Materialien

Netzwerktagung

Im Juni fand die jährliche Tagung des Netzwerks gegen Selektion durch Pränataldiagnostik in Berlin statt. Der Schwerpunkt der Tagung lag bei der geplanten Einführung der nicht-invasiven Pränataldiagnostik (NIPT) als Kassenleistung. Nun ist die Dokumentation erschienen. Sie enthält unter anderem den Vortrag von Kathrin Braun und Sabine Könninger über die fragmentierte institutionelle Verantwortung bei der NIPT-Einführung. Den ökonomischen Bedingungen widmete sich der Vortrag von Erika Feyerabend. Auch ein Transkript des Podiumsgespräches ist nachlesbar. Dieses beschäftigte sich, wie der Workshop von Kirsten Achtelik und Claudia Henkel, mit der Frage ob und wie NIPT als Kassenleistung noch verhindert werden kann.

➤ Pränataldiagnostik - eine organisierte Verantwortungslosigkeit, Dokumentation der Tagung 2017. Zum Herunterladen als pdf auf www.netzwerk-praenataldiagnostik.de oder www.kurzlink.de/gid243_g.

Regenerative Therapien

Im letzten Jahrzehnt wurde im Bereich Stammzelltherapie und regenerative Medizin viel geforscht. Dies hat große Hoffnungen geweckt. Bis heute sind die klinischen Erfolge jedoch äußerst bescheiden. Die Mitglieder der Lancet Commission on Stem Cells and Regenerative Medicine beschreiben in ihrem Bericht die vielfältigen Probleme des Forschungsbereiches und machen Empfehlungen.

➤ Lancet Commission: Stem cells and regenerative medicine, 04.10.17. Der englischsprachige Bericht ist unter www.dx.doi.org/ 10.1016/S0140-6736(17)31366-1 für 31,50 US-Dollar lesbar.

Empfehlung zu Genome Editing

Angesichts der rasanten Entwicklungen im Bereich Genome Editing an Embryonen und Keimzellen hat der Ethikrat eine Adhoc-Empfehlung veröffentlicht, in der er eine globale Diskussion und internationale Regulierung fordert. Es hätte bis vor kurzem der Eindruck überwogen, man habe Zeit, über die Techniken zu diskutieren. Doch die Forschung schreite erheblich schneller voran als gedacht. Der Ethikrat fordert daher die Politik auf, sich in der nächsten Legislaturperiode mit dem Thema zu beschäftigen. Die neue Regierung solle sich dafür einsetzen, auf der Ebene der Vereinten Nationen global verbindliche Regulationen zu erreichen.

➤ Keimbahneingriffe am menschlichen Embryo: Deutscher Ethikrat fordert globalen politischen Diskurs und internationale Regulierung, 29.09.17. Das Papier ist online frei herunterladbar unter www.ethikrat.org oder www.kurzlink.de/gid243_b.

Bayer - Monsanto: Bleibt uns vom Acker

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat ein Hintergrundpapier zu der geplanten Übernahme des US-Konzerns Monsanto durch den Bayer-Konzern veröffentlicht. Weltweit müssen mehr als 30 Wettbewerbsbehörden der Fusion zustimmen. Laut Angaben von Bayer hat dies bisher etwa ein Drittel getan. Formell startete das Verfahren, in dem die Europäische Union die Auswirkungen dieser Übernahme prüft, Ende Juni dieses Jahres. Die AbL ist selbst beteiligte Partei in diesem Prozess. In dem Hintergrundpapier erläutert die AbL ihre Ablehnung und verweist dabei insbesondere auf die schon seit Jahren fortschreitende Konzentration auf den globalen Märkten für Saatgut und Pestizide, die - wie manche AutorInnen schreiben - unter bestimmten Aspekten eine Monopol-ähnliche Wirkung entfaltet. Die EU-Kommission hatte im Sommer klargestellt, dass ihr die seinerzeit vorliegenden Angebote Bayers, bestimmte Teile des Gesamtkonzerns zu veräußern, nicht ausreichen.

➤ AbL e.V: Bayer - Monsanto: Bleibt uns vom Acker. Warum Bäuerinnen und Bauern die geplante Fusion ablehnen. Autorin: Annemarie Volling. Zehnseitiges Hintergrundpapier, September 2017. Kostenfreier Download unter www.abl-ev.de > Publikationen.

Unkontrollierte Risiken

Ein Bericht der Organisation Testbiotech thematisiert die vielfältigen Risiken, die von den neuen Gentechnik-Verfahren in der Landwirtschaft ausgehen. Ausführlich werden die Techniken wie CRISPR-Cas9 und Gene Drive erklärt und deren potenziell gewollten und ungewollten Folgen beleuchtet. Neben den technische Risiken der ungewollten Effekte auf DNA-Ebene wird auch die Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung auf Ökosysteme beschrieben. Einmal freigesetzt sind die Effekte auf die biologische Vielfalt unumkehrbar. Der Bericht zeigt auch, warum die Risiken der neuen Gentechnik-Verfahren nicht mit denen der konventionellen Züchtung oder Zufallsmutationen vergleichbar sind. Testbiotech fordert daher den Schutz von Umwelt und Gesundheit, Kennzeichnungspflicht und unabhängige Risikobewertung.

➤ Russisches Roulette mit der biologischen Vielfalt, 25.09.17, Testbiotech e.V. Der Bericht kann kostenlos heruntergeladen werden auf www.testbiotech.org/node/2077.

Saatgut als Gemeingut

„Wie kann Saatgut und der Prozess des Züchtens rechtlich und wirtschaftlich so verstanden und gehandhabt werden, damit ‚Gemeinnützigkeit’ im besten Sinne des Wortes zum Tragen kommt?“ Dieser Frage widmet sich eine Studie der Sektion für Landwirtschaft des Goetheanum. Sie thematisiert die Probleme der aktuellen globalen Landwirtschaft und erläutert alternative Ansätze, um Saatgut als Allgemeingut und Agrobiodiversität zu erhalten.

➤ Saatgut - Gemeingut: Züchtung als Quelle von Realwirtschaft, Recht und Kultur, 55 Seiten. Die Studie kann für 17 Franken oder 15 Euro plus Versandkosten bestellt werden: sektion.landwirtschaft@goetheanum.ch. Kostenloser Download unter www.sektion-landwirt schaft.org oder www.kurzlink.de/gid243_c.

GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
243
vom November 2017
Seite 38