Gentests und Genomsequenzierung

Die vollständige Sequenzierung der menschlichen DNA war das große Projekt der 1990er Jahre, die Kosten des Human Genome Projects betrugen drei Milliarden US-Dollar. Mittlerweile werden die Tests immer schneller und billiger. Die Anzahl kommerzieller Anbieter, die ihren Kund*innen eindeutige Aussagen zu Gesundheitsrisiken oder Lebensstilfragen durch Sequenzierung ihres Genoms oder einzelner Genvarianten versprechen, steigt. Doch wie oft die Sequenzierung des gesamten Genoms oder Exoms (dem proteinkodierenden Bereich) tatsächlich zu einer Diagnose führt, darüber ist wenig zu erfahren.

Auch ist umstritten, inwieweit genetische Informationen solche Rückschlüsse zulassen. Denn der tatsächliche kausale Zusammenhang von abweichenden Genvarianten mit möglichen Konsequenzen für die Gesundheit ist für die allermeisten Erkrankungen unbekannt. Das GeN kritisiert, dass die Entscheidung für eine Sequenzierung angesichts möglicher nicht interpretierbarer Ergebnisse und Nebenbefunde kaum als eine „informierte“ zu bezeichnen ist.

Beiträge zu diesem Thema

  • Die Diskriminierung liegt im Gesetz

    Oliver Tolmein , 10. September 2010

    In einem Urteil hat der Bundesgerichtshof festgestellt: Präimplantationsdiagnostik ist nicht strafbar. Die selektive Auswahl von Embryonen mit genetischen Besonderheiten ist im Embryonenschutzgesetz nicht explizit verboten. Die dadurch mögliche individuelle Eugenik diskriminiert Menschen mit Behinderung.

  • ADHS: Genetifizierung soll die Eltern entlasten

    Jennifer Schwarz , 10. September 2010

    Wenn Kinder nicht still sitzen können, sich leicht ablenken lassen, schnell frustriert sind oder ununterbrochen reden und rumzappeln, wird heutzutage häufig die Diagnose ADHS gestellt. Eindeutige biologische Ursachen sind bisher nicht bekannt, vielfach wurde kritisiert, dass hinter der Diagnose eigentlich Erziehungsprobleme stehen - und dennoch wird nach den Genen gesucht.

  • Zur Begrüßung ein Gentest

    Alexander von Schwerin , 10. September 2010

    Direct-to-Consumer heißt die Marketingstrategie von Firmen, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind und Gentests kommerziell anbieten. Das schnelle Geld ist ausgeblieben. So müssen die Firmen neue Wege suchen - etwa die Massentestung von Studierenden.