Gentests und Genomsequenzierung

Die vollständige Sequenzierung der menschlichen DNA war das große Projekt der 1990er Jahre, die Kosten des Human Genome Projects betrugen drei Milliarden US-Dollar. Mittlerweile werden die Tests immer schneller und billiger. Die Anzahl kommerzieller Anbieter, die ihren Kund*innen eindeutige Aussagen zu Gesundheitsrisiken oder Lebensstilfragen durch Sequenzierung ihres Genoms oder einzelner Genvarianten versprechen, steigt. Doch wie oft die Sequenzierung des gesamten Genoms oder Exoms (dem proteinkodierenden Bereich) tatsächlich zu einer Diagnose führt, darüber ist wenig zu erfahren.

Auch ist umstritten, inwieweit genetische Informationen solche Rückschlüsse zulassen. Denn der tatsächliche kausale Zusammenhang von abweichenden Genvarianten mit möglichen Konsequenzen für die Gesundheit ist für die allermeisten Erkrankungen unbekannt. Das GeN kritisiert, dass die Entscheidung für eine Sequenzierung angesichts möglicher nicht interpretierbarer Ergebnisse und Nebenbefunde kaum als eine „informierte“ zu bezeichnen ist.

Beiträge zu diesem Thema

  • Big Data entdeckt das Saatgut

    Edward Hammond , 1. Juli 2016

    DivSeek ist ein Projekt zur Erstellung einer internationalen digitalen Gendatenbank. Dessen zentrale Akteure versuchen derzeit, die Vereinten Nationen zu ignorieren. Diese hatten um Auskunft zur Sequenzierung, Speicherung und Verarbeitung der pflanzengenetischen Informationen gebeten.

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  • Big Pharma steigt in Genomsequenzierung ein

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    Das Genom von zwei Millionen Menschen will der Pharmariese AstraZeneca in den kommenden Jahren sequenzieren. Die Genome sollen von TeilnehmerInnen klinischer Studien des Unternehmens in den vergangenen fünfzehn und den kommenden zehn Jahre gewonnen werden.

  • Gegen die Pflicht zum Wissen

    Kirsten Achtelik, Uta Wagenmann , 29. April 2016

    Bei der Arbeit am GID-Schwerpunkt stießen Kirsten Achtelik (KA) und Uta Wagenmann (UW) auf einige Fragen zu den Funktionen der Beratung bei Gen- und Pränataldiagnostik. Ihre Diskussion haben sie für den GID schriftlich zusammengefasst.

  • Gesetzlich garantierte Verantwortung

    Uta Wagenmann , 20. April 2016

    Aus der Geschichte von Bevölkerungspolitik, Vererbungslehre und Genetik ist die Beratung nicht wegzudenken. Dennoch ist der heutige Beratungsimperativ keinesfalls das simple Ergebnis eugenischer Kontinuität. Ein Blick auf gesetzgeberische Intentionen und die Praxis.