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Gen für - chronologisch

höhere Bildung
Januar 2017

Isländische Forscher_innen des Pharmaunternehmen deCode haben Genvarianten identifiziert, die für Bildungsunterschiede verantwortlich sein sollen. Und sie schlagen Alarm: schlaue Menschen würden auf Island langsam aussterben. In einer Studie mit über 100.000 Isländer_innen untersuchten die Forscher_innen zehntausende kleine Genvarianten auf ihren statistischen Zusammenhang mit dem Bildungsstand der Proband_innen. Und sie zeigten, dass der Anteil an so identifizierten "Bldungsgenvarianten" im Bevölkerungsdurchschnitt mit jeder Dekade sinken würden. Die Verbreitung von genetischer Veranlagung für Bildung würde sich also kontinuierlich verringern. Den Grund dafür sehen die Forscher_innen in der Assoziation von Bildungsgenvarianten mit dem Fortpflanzungsverhalten der Isländer_innen. Menschen mit einer genetischen Veranlagung für höhere Bildung bekämen weniger Kinder. Ohne dies belegen zu können, vermuten sie auch hier einen genetischen Zusammenhang. Die Bildungsgenvarianten waren in den Berechnungen der ForscherInnen mit dem Intelligenz-Quotienten (IQ) der ProbandInnen assoziiert. Der durchschnittliche IQ sank jedoch über den untersuchten Zeitraum nicht ab, sondern stieg stark an. Statt daraus naheliegend zu schließen, dass Bildung doch nicht hauptsächlich genetisch bedingt ist, fanden die StudienautorInnen auch dafür eine Erklärung: Sozioökonomische Effekte würden die Auswirkungen der geringeren Verbreitung von Bildungsgenvarianten „verbergen“.

PNAS, 10.01.17, doi: 10.1073/pnas.1612113114; Science Alert, 18.01.17
Januar 2017

Eine Studie der Universität Florida hat einen Zusammenhang zwischen Blutdruck, Rassismuserfahrungen und Genetik bei 157 Afroamerikaner_innen untersucht. Sie kommt zu dem Schluss, dass bestimmte Genvarianten die Wahrscheinlichkeit einer Anfälligkeit für Bluthochdruck bei rassistischer Diskriminierung erhöhen. Vorherige Studien zum Zusammenhang von kleinen Genvarianten (SNP, engl. Single Nucleotide Polymorphism) mit vermeintlich vererbbarem Blutdruck kamen zu unterschiedlichen, nur selten reproduzierbaren Ergebnissen. Studien, die einen Zusammenhang von Bluthochdruck und Diskriminierungserfahrungen zeigen, gibt es hingegen. Die Autor_innen der neuen Studie im Journal PLoS One schließen richtigerweise daraus, dass Umweltfaktoren einen größeren Beitrag zur Variation physischer Charakteristika spielen als Genetik. Offensichtlich reichte den ForscherInnen diese Erklärung aber nicht. Um unbedingt doch noch eine Verknüpfung von Bluthochdruck und Genetik zu finden, suchten sie nach Genvarianten, die mit Bluthochdruck bei Rassismuserfahrungen korrelierten. Und fanden unter tausenden SNPs einige, die statistisch mit beiden Faktoren verknüpft waren. Um diese absurden Ergebnisse zu vervollständigen, könnten die Forscher_innnen doch im nächsten Schritt zeigen, dass Afroamerikaner_innen ohne diese Varianten gegen rassismusinduzierten Stress immun sind.

PloS One, 21.12.16, doi:10.1371/journal.pone.0167700