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Tierversuchszahlen 2013: Leichter Rückgang, nicht aber bei den gentechnischen Veränderungen

(Aachen/ Berlin/ München, 1. Dezember) Im Zeitraum von 2012 bis 2013 sanken die Versuchstierzahlen leicht um 1,7 Prozent auf insgesamt 2.997.152 Tiere. Das wurde heute in der aktuell erschienenen Bundesstatistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums veröffentlicht.


Allerdings sind gegenüber dem Vorjahr die Zahlen der gentechnisch veränderten Tiere abermals um 1,4 Prozent um 13.166 auf 947.019 Tiere gestiegen. Mehr als 95 Prozent der transgenen Tiere sind genmanipulierte Mäuse. Der Zweck der Genmanipulation ist in der Statistik zwar nicht aufgeführt, anhand der Veröffentlichung wissenschaftlicher Artikel und Pressemitteilungen zufolge sind es sogenannte „Krankheitsmodelle“ und genetische Manipulationen zu Zwecken der Stoffwechselmechanismuserforschung, die vor allem in der Grundlagenforschung durchgeführt werden. Transgene Tiere sind gentechnisch veränderte Organismen, bei denen eigene Gene ausgeschaltet („knock-out“), herunter reguliert wurden („knock-down“) oder denen artfremdes genetisches Material ins eigene Genom integriert wurde („knock-in“). Durch moderne Methoden – sogenannte Genscheren – geht das heute außerordentlich schnell.

Der Bundesverband Menschen für Tierrechte weist darauf hin, dass die Anzahl transgener Tiere noch weitaus höher ist, da nur die Tiere gezählt werden, bei denen die Genmanipulation geklappt hat und die dann in weiteren Tierexperimenten eingesetzt wurden. Bei der Erstellung neuer genmanipulierter Linien werden Tausende überzählige Tiere „entsorgt“, die in keiner Statistik auftauchen. Auch wurde die Vielzahl misslungener Versuche sowie „Vorratstiere“ bei Züchtern und Laboren nicht erfasst. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte kritisiert, dass dem enormen Tierverbrauch in der Gentechnik noch immer keine Strategie entgegengesetzt werden konnte. „Mit der Entwicklung von Body-on-a-chip-Modellen, die zunehmend auch mit Zell- und Organkulturen genutzt werden können, die das zu untersuchende Krankheitsphänomen ausbilden, ist hier eine Perspektive in Sicht, deren beschleunigte Unterstützung wir mit Nachdruck einfordern“, betont Dr. Kurt Simons, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte. Ein Bündnis von Organisationen, denen neben Tierrechtsorganisationen auch das Gen-ethische Netzwerk und Testbiotech angehören, hatte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt im Juli in einem offenen Brief aufgefordert, mit gesetzlichen Vorgaben für den Schutz der genetischen Integrität der Tiere zu sorgen und kurzfristig wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um den Verbrauch an Versuchstieren einzudämmen*.

Die aktuellen Tierversuchszahlen basieren wie in den Jahren zuvor im Wesentlichen auf einem hohen Anteil von Mäusen, der zwar gegenüber dem Vorjahr um knapp 1,95 Prozent auf 2.199.671 Tiere abgenommen hat, damit jedoch mehr als 73 Prozent aller Versuchstiere in der Statistik ausmacht. Es folgen 12,5 Prozent Ratten (375.656), 7 Prozent Fische (39.019), 3,2 Prozent Kaninchen (95.653), nicht näher bezeichneten Vogelarten (41.169) und Meerschweinchen (24.572). In 2013 wurden 1.000 Meerschweinchen mehr als 2012 verbraucht (24.572/ 23.599). Sie wurden vor allem in toxikologischen und anderen Sicherheitsprüfungen (naheliegend sind Impfstoff-Chargenprüfungen) sowie zur Aus-und Weiterbildung eingesetzt. Der Anstieg der Verbrauchszahlen von Fischen (166.396/ 202.685) und Amphibien (9.509/ 12.705) ist auf überwiegend toxikologische Tests zurückzuführen. Auch ein Anstieg von Alt- und Neuweltaffen ist festzustellen: Die Zunahme geht im Wesentlichen auf einen erhöhten Verbrauch von Altweltaffen (Javaner und Rhesusaffen) zurück. Etwa 400 Tiere wurden hier in der Kategorie „sonstige Zwecke“ verbraucht. Die Anzahl der Schweine ist dagegen gesunken (16.310 auf 12.863) und beruht überwiegend auf einem Rückgang in der Kategorie Krankheitsdiagnostik. Das Interesse an transgenen Schweinen hat jedoch nicht abgenommen (Anstieg von 122 auf 174).

Das Europäische Patentamt hat bereits mehr als 1.500 Patente auf Tiere erteilt, unter anderem sogar auf Schimpansen, die mit synthetischen Genen manipuliert wurden. Dadurch entsteht ein zusätzlicher wirtschaftlicher Anreiz, immer noch mehr Tierversuche durchzuführen. Die Politik muss sich endlich ihrer moralischen Verantwortung stellen“, sagt Christoph Then von Testbiotech.

Quellen und Fußnote:

Bundesstatistik Tierversuchszahlen 2013: (Quelle: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/2013-Tierversuchszahlen...
Pressemitteilung des Bundesministeriums hier

Verbändebrief an Minister Christian Schmidt: www.testbiotech.org/node/1070

* Seit langem wird auch ein Verbot der Patentierung von Tieren gefordert, da über Patente ein Anreiz geschaffen wird, Tierversuche auch aus rein wirtschaftlichen Motiven durchzuführen. Dies hat sich leider wieder am Anstieg der Tierversuchszahlen bestätigt. Bisher gab es auf dieses Schreiben noch keine Antwort aus dem Ministerium.

Gemeinsame Pressemitteilung von Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner, Gen-ethisches Netzwerk und Testbiotech

Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V., Geschäftsstelle Bundesverband, Roermonder Straße 4a, 52072 Aachen, www.tierrechte.de
Es schreibt Ihnen: Steffanie Richter, Pressereferentin, Herrenweg 68, 69151 Neckargemünd, richter@tierrechte.de, Tel.: 06223-95 40 249

Kontakt Testbiotech e.V.:
Christoph Then, info@testbiotech.org, Tel.: 0151-54 63 80 40

Kontakt Gen-ethisches Netzwerk e.V.:
Christof Potthof, christof.potthof@gen-ethisches-netzwerk.de, 0163-26 06 359



Der Bundesverband Menschen für Tierrechte setzt sich auf rechtlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene für die Anerkennung und Umsetzung elementarer Tierrechte ein. Als Dachverband sind ihm etwa 100 Vereine sowie persönliche Fördermitglieder angeschlossen. Seit seiner Gründung 1982 ist er als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt.





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