Materialien

Daten und Fakten zur euro­päischen Landwirtschaft

Die Heinrich Böll Stiftung (HBS), der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) und Le Monde diplomatique (LMD) haben einen neuen Atlas herausgegeben. Dieses Mal geht es um die Landwirtschaft in der Europäischen Union. Die Oberthemen sind Finanzierungsmodelle und ihre Folgen, Umwelt und Biodiversität sowie Gesundheit von Mensch und Tier. Wie schon in den vergangenen Jahren besticht der Atlas mit prägnanten Texten und vielen informativen Grafiken (diese sind separat auf der Homepage der HBS abrufbar).
➤ HBS, BUND, LMD: Agraratlas. 52 Seiten, www.boell.de/de/agraratlas. Printausgabe zu bestellen über die HBS, Schumannstr. 8, 10117 Berlin.

Wer die Saat hat, hat das Sagen?

Die OECD hat einen neuen Bericht zur Marktkonzentration im Bereich Saatgut und Biotechnologien rausgebracht. Die Fusionen von einigen der größten Akteure im Agribusiness haben viel Kritik und Besorgnis laut werden lassen. In der Studie wurde der Grad der Marktkonzentration auf den globalen und lokalen Märkten untersucht sowie von einzelnen Feldfrüchten. Dabei wurden Daten von Mitte der neunziger Jahre bis 2017 analysiert. Der umfangreiche Bericht ist online frei zugänglich oder in Papierform zu bestellen.
➤ OECD: Concentration in Seed Markets. Potential Effects and Policy Responses. Englisch, 236 Seiten, www.oecd-ilibrary.org oder www.kurzlink.de/gid248_u.

Genetische Familienforschung

DNA-Familienforschung erfreut sich in Europa zunehmender Beliebtheit. Seit Ende 2018 ist der Abstammungsgentest des US-amerikanischen Konzerns Ancestry auf dem deutschen Markt verfügbar. Zu diesem Anlass hat sich Datenschutzexperte Thilo Weichert die Geschäftsbedingungen des Unternehmens genau angeschaut. Sein 34-seitiges Rechtsgutachten kommt zum Schluss, dass das Unternehmen vielfach gegen die Datenschutz-Grundverordnung, das Gendiagnostikgesetz und das Verbraucherrecht verstößt.
➤ Thilo Weichert: AncestryDNA ist in Deutschland. Und wo ist der Datenschutz?, 17.12.2018, www.netzwerk-datenschutzexpertise.de/dokument/genetische-familienforsch….

Soja-Report

Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) hat gemeinsam mit der europäischen Sektion seiner Dachorganisation Friends of the Earth (FoE) einen Bericht zu der Frage herausgegeben, wie die Eiweißpflanzenversorgung der EU auf nachhaltige und agrarökologische Weise angekurbelt werden kann. Die Frage wird vor dem Hintergrund diskutiert, dass Soja im Zentrum der Futtermittelnutzung der europäischen Fleischproduktion steht. In der EU firmiert dies auch unter dem Schlagwort Eiweißstrategie.
➤ BUND/FoE Europe: Soja-Report, 24 Seiten. Kostenloser Download unter www.bund.net > Publikationen > Soja-Report.

Goldener Reis: Don‘t get fooled again!

Der programmatische Untertitel des Berichts lautet: „Unmasking two decades of lies about Golden Rice“ (Demaskieren von zwei Jahrzehnten Lügen über Goldenen Reis) – mehr ist zur Vorstellung dieses Berichts der international tätigen Nichtregierungsorganisation GRAIN nicht notwendig.
➤ GRAIN: Don‘t get fooled again!, Englisch, 16 Seiten, www.grain.org/e/6067.

Gene Drive

Der US-amerikanische Wissenschaftler Kevin M. Esvelt gehört zu den Entdecker*innen beziehungsweise Entwickler*innen der sogenannten Gene Drive-Technologie. (Siehe dazu auch den Beitrag „Genetische Kettenreaktion beschränkt“ von Christof Potthof auf Seite 25 in dieser GID-Ausgabe.) Im Rahmen eines Forschungsprojektes hat er nun einen Bericht veröffentlicht, in dem er sich mit dem Thema Biosecurity von Gene Drives beschäftigt. Es geht um die Frage, inwieweit Gene Drives als Technik oder die mit dieser Technik hergestellten Organismen zu besonderen militärischen, terroristischen oder kriminalistischen Risiken führen können.
➤ Esvelt, K.M.: Gene Drive Technology: The Thing to Fear is the Fear itself. Englisch, 14 Seiten, www.mars.gmu.edu/handle/1920/11337.

Freihandel vs. Saatgut-Souveränität

Der Bericht „Freihandel vs. Saatgut-Souveränität“, den Andreas Riekeberg für das Forschungs- und Dokumentationszentrum fdcl geschrieben hat, soll als Zwischenbilanz gelesen werden. Seit mehr als fünf Jahren ist das Freihandelsabkommen zwischen Kolumbien, Peru und der Europäischen Union „vorläufig“ in Kraft.
➤ fdcl: Freihandel vs. Saatgut-Souveränität – Sortenschutz und Saatgutrecht in Kolumbien und Peru im Kontext des Handelsabkommens mit der EU. 34 Seiten, www.fdcl.org oder www.kurzlink.de/gid248_t.

GM Mosquitoes in Burkina Faso

Schon vor mittlerweile mehr als zwei Jahren wurden gentechnisch veränderte (gv) Mücken von Großbritannien über Italien nach Burkina Faso gebracht. Dort kamen sie in ein Forschungszentrum, das zum Konsortium „Target Malaria“ gehört und in wesentlichen Teilen von der Bill und Melinda Gates-Stiftung finanziell gefördert wird. Im Rahmen von Target Malaria soll(t)en die gv-Mücken auch in die Umwelt freigesetzt werden. Das African Center for Biodiversity (ACB), Genewatch UK und das Third World Network (TWN) geben nun aus Anlass der Verhandlungen der Konvention über Biologische Vielfalt und des Cartagena Protokolls im vergangenen Dezember in Scharm El-Scheich (Ägypten) ein Update. Dabei werden insbesondere internationale Regulierungen und die wissenschaftliche Basis der Versuche mit den gv-Mücken thematisiert.
➤ ACB, Genewatch UK, TWN: GM Mosquitoes in Burkina Faso. Englisch, 13 Seiten, www.acbio.org.za > Publications.

Genome Editing Summit

Im November des vergangenen Jahres trafen sich Vertreter*innen der internationalen Forschungswelt zum zweiten internationalen Gipfel über die Nutzung von Genome Editing-Techniken am Menschen. Nationale Akademien aus den USA, Großbritannien und Hong Kong hatten sich für die Organisation zusammengetan. In den Medien ist dieser Gipfel insbesondere aufgrund des Bekanntwerdens von der Anwendung der CRISPR-Technik am Menschen durch den chinesischen Wissenschaftler Jiankui He verhandelt worden, der selbst als Sprecher aufgetreten ist. Nun liegt eine kurze Zusammenfassung des Treffens vor.
➤ National Academy of Sciences (USA): Second International Summit on Human Genome Editing: Continuing the Global Discussion. Proceedings of a Workshop – in Brief. Englisch, 11 Seiten, www.nap.edu (kostenfrei, Registrierung notwendig).

Innovationsprinzip

Nina Holland von der Nichtregierungsorganisation Corporate Europe Observatory (CEO) hat ein Briefing über die Versuche der Industrie, das Vorsorgeprinzip zu diskreditieren zusammengestellt. In diesem Zusammenhang kommt dem sogenannten Innovationsprinzip eine besondere Bedeutung zu. Es soll als Gegenspieler zur Vorsorge in Rechtssystemen, zum Beispiel dem der Europäischen Union, installiert werden.
➤ CEO: The „innovation principle“: Industry‘s attack on EU environmental & public health safeguards. Englisch, 4 Seiten, www.corporateeurope.org/environment/2018/12/innovation-principle-trap.

Biotechnologien und Bäume

Unter dem Dach der Nationalen Akademien für Wissenschaft, Technik und Medizin (NAS) ist in den USA ein Bericht erschienen, dessen Autor*innen die Bedeutung von Biotechnologien für die Gesundheit von Forstbäumen darstellen und bewerten sollten. Fragen an die Autor*innen-Gruppe waren unter anderem: Wie ist der Stand der Entwicklung von gentechnisch veränderten Bäumen beziehungsweise der Nutzung anderer Biotechnologien mit Blick auf die Gesundheit von Wäldern und Forsten? Welche negativen Effekte könnten mit deren Nutzung verbunden sein? Welche Forschung ist nötig, um Wissenslücken zu füllen?
➤ NAS: Forest Health and Biotechnology: Possibilities and Considerations. Englisch, 217 Seiten, www.nap.edu (kostenfrei, Registrierung notwendig).

Neue Gentechnik

Drei evangelische Fachgesellschaften – Brot für die Welt, die Umweltbeauftragten der Landeskirchen der EKD (agu) und der Evangelische Dienst auf dem Lande (EDL) – haben im Januar einen „Zwischenruf zu neuen Gentechniken“ veröffentlicht. Darin begrüßen sie das Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 25.07.18. Zudem betonen sie, dass verschiedene Entwicklungspfade offen gehalten werden sollten und Entwicklung von technischen Innovationen stets auf der Basis des Vorsorgeprinzips erfolgen sollte.
➤ Brot für die Welt, agu und EDL: Genome Editing in der Landwirtschaft. Ein Zwischenruf zu neuen Gentechniken aus evangelischer Sicht. www.kircheundgesellschaft.de oder www.kurzlink.de/gid248_r.

Kooperativ

In der Schweiz haben sich die Dachorganisation der gentechnikkritischen Verbände, die Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG), und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) nach der letzten Zulassung einer gentechnisch veränderten Pflanze für eine Reihe von Rundtisch-Gesprächen verabredet. Diese Gespräche drehten sich in erster Linie um die Risikoevaluation. Jetzt gibt es einen Schlussbericht, der vom BLW geschrieben wurde und nun von den gentechnikkritischen Verbänden kommentiert werden kann.
➤ BLW: Schlussbericht der Runden Tische zur GVO-Risikoevaluation. 56 Seiten, www.gentechfrei.ch.

GID-Redaktion

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
248
vom Februar 2019
Seite 38 - 41