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Saatgut: Gentechnikfreiheit erhalten! (aktuell VERGRIFFEN)

(Berlin, September 2012) Saatgut, Samen und Sorten sind zunehmend umkämpfte Güter. Durch die Ausweitung des globalen Marktes werden immer größere Anteile zu einer handelbaren Ware gemacht. In den Bereichen Forschung, Entwicklung und Züchtung gehen Techniken und Methoden Hand in Hand mit den juristischen Ränkespielen um geistige Eigentumsrechte an neuen Eigenschaften - bis hin zur Patentierung ganzer Pflanzen und Pflanzensorten. Weiterhin ist gentechnikfreies Saatgut von Kontamination bedroht.

Das Faltblatt (update Januar 2013) kann hier unten auf der Seite auch direkt online bestellt werden.

Saatgut: Gentechnikfreiheit erhalten!

Saatgut, Samen und Sorten sind zunehmend umkämpfte Güter. Durch die Ausweitung des globalen Marktes werden immer größere Anteile zu einer handelbaren Ware gemacht. In den Bereichen Forschung, Entwicklung und Züchtung gehen Techniken und Methoden Hand in Hand mit den juristischen Ränkespielen um geistige Eigentumsrechte an neuen Eigenschaften - bis hin zur Patentierung ganzer Pflanzen und Pflanzensorten.

Eine zentrale Gefahr: Die Kontamination

Eine der zentralen Gefahren bei der Nutzung gentechnisch veränderter Saaten ist, dass sich die Genkonstrukte unkontrolliert ausbreiten und dann nicht mehr zurückgeholt werden können. Bei den diesjährigen Untersuchungen der Bundesländer erwiesen sich alle getesteten Rapsproben als gentechnikfrei. Glücklicherweise ist es also noch nicht zu spät: Die Produktion von gentechnikfreiem Saatgut ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch möglich. Wir dürfen uns aber nicht daran gewöhnen, dass Saatgut immer wieder gentechnisch veränderte Anteile enthält. Züchterinnen und Züchter, die ohne Gentechnik arbeiten wollen, haben erheblichen - auch finanziellen - Aufwand zu betreiben, um ihr Saatgut vor Kontamination zu schützen. Mit den ZüchterInnen fordern wir deshalb, dass das Verursacherprinzip gilt: Die Kosten müssen von den Firmen getragen werden, die gentechnisch verändertes Saatgut auf den Markt bringen. Das GeN weist seit vielen Jahren darauf hin, dass es kein Nebeneinander gentechnisch veränderter und gentechnikfreier (konventioneller wie ökologischer) Saaten geben kann. Denn es gibt keine Methode, die verhindern kann, dass bei einem Anbau gentechnisch veränderter Sorten benachbarte Felder kontaminiert werden. Bienen werden nie dazu gebracht werden können, Feldgrenzen zu beachten - ganz zu schweigen von dem Kontaminationsrisiko, das entsteht, wenn beispielsweise Mähdrescher oder Sämaschinen überbetrieblich eingesetzt werden.

Im Sinne der Saatgut-Industrie: Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Juli 2012, das in den Medien größtenteils als Erfolg für die Artenvielfalt und die bäuerliche Landwirtschaft gefeiert wurde, erweist sich bei genauerer Untersuchung leider eher als Sieg der Saatgutindustrie: Der Handel mit alten Saatgutsorten, die nicht in den offiziellen Sortenkatalogen aufgeführt sind, bleibt weiter verboten. Die französische Saatgut-Initiative Kokopelli, die vor den EuGH gezogen war, äußerte sich enttäuscht: Die Biodiversität werde durch das Urteil „auf dem Altar des Produktivismus geopfert”.(1.)

Unternehmen horten Patente auf Saatgut Kein Patent auf Leben!

Patente sind der treibende Faktor hinter einer galoppierenden Marktkonzentration im Saatgutsektor. Der Wettbewerb wird ausgeschaltet und kleine und mittelständische Züchter verdrängt. International tritt die Initiative Kein Patent auf Leben! - um unser Beiratsmitglied Ruth Tippe - im Bündnis No Patents on Seeds (Keine Patente auf Saatgut) gegen diese Entwicklung ein. Ihre Unterschriftensammlungen, Kundgebungen und Einsprüche beim Europäischen Patentamt finden breite Unterstützung bei Bürgerinnen und Bürgern. www.keinpatent.de

Eine Alternative: Ökologische Pflanzenzüchtung

In der ökologischen Landwirtschaft werden Sorten benötigt, die ohne Pestizide auskommen und die dem jeweiligen Standort optimal angepasst sind. Die Entwicklung solcher Sorten ist sehr zeitaufwändig und arbeitsintensiv. Bis heute sind viele Sorten, die in der ökologischen Landwirtschaft eingesetzt werden, Produkte der konventionellen Züchtung. Mit Dr. Bernd Horneburg teilt das GeN eine langjährige Verbindung, die weit in die 1990er Jahre zurückreicht. Der Agrarwissenschaftler forscht heute an der Uni Göttingen zu Standortanpassung und ökologischer Züchtung und arbeitet mit Kolleginnen und Kollegen an der Entwicklung von Soja-Sorten, die auch in hiesigen Breiten gute Erträge bringen - natürlich ohne Gentechnik! „Vor ein paar Jahren hat das GeN einen Fall von Gentechnik-Kontamination einer Tomaten-Genbank in den USA ausgegraben. Das ist für mich als ökologisch arbeitender Züchter natürlich extrem wichtig. Denn auch ich bekomme Proben aus Genbanken.“
Siegrid Herbst von der IG Saatgut: „Für uns ist die Kooperation mit dem GeN für eine gentechnikfreie Landwirtschaft von großer Bedeutung. Tiefe Einblicke in die Gentechnik-Debatte - nicht zuletzt nachlesbar im GID - stehen für uns im Mittelpunkt.“ (Siegrid Herbst ist Koordinatorin der Interessengemeinschaft gentechnikfreie Saatgutarbeit (IG Saatgut), einem Zusammenschluss von gewerblichen und nicht gewerblichen Züchterinnen, Züchtern und Initiativen.)

Gen-ethischer Informationsdienst

Der Gen-ethische Informationsdienst (GID) 212 versammelt Hintergrundinformationen zum Thema Saatguterzeugung, Nulltoleranz und den Kampf für das Recht auf Nachbau von Saatgut. Außerdem gibt er einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der gewerblichen Pflanzenzüchtung, neue Technologien sowie alternative Saatgutinitiativen und -projekte. Das Heft können Sie zum Beispiel online unter www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/213 oder über das Büro des GeN (030/685 7073) bestellen.
Dieses kostenlose Faltblatt können Sie hier unten online bestellen oder hier direkt aus dem Netz laden: http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/files/1301_gentechnikfreies_saatgut...
 

  • 1. Hintergrundinformationen zum Fall Kokopelli finden Sie im Artikel „EU-Saat: Einfalt oder Vielfalt?” von Christof Potthof, GID 213, S.45
GeN
Preis: 0,00 €