Diagnose-Stempel per App

Um die Diagnose von genetischen Syndromen anhand von äußerlichen Merkmalen zu erleichtern, hat ein US-amerikanisches Start-up eine Gesichtserkennungssoftware entwickelt. Das GeN findet diese Software hochproblematisch, da sie die Stigmatisierung von Mensc

Die Software Face2Gene von der US-amerikanischen Firma FNDA soll anhand von Fotos von Gesichtern Menschen diagnostizieren. Die Software liefert laut Hersteller keine Diagnose sondern nur Wahrscheinlichkeiten. Sie ist momentan auch noch ungenau und spuckt eine Liste mit möglichen genetischen Abweichungen aus, aber durch einen lernenden Algorithmus soll sie laufend verbessert werden.

Die App ist bereits frei herunterladbar ohne dass man sich im Voraus als MedizinerIn ausweisen muss. In einem Test konnte die App 24 Sunden lang genutzt werden, bevor ein Nachweis über die medizinische Qualifikation der/des Nutzenden verlangt wurde. Wer will kann sie also dazu nutzen, seine ArbeitskollegInnen oder Facebook-Bekanntschaften zu „diagnostizieren“. Die App kombiniert mögliche Eigenschaften der PatientInnen wie „kognitive Störungen“ mit den Verdacht-Vorschlägen und erleichtert so die weitere Stigmatisierung.

Die 2.000 genetische Syndrome, die von Face2Gene erkannt werden sollen, sind meist durch eine Diagnose nicht besser behandelbar. Sie haben zudem eine große Bandbreite an Symptomen und einige zeigen sich nur in äußerlichen Abweichungen. Welchen Blick die Herstellerfirma auf Menschen mit genetischen Abweichungen hat, zeigt die Pressemitteilung, laut der etwa 30 Millionen AmerikanerInnern an seltenen genetischen Erkrankungen „leiden“ würden.
Wenn durch eine bedienungsfreundliche App die Diagnose aus der Humangenetik hin zu AllgemeinmedizinerInnen vorverlagert wird, kann damit gerechnet werden, dass so noch mehr Menschen den Stempel „krank“ bekommen, als schon jetzt der Fall ist.

An der weiteren Optimierung der Software arbeiten ForscherInnen des assoziierten Forschungsprojektes PEDIA (Prioritization of Exome Data by Image Analysis) unter der Leitung von Peter Krawitz der Charité Berlin, der auch im wissenschaftlichen Beirat des Start-ups ist. Auch ForscherInnen der andere deutsche Universitätsklinken sind daran beteiligt.