forscher entdecken Gen für vorzeitiges Altern" -- so titelte etwa der Berliner Tagesspiegel am 10.11.2008 -- nicht zuletzt deshalb, weil es sich um "Berliner Forscher" handelte. Nachdem man zuletzt über verschiedene Mäusestämme hören konnte, dass sie überdurchschnittlich lange oder kurz leben und sich deshalb als Modelle für das Altern eignen, liegen damit erste Ergebnisse auf DNA-Ebene beim Menschen vor. Forschungsobjekt waren Patienten aus vier Mennoniten-Familien, die alle an der seltenen Erbkrankheit Gerodermia osteodysplastica leiden. Diese Krankheit kennzeichnen nach der Geburt einsetzende Symptome wie "schlaffe, faltige Haut und Knochenschwund". Verantwortlich sei dafür, so die Forscher in "Nature Genetics", die Mutation des Gens (SCYL1BP1). Die Untersuchungen führte ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von WissenschaftlerInnen des Berliner Universitätsklinikums Charité und des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik durch.

Tagesspiegel, 10.11.2008
Haarausfall
Oktober 2008

"Neues Haarausfall-Gen entdeckt" (Spiegel-online), "Glatze kündigt Gesundheitsprobleme an" (Basler Zeitung), "Neuer Risikofaktor für Glatzenbildung gefunden" (imedo Gesundheitsnews) oder "Neues wichtiges Haarausfall-Gen entdeckt" (Informationsdienst Wissenschaft, Pressemitteilung) - so lauteten die Schlagzeilen Mitte Oktober 2008. Bisher dachte die Wissenschaft, es gäbe nur eine Gen-Variante, die für Glatzen verantwortlich ist und die nach Stand des Wissens die Mutter an ihr Kind weitergibt. Nun wurde ein weiteres, neues Haarausfall-Gen entdeckt, das der Vater vererbt. Nach einem Bericht der Fachzeitschrift „Nature Genetics“ (doi: 10.1038/ng.228) ist dies damit die zweite Erbgutregion, die "zweifelsfrei" mit dem vorzeitigen Haarverlust in Verbindung gebracht werden kann.
Die Wissenschaftler der Universitäten Bonn (Institut für Humangenetik und Life & Brain-Zentrum der Universität Bonn) und Düsseldorf (Universitätsklinikum Düsseldorf) haben in ihrer Studie mehr als 500.000 Informationsschnipsel im Genom ihrer rund 300 Probanden untersucht. Für die Fortsetzung ihrer Studie suchen die Forscher nach weiteren Probanden:
Na, dann mal Glatzen vor!
Informationsdienst Wissenschaft vom 12.10.2008 (http://idw-online.de/pages/de/news281891)

Fokus online 13.10.08; Spiegel online 13.10.08; Informationsdienst Wissenschaft 12.10.08; Gesundheitsnews 12.10.08; baz.online 13.10.08 und viele mehr...
Narkolepsie
September 2008

Die auch als „Schlafkrankheit“ bekannte Narkolepsie soll genetische Ursachen haben, das berichten japanischer Forscher in Nature Genetics (2008; doi:10.1038/ng.231). Die Forscher haben zwei "Kandidatengene" auf dem Chromosom 22 ausfindig gemacht. Sie stützen sich dabei auf eine statistische Analyse mit 500 Genvarianten (Single-Nucleotid-Polymorphisms oder SNP). Dabei stellte sich heraus, dass ein bestimmter SNP bei japanische Patienten zu 79 Prozent häufiger als bei gesunden Kontrollen vorkommt. Bei den "anderen Ethnien" erhöhte dieser SNP das Risiko um 40 Prozent. Besonders hoch ist diese Assoziation nicht, aber in der Nähe dieses SNP befinden sich auf dem Chromosom 22 ein Gen, das für ein Enzym kodiert, das beim Schlaf-Wach-Zyklus eine Rolle spielt. Deshalb glauben die Forscher, auf der richtigen Spur zu sein.

aerzteblatt.de, 29.9.2008
gute Ehemänner
September 2008

Ob jemand eine gelungene Beziehung führt, liegt einer neuen wissenschaftlichen Studie zufolge an den Genen. Eine bestimmte Genvariante, von der bereits bekannt war, dass sie das Bindungsverhalten von Wühlmäusen beeinflusst, soll demnach auch beim Menschen, genauer gesagt, bei Männern, eine Auswirkung auf deren Paarungsverhalten haben. Dies schlossen schwedische und US-amerikanische WissenschaftlerInnen aus Untersuchungen an 552 gleichgeschlechtlichen Zwillingspaaren. Sie stellten fest, welche der drei bekannten Varianten des betreffenden Gens vorlag und ließen dann sowohl die Zwillinge selbst, als auch deren Partnerinnen einen Fragebogen zu ihrer Beziehung ausfüllen. Das Ergebnis: Männer mit der 334 genannten Variante waren seltener verheiratet und ihre Partnerinnen waren unzufriedener mit der Beziehung. Lag 334 sogar doppelt vor, so bestand eine besonders große Wahrscheinlichkeit, dass die Männer innerhalb des letzten Jahres eine Ehekrise durchlebt hatten. Das betreffende Gen steht mit dem Hormon Vassopressin in Zusammenhang, wie es sich aber auf das Liebesleben auswirkt, konnte nicht erklärt werden. Bis auf weiteres gilt also: bei der Partnerwahl doch auf die Gene achten.

bild der wissenschaft online, 02.09.08
Kokainsucht
August 2008

Kokainsucht sei genetisch manipulierbar, so wollen Forschungsteams des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universität Genf nach Versuchen mit Mäusen nachgewiesen haben. Die ForscherInnen manipulierten die Mäuse genetisch so, dass eine Eiweißkomponente in den Dopamin produzierenden Nervenzellen „ausgeschaltet“ wurde. Dieses Protein werde unter Einfluss von Kokain sonst in die Rezeptoren eingebaut und bewirke, dass eine so veränderte Synapse verstärkt Nervensignale übertrage. Diese so genannte „drogenvermittelte synaptische Plastizität“ wird in der Wissenschaft schon länger als bedeutend für die Entstehung von Sucht debattiert. Bei den Experimenten in Heidelberg, Mannheim und Genf stellte sich unter anderem heraus, dass sich Mäuse, bei denen die Produktion des NR1-Proteins genetisch blockiert wurde, als weniger rückfallgefährdet erwiesen als die Kontrollmäuse.

Ärzte Zeitung, 15.08.08
Juli 2008

Ein internationales Team will bei Forschungen in Großbritannien zwei Genvarianten identifiziert haben, die das Risiko von Alkoholikern, an Krebs zu erkranken, reduziere. Die Genvariante des Gens ADH7, die bei 15 bis 20 Prozent der britischen Bevölkerung vorkäme, und des Gens ADH1B, die bei 5 Prozent zu verzeichnen sei, würden es ermöglichen, Alkohol im Körper schneller zu verarbeiten. Menschen mit einer oder beiden Genvarianten hätten nur etwa die Hälfte des Risikos, an Mund-, Rachen- oder Speiseröhrenkrebs zu erkranken, die in Verbindung mit Alkoholkonsum gebracht werden. 9.000 Personen wurden dafür untersucht. „Wissenschaftsinformationsmanager“ Julie Sharp von Cancer Reseach UK erklärte: „Es ist wichtig zu betonen, dass diese Ergebnisse nicht bedeuten, dass Leute zu viel trinken können und hoffen, dass sie nichts risikieren.“

The Guardian/The Observer online, 20.07.08, www.guardian.co.uk
Juli 2008

Psychologien von der Hebrew University in Jerusalem wollen laut einem Bericht in der Zeitschrift Genes, Brain and Behavior Hinweise für ein Gen für altruistischeres oder egoistischeres Verhalten gefunden haben. Je nach Allelen, also Varianten des Gens AVPR1 hätten sich die Testpersonen, 203 Universitäts-StudentInnen, beim Spielen der Onlineversion des so genannten “Diktatorspiels”, bei dem sie Geld verschenken oder behalten konnten, entweder geiziger oder freigiebiger verhalten. Bei letzteren Testpersonen sei der Promoter RS3 auf dem Gen, das für die Produktion von bestimmten Hormonrezeptoren im Gehirn zuständig sein soll, länger gewesen.

www.heise.de/tp/blogs/3/106076; Genes, Brain and Behavior, 2007, Vol. 7(3), 266-275
Süßmäuler
Juli 2008

Ein kanadisches Forschungsteam in Toronto will ein Gen entdeckt haben, das manche Leute dazu anrege, mehr süße Nahrungsmittel oder Getränke zu sich zu nehmen als andere. Der Veröffentlichung in der Zeitschrift Physiological Genomics zufolge soll die GLUT-2 genannte Genvariante unabhängig von Alter oder Geschlecht bei seinen TrägerInnen bewirken, dass diese mehr Sukrose, Fruktose und Glukose konsumierten. Diane Finegood, Direktorin der Abteilung für Ernährung, Stoffwechsel und Diabetes am Kanadischen Institut für Gesundheitsforschung, erklärte gegenüber dem Toronto Star, diese Forschung zeige die Komplexität von Krankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes. Es gehe um “möglicherweise wichtige Zusammenhänge zwischen dem Hirn und dem Verhalten oder der Verhaltensstimulierung”.

Bionews, Nr. 458, 19.05.08; The Toronto Star, 14.05.08
Bayern München
Juli 2008

Viel beschworen und im Sommer 2008 immerhin mit mehr als 3.000 „Google-Treffern” geadelt (manche davon sicher nicht im richtigen Kontext), findet das Bayern-Gen immer wieder seinen Weg in die Presse-Landschaft. Auch seriöse Medien, wie die Süddeutsche Zeitung oder die ARD können nicht von ihm lassen. Besonders schön erläutert rp-online.de was es mit dem Bayern-Gen auf sich hat und bemüht einen Vergleich mit dem langjährigen und für seinen Einsatz bekannten Bayern-Torhüter Oliver Kahn, der „wie kein anderer in dieser Mannschaft für den Siegeswillen, das besondere Selbstbewusstsein der Münchner steht, das 'Mir-san-Mir-Gefühl', das bayerische Sieger-Gen”.

Wohl wissend, dass es nicht stimmt, datieren wir es hier mit dem Juli 2008.
unruhige Beine
Juli 2008

Forscher aus dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München berichten in "Nature Genetics", dass sie vier Gene identifiziert haben, deren Varianten das Risiko steigern würden, an unruhigen Beinen zu erkranken. Es handelt sich damit um ein Risikogen für das Syndrom der ruhelosen Beine (Restless Legs Syndrom; RLS). Vermutlich verursachten die Gene eine frühe Entwicklungsstörung des zentralen Nervensystems. Das neu identifizierte Risikogen PTPRD etwa enthalte den Bauplan für ein Protein, das Motorneuronen während der Embryonalentwicklung hilft, ihren richtigen Platz im Organismus zu finden. Unruhige Beine verursachen bei Betroffenen ein unangenehmes Ziehen in den Waden, das sie zum häufigen Aufstehen zwingt.

dpa
HIV-Infektion
Juli 2008

Äußerst heikle Ergebnisse präsentieren US-amerikanische WissenschaftlerInnen zum Thema AIDS: Demnach soll eine einzelne Punktmutation, die nur bei aus Afrika stammenden Menschen vorkomme, das Risiko einer HIV-Infektion um 40 Prozent erhöhen. Gleichzeitig mache diese SNP jedoch ihre Träger widerstandsfähiger, so dass ihre Lebenserwartung nach einer HIV-Infektion durchschnittlich zwei Jahre höher sei als bei anderen Infizierten. Für die Studien waren die medizinischen Daten von Angehörigen der US Air Force herangezogen worden, die über die letzten 25 Jahre hinweg gesammelt wurden. Daraus wollen Sunil Ahuja, Direktor des Veterans Administration H.I.V./ AIDS Centers, San Antonio, und Matthew Dolan von den Uniformed Services, University of Bethesda, Maryland, ableiten können, dass Afroamerikaner, die Träger der besagten SNP sind, deutlich häufiger an HIV erkranken als Afroamerikaner ohne diese SNP. Allerdings würde die Krankheit bei ihnen auch langsamer voranschreiten. Bei der SNP handele es sich um eine genetische Mutation, die Menschen im südlichen Afrika früher vor einer bestimmten, heute ausgestorbenen Form von Malaria geschützt habe, behaupten die WissenschaftlerInnen. Aufgrund dieses evolutionären Vorteils sei sie bei AfrikanerInnen heute sehr verbreitet und könnte heute für 11 Prozent der HIV-Infektionen in Afrika verantwortlich sein. Abgesehen davon, dass die Studie den Gen-Zentrismus auf die Spitze treibt (Ursache für eine HIV-Infektion ist ja letztendlich immer eine Virusinfektion und nicht eine genetische Mutation), ist ihre konzeptuelle Basis aber auch in anderer Hinsicht fragwürdig: So sind Methoden, die versuchen, genetische Eigenschaften mit der Abstammung oder Ethnizität eines Menschen zu korrelieren, bestenfalls umstritten. Der Genetiker und HIV-Forscher David Goldstein, Duke University, weist außerdem auf die Gefahr eines Zirkelschlusses hin: Weil AfroamerikanerInnen statistisch häufiger von HIV betroffen seien als andere AmerikanerInnen und die beschriebene SNP besonders häufig oder sogar ausschließlich bei AfroamerikanerInnen vorkomme, würde auf einen ursächlichen Zusammenhang geschlossen. Dieser sei aber nicht bewiesen.

New York Times, 17.07.08; taz, 01.08.08
Lernen
Juli 2008

Eine Forschungsgruppe an der Freien Universität Berlin hat Fruchtfliegen genetisch manipuliert, um darüber Aufschlüsse über genetische Bedingungen des Lernens zu erhalten. Dafür hemmten sie genetisch die Produktion des Enzyms "Proteinkinase C". Sie stellten fest, dass die so gentechnisch veränderten Fliegen zu einer bestimmten Art des Lernens, operante Konditionierung genannt, nicht fähig waren, zu anderen Lernformen aber schon. Die Fliegen konnten weiterhin lernen, ein mit Hitzereizen versehenen blauen Behälter zu meiden und ihn von einem neutralen grünen Behälter zu unterscheiden. Sie lernten aber im Gegensatz zu nicht gentechnisch veränderten Fliegen nicht, den Hitzereiz durch eigenes Agieren - nämlich durch Fliegen nach links - zu vermeiden. Letzteres Lernen bezeichneten die ForscherInnen als „Gewohnheitslernen‟ und kamen direkt von der Fliege auf den Menschen. Dieses Lernen entspreche dem Suchtverhalten. Visionen der Genmanipulation beim Menschen wurden auch gleich in der Presseerklärung mitgeliefert: Wenn sich diese Vermutungen bestätigten, „ ließe sich die Entstehung einer Sucht möglicherweise dadurch verhindern, dass die Produktion des Enzyms "Proteinkinase C" bei diesen Menschen durch entsprechende Medikation gehemmt wird‟.

Pressemitteilung FU Berlin, 31.07.08
innere Uhr
Juni 2008

Menschen und Tiere besitzen nicht nur eine 'Zentraluhr', die von elektrischen Signalen täglich neu gestellt wird und die 'inneren Uhren' aller anderen Körperzellen aktiviert. Auf einem Kongress in Berlin wurden kürzlich auch Uhr-Gene vorgestellt. Sie sollen zum Beispiel bestimmen, ob jemand Frühaufsteher oder Langschläfer ist. Aber: 15 Prozent der Deutschen leben gegen ihre innere Uhr, hieß es auf dem Kongress weiter, und leiden dann an Schlafstörungen oder Kopfschmerzen. Nun gebe es eine Untersuchungsmethode, mit der geprüft werden könne, ob diese Probleme auf genetische Veränderungen in den Uhr-Genen zurückzuführen sind - und Lichttherapien. Dann ticken wir ja hoffentlich alle bald wieder richtig...

Meldung der Woche, 24.06.08, GeN
Fußball
Mai 2008

Ein europäischer Fußballverein hat den Sportwissenschaftler Henning Wackerhage gebeten, unter jungen Fußballern nach so etwas wie einem „Ronaldo-Gen“ zu suchen. Eine selbst für Genetiker zu bequeme Einschätzung von Sportlern: An einem besonderen Talent, so Wackerhage, seien wohl mindestens 500 Gene beteiligt. Außerdem sei eine kurze Beobachtung auf dem Sportplatz wesentlich aufschlussreicher. Und nicht zu vergessen: Ronaldo trainiert regelmäßig...

Meldung der Woche, 13.05.08, GeN
Fröhlichkeit
April 2008

Nun ist es bekannt: Die Freude im Leben eines Menschen ist von dessen Eltern abhängig. Nicht in Bezug auf die Erziehung, sondern der Erbanlagen wegen. Zumindest zu fünfzig Prozent. Das will eine Forschungsgruppe um Tim Bates von der Edinburgh Universität in einer Studie mit über 900 Zwil-lingspaaren herausgefunden haben. Dabei habe sie mit Fragen nach Persönlichkeit und Zufriedenheit festgestellt, dass eineiige Zwillinge in dieser Hinsicht einander
ziemlich gleich seien, zweieiige dagegen etwas unterschiedlicher, so Bates. Daraus schlossen die Wissenschaftler, dass die Fröhlichkeit etwa zur Hälfte von den Genen abhängen müsse. Wie Bates außerdem folgert, seien Leute mit positiven Erbinformationen demnach mit einem Vorrats-speicher an Fröhlichkeit ausgestattet, auf den sie in Stresssituationen zurückgreifen könnten.

www.reuters.com, 06.03.08
Glauben
April 2008

„Das Gottes-Gen. Warum uns der Glaube im Blut liegt“ - so heißt ein in den USA viel diskutiertes, bereits 2004 erschienenes Buch. Der US-Genetiker Dean Hamer, Mitarbeiter der Gene Structure and Regulation Unit am National Cancer Institute, macht darin einen speziellen Neurotransmitter-Transporter für Spiritualität verantwortlich, den „Vesicular Monoamine Transporter 2“. Da dürfte es nun wohl auch nicht mehr lange dauern, bis das Wissenschafts-Gläubigkeits-Gen gefunden ist.

Meldung der Woche, 23.04.08, GeN
Intelligenz
April 2008

Gegen die rassistischen Äußerungen des Magdeburger Psychologen Heiner Rindermann im Deutschlandradio gab es bundesweit Proteste. Rindermann hatte in einer Sendung in Deutschlandradio Kultur mit dem Titel „Dumme Buschmänner, kluge Asiaten?“ im Dezember 2007 behauptet: „Es gibt auf jeden Fall genetische Unterschiede zwischen den Rassen“. Insbesondere mutmaßte er darüber, dass sich diese Unterschiede auch im kognitiven Bereich ausdrückten. Aufgrund der vielfältigen Proteste, insbesondere einer Stellungnahme des Mainzer Instituts für Ethnologie und Afrikastudien, änderte der Sender die Über- und Bildunterschriften der Online-Version. Rindermann hatte bereits in einer Fachzeitschrift über den „g-Faktor in internationalen Vergleichen kognitiver Fähigkeiten“ spekuliert.

Deutschlandradio, 04.12.07; www.ifeas.uni-mainz.de/info/PresseRinder mann.html; European Journal of Personality 2007, 21:667-706
Nikotinsucht
April 2008

Nature und Nature Genetics haben drei Studien zu Lungenkrebs und Nikotinsucht veröffentlicht, die für mediales Aufsehen sorgten. Alle drei epidemiologischen Erhebungen kamen zu dem Ergebnis, dass eine häufig vor-kommende Genvariante auf Chromosom 12 das Lungenkrebsrisiko bei RaucherInnen erhöhe. Darüber waren sie sich aber uneinig: Kari Stefansson, der die Studie des Unternehmens deCode Genetics in Reykjavik lei-tete, erklärte, dass RaucherInnen mit dieser genetischen Disposition mehr Zigraretten rauchten als andere. Das größere Suchtpotential erkläre das erhöhte Krebsrisiko. Demgegenüber erklärten Christoper Amos, Leiter des zweiten Teams an der University of Texas in Houston, und Paul Brennan vom dritten Team eines Krebsforschungsinstituts in Lyon: Ein Suchteffekt des Gens sei nicht aus-schlaggebend für das erhöhte Krebsrisiko. Brennan behauptete zudem, dass das Gen auch das Lungenkrebsrisiko bei NichtraucherInnen erhöhe, was Amos wiederum bestritt. Nur eines ist sicher: Medial bestand am meisten Interesse an der Suchtgen-Hypothese. Und: DeCode Genetics hat bereits angekündigt, das neue Gen in die persönlichen Gentests zu integrieren, die das Unternehmen vermarktet.

NYTimes 03.04.08; Die Zeit, 03.04.08; Nature News, 02.04.08; Nature 03.04.08; Nature Genetics 02.04.08; New Scientist, 03.04.08
April 2008

Ein Team an der Emory Universität in Atlanta erforschte, dass ein bestimmtes Gen namens FKBP5 kombiniert mit Missbrauchs-Erfahrungen in der Kindheit ein erhöhtes Risiko bewirke, post-traumatische Belastungsstörungen (PTBS) nach schockierenden Erlebnissen zu entwickeln. 900 nicht-psychiatrische PatientInnen eines Krankenhauses in Atlanta hatten dafür Angaben gemacht und Speichelproben abgegeben. KritikerInnen befürchten, dass solche Forschungsergebnisse dafür eingesetzt werden können, Rekruten genetisch zu screenen. Tatsächlich arbeiten einige Mitglieder des Teams schon länger an der Frage, wie SoldatInnen Kriegserlebnisse verarbeiten. Eine Autorin der Studie, Rebekah Bradley, ist Direktorin am Gesundheitszentrum für VeteranInnen in Atlanta. Und seit 2006 forscht ein weiterer Autor der Studie, Kerry J. Ressler, an einem Medikament gegen post-traumatischen Stress für VeteranInnen. Der Wirkstoff D-Cycloserin (DCS), für den Ressler im Übrigen Inhaber eines Patentes ist, soll Neurotransmitter hemmen, die mit Angstreaktionen in Verbindung gebracht werden. Nach einer Studie des US Departments of Veterans Affairs leiden etwa 30 Prozent der VietnamveteranInnen und bisher 18 Prozent der IrakveteranInnen an PTBS.

Journal of the American Medical Association, 19.3.08; PM Emory University, 29.06.06 und 18.03.08; The Times, 24.03.08
Schizophrenie
April 2008

Mit Hochdurchsatztechnik beteiligt sich auch das Genetics Research Centre (GRC) in München an der Suche nach „Risikogenen“ für Schizophrenie. Von einem „Gen für Schizophrenie“ ist allerdings dort nicht die Rede, sondern „von einer komplexen polygenen Disposition“, bei der sich die Erkrankung erst unter dem Einfluss belastender Umweltfaktoren manifestiert. Im Grunde entspricht diese Erkenntnis dem Stand der dreißiger Jahre, als die Humangenetiker der Münchener Forschungsanstalt für Psychiatrie bereits in Zwillingsstudien zu einer ähnlichen Einschätzung gekommen waren. Heute heißt die Forschungsanstalt MPI für Psychiatrie und ist Mitbetreiberin des GRC. Hoch sind indes die Erwartungen des Mitbetreibers und Pharmamultis GlaxoSmithKline, der sich von den Münchnern „maßgeschneiderte Medikamente“ für psychiatrische „Volkskrankheiten“ erhofft.

Ärzte Zeitung, 04.03.2008; Informationsdienst Wissenschaft 07.11.02
Schizophrenie
April 2008

Unermüdlich versuchen Mediziner und Genomforscher psychiatrischen Erkrankungen genetische Ursachen zuzuschreiben. Nun vermelden Forscher im Wissenschaftsmagazin Science einen „Durchbruch“ bei der Erforschung der Schizophrenie. Das Team aus Forschern des Cold Spring Harbor Laboratory (CSHL), der University of Washington und des National Institutes of Mental Health (NIMH) hat 150 Personen untersucht, die an „Schizophrenie oder einer schizoaffektiven Störung“ erkrankt sind, und eine Reihe von verdächtigen Mutationen gefunden. Die publizierten Ergebnisse lassen vor allem zweierlei Schlüsse zu. 1. Das Cold Spring Harbor Laboratory verfügt über eine Presseabteilung, die ihr Business versteht. Und das ist Nachrichten machen. Denn tatsächlich kann von einem „Durchbruch“ nicht die Rede sein. Von den 24 gefundenen Mutationen betreffen überhaupt nur 11 auch Gene, die in Nervenzellen aktiv sind. Die restlichen betroffenen Gene sind in komplizierten biochemischen „pathways“ involviert, von denen man keine Ahnung hat, wo sie enden, – und kamen zum Teil auch bei gesunden Kontrollpersonen vor. 2. Es geht in dem Artikel vor allem darum, eine neue Methode vorzustellen und neue Forschungsgelder an Land zu ziehen. Ziel sei es nämlich, die Methode demnächst weiter „an einer größeren Zahl von Patienten und anderen Krankheiten zu erproben“.

Genetic Engineering & Biotechnology News, 28.03.08
Steißgeburt
März 2008

Wenn ein Elternteil per Steißgeburt geboren wurde, verdoppelt dies laut einer in Norwegen durchgeführten Studie die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Kind ebenfalls mit dem Steiß zuerst geboren wird. Als Datenmaterial dienten den Wissenschaftlern von der Universität Bergen die medizinischen Berichte von 387.000 Eltern und von deren Erstgeborenen, die zwischen 1967 und 2004 zur Welt gekommen waren. Demnach erhöhen eine entsprechende Geburtsgeschichte des Vaters und der Mutter die Wahrscheinlichkeit für eine Steißgeburt bei ihren Kindern gleichermaßen. Während der Einfluss der Mutter aber noch durch bestimmte physische Merkmale, wie die Form des Beckens, erklärt werden könne, sei der Einfluss des Vaters möglicherweise auf genetische Faktoren zurückzuführen, die an das Kind vererbt werden. Allerdings müssten auch andere Einflüsse, wie zum Beispiel die vorgeburtliche Betreuung der Eltern einbezogen werden. Eine Steißlage gilt als schwierigere Ausgangsposition für eine Geburt und wird mit diversen Risikofaktoren für das Kind verbunden.

BBC News, 28.03.08
Alkoholismus
Februar 2008

Eine Forschungsgruppe um Yedi Israel von der Universität von Santiago de Chile will Alkoholismus bei Laborratten durch eine Gentherapie behandeln können. Für den Versuch machten die Forscher die Tiere zuerst alkoholabhängig, anschließend spritzten sie ihnen Gensequenzen ins Blut, die ein bestimmtes Ratten-Gen blockieren sollten. Dieses Gen sei für die Produktion des Enzyms Aldehyd-Dehydrogenase verantwortlich, welches dem Abbau von Alkohol im Körper diene. Ein Mangel an diesem Enzym habe bei Menschen Übelkeit und Herzrasen nach Alkoholeinnahmen zur Folge. Der diesbezügliche Konsum der Ratten habe nach der Injektion um die Hälfte abgenommen.

www.wissenschaft.de, 04.01.08
Blauäugigkeit
Februar 2008

Die für blaue Augen codierende Genvariante soll nach Aussagen dänischer Forscher bei allen Menschen gleich aussehen und an der gleichen Stelle im Genom zu finden sein. Hans Eiberg von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen schließen daraus, dass die entsprechende Mutation auf einen einzigen Urahnen, der vermutlich vor circa sechs- bis zehntausend Jahren im Gebiet nordwestlich des Schwarzen Meeres lebte, aufgetreten ist. Vorgestellt werden die Ergebnisse der Wissenschaftler in Human Genetics.

www.wissenschaft.de, 01.02.08
Gesang
Februar 2008

Der Populationsgenetiker Floyd Reed von der University of Maryland in College Park, USA, ist der Auffassung, dass Gemeinsamkeiten in der Musikalität von Menschen auf Ähnlichkeiten in ihrem Erbgut zurückzuführen sind. Das schließt er aus einer Studie, in welcher er sowohl die Gesangs-Merkmale als auch die genetischen Daten von 39 afrikanischen Kulturen verglich. Dazu benutzte er eine vor etwa 40 Jahren von dem Musikforscher Alan Lomax erstellte Datenbank traditioneller Gesänge. Anhand von verschiedenen musikalischen Merkmalen wie zum Beispiel dem Tempo entwarf Reed nun ein Diagramm, das Ähnlichkeiten in der Musik verschiedener Kulturen verdeutlichte. Gleichzeitig verglich er genetische Daten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und kam zu dem Schluss, dass oft bei musikalischer Ähnlichkeit auch genetische Ähnlichkeit bestünde. Dagegen seien die musikalischen Gemeinsamkeiten geografisch benachbarter Bevölkerungsgruppen weniger stark ausgefallen.

www.wissenschaft.de, 12.12.07
Gewicht
Februar 2008

Eine Forschungsgruppe um die Genetikerin Danielle Reed vom Monell-Forschungszentrum in Philadelphia, USA, will errechnet haben, dass bei der Regulation des Körpergewichts von Mäusen rund 6.000 Gene eine Rolle spielen. Für Ihre Kalkulationen nutzten die WissenschaftlerInnen eine Datenbank, in der Informationen zu den Genomen von Knock-Out-Mäusen des Jackson Laboratory in Bar Harbor gespeichert sind. Die Idee für diese Nachforschungen entstand daraus, dass bei genveränderten Mäusen häufig Gewichtsveränderungen beobachtet werden. Diese Gewichtsveränderungen, die über dreißig Prozent der genmanipulierten Artgenossen betreffen, könnten womöglich auch dafür verantwortlich sein, dass viele Knock-Out Mäuse sterben oder nur sehr kurze Zeit überleben, vermuten die ForscherInnen.

www.wissenschaft.de, 16.01.08
visuelles Erkennen
Februar 2008

Eine US-amerikanische Forschungsgruppe um Thad Polk von der Universität von Michigan in Ann Arbor hat aus einer Studie mit 24 eineiigen und zweieiigen Zwillingspaaren den Schluss gezogen, dass die Fähigkeit, Gesichter und Orte zu erkennen, genetisch bedingt ist. Bei der Betrachtung bekannter Gesichter und Orte seien die Muster der Gehirnaktivitäten von eineiigen Zwillingen einander ähnlicher gewesen als die von zweieiigen. Bei der Verarbeitung von geschriebenen Worten, seien die Muster dagegen ähnlich vergleichbar miteinander gewesen wie bei den zweieiigen Zwillingen. Polk vermutet daher, dass in der Evolution die Erkennung von Orten und Gesichtern wichtiger gewesen sei als die von anderen Objekten und dass sie sich dadurch genetisch stärker entwickelt habe.

www.wissenschaft.de, 19.12.07