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Zum Diskussionspapier der Leopoldina: Embryonen für den Wettbewerb!

Mit dem am 29.03.17 veröffentlichten DiskussionspapierEthische und rechtliche Beurteilung des genome editing in der Forschung an humanen Zellen versuchen Wissenschaftler_innen der Leopoldina Druck aufzubauen, um das Embryonenschutzgesetz zu kippen. Sie sprechen sich darin nicht nur für die Forschung an Embryonen aus, sondern auch für die generelle Akzeptanz der „Keimbahntherapie“, also Genome Editing an Embryonen zum therapeutischen Zweck. Wurde Ende 2015 international noch über ein Moratorium diskutiert, also um eine internationale Einigung  darüber gerungen, diese Techniken nicht an menschlichen Embryonen anzuwenden, werden jetzt nationale Forschungs- und Wettbewerbsinteressen angeführt, um diese Anwendung auch in Deutschland zu legalisieren. Das Gen-ethische Netzwerk findet es besorgniserregend, dass Wettbewerbsargumenten so viel Gewicht beigemessen wird und weist darauf hin, dass die Technik keineswegs so genau ist, wie die Begriffe „Genchirurgie“ und „Genschere“ nahelegen.

Die elf Autor_innen des Leopoldina-Diskussionspapiers sprechen sich für eine „eng begrenzte Weiterentwicklung“ des deutschen Rechtsrahmens aus und betonen, dass ihr Vorschlag - „verwaiste“ Embryonen zu verwenden, die ursprünglich für eine In-vitro-Fertilisation (IVF) hergestellt wurden - ein „vernünftiger“ sei. Dieser Aufweichung des Embryonenschutzgesetzes wüden jedoch unweigerlich weitere folgen, da mit ein paar „verwaisten“ Embryonen der Bedarf der Forscher_innen nicht zu stillen sein wird.

Der Zweck der Embryonenforschung sollen „hochrangige Forschungziele“ sein, doch was die Hochrangigkeit ausmachen soll, bleibt nebulös. Die Autor_innen versprechen die Verbesserung von IVF und Therapiemöglichkeiten für genetische Erkrankungen.

Klar wird, dass es den Wissenschaftler_innen vor allem darum geht, den internationalen Anschluss an den Forschungshype nicht zu verlieren. Gegenüber der FAZ sagte der Mitautor und Medizinjurist Jochen Taupitz, die Liberalisierungstendenzen anderer Länder „zwingen uns, neu nachzudenken”. Statt Zwang erscheint die internationale Entwicklung um Genome Editing, wie die Stellungnahme für Genome Editing an Embryonen dreier US-amerikanischer Wissenschaftsakademien im Februar, jedoch eher wie ein willkommener Anlass an den hiesigen Regulierungen zu rütteln.

Das GeN fordert die Aufrechterhaltung des Embryonenschutzgesetzes, das eine Veränderung von menschlichen Keimzellen verbietet. Ethische Fragen um „Keimbahntherapien“ sollten nicht in einem internationalem Wettlauf um Forschungsprestige geklärt werden!

Das GeN lehnt die vererbbare Veränderung menschlicher Zellen ab. Unsere Forderungen mit ausführlicher Begründung finden Sie in unserer Stellungnahme aus dem Januar 2017 „Präzise Technik? Kritik an Genome Editing“.