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Meldungen des Monats

26. Juni 2012 Christof Potthof

„Gentechnik ganz ökologisch“ schreibt Spiegel online (23. Juni 2012) - wir sind gespannt. Schon die Eingangsthese „Die Gentechnik-Debatte wird nur noch hochemotional geführt“ hat investigatives Potential in sich und öffnet den Raum für die Helden dieser Geschichte, die sich - unschwer zu erahnen - über diese Emotionalität hinwegsetzen. Wer mögen diese Helden sein, die mit allen Wassern der Nicht-Emotionalität gewaschen sind und der Gentechnik nun zu ihrem Durchbruch verhelfen?

19. Juni 2012

MeMeMe: 23andMe patentiert „Parkinson-assoziiertes-Gen‟. 23andMe, das bekannteste der so genannten „personal genomics‟-Unternehmen hat sein erstes Patent angemeldet. Und zwar auf eine Gen-Variante, die bei Vorhandensein einen „Schutz‟ gegen eine Hochrisiko-Mutation für die Parkinson Krankheit bieten soll. Klar wird damit, was die Firma mit den Daten ihrer Kunden macht: Mehrwert durch Forschung und Patentanmeldung. Es ist zweifelhaft, ob die Kunden davon einen Cent sehen. Soviel zur „Zusammenarbeit‟ zwischen Privatfirmen und Öffentlichkeit.

11. Juni 2012 Anne Bundschuh

EFSA: Ein Sitz weniger für die Gentech-Lobby? Die ehemalige Monsanto-Mitarbeiterin und Lobbyistin der Lebensmittelindustrie Mella Frewen wird wohl keinen Sitz im Verwaltungsrat der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA bekommen. Wie Ende letzter Woche bekannt wurde, lehnten die EU-Mitgliedsstaaten ihre Kandidatur ab. Frewen gehörte zu den 14 KandidatInnen, die die Europäische Kommission für den Verwaltungsrat nominiert hatte; sieben von ihnen werden in den nächsten Monaten in das Gremium berufen.

30. Mai 2012 Uta Wagenmann

Späte Anerkennung Es hört sich ein wenig zynisch an, aber tatsächlich haben Ärzte erstmals seit dem Ende des Nationalsozialismus eine weit reichende Verantwortung ihres Berufsstandes für Euthanasiemorde, Zwangssterilisierungen und medizinische Menschenversuche eingeräumt. In der Erklärung, die auf dem Ärztetag in Nürnberg einstimmig verabschiedet wurde, bitten sie die Opfer und ihre Nachkommen ausdrücklich um Verzeihung. Angestoßen worden war der überfällige Akt von einigen „Ärzten gegen den Atomkrieg“. Interessant wird nun, was daraus folgt: Einige hundert Opfer der NS-Medizin leben noch.

26. April 2012 Uta Wagenmann

Biologistische Normalisierung Wieder ist ein Gen gefunden, das die Intelligenz beeinflusst. Dabei lautet die Botschaft keinesfalls, Intelligenz sei damit erklärt. Nein, das einzelne Gen spiele kaum eine Rolle für die "kognitive Leistungsfähigkeit", es seien die kleinen Effekte vieler Gene im Verbund. Oh schöne neue Welt nach dem Ende des genetischen Determinismus! Nun erscheint genetische Programmierung als so komplex, dass die Reduktion von Intelligenz auf einen biologischen Vorgang gar nicht mehr auffällt.

17. April 2012 Susanne Schultz

Eizellhandel auf dem Vormarsch. Seit 1. April können Frauen ihre Eizellen in Großbritannien für 750 Pfund pro Zyklus verkaufen. Offiziell gilt diese Summe als „Aufwandsentschädigung“ für „Spenderinnen“, um nicht in den Ruch der Kommerzialisierung von Körpersubstanzen zu kommen. Die zuständige Behörde HFEA will so das Eizellen-Angebot für Repromedizin und Forschung erhöhen - egal, welche gesundheitlichen Risiken die Hormonbehandlung für die Eizellverkäuferinnen birgt. Um den Markt richtig in Schwung zu bringen, startet die HFEA eine „awareness“-Kampagne - organisiert von einer „National Donation Strategy Group“.

6. April 2012 Anne Bundschuh

Wem gehört die (Pflanzen-)Welt? Der in dieser Woche veröffentlichte Bericht von No Patents on Seeds beleuchtet die zweifelhaften Praktiken des Europäischen Patentamts. Die Behörde mit Sitz in München erteilte im vergangenen Jahr rund 140 Patente auf Pflanzen, von denen etliche ganz ohne Gentechnik gezüchtet wurden und somit gar nicht patentiert werden dürften.

31. März 2012 Alexander Schwerin

Patentierung stoppen! Der Oberste US-Gerichtshof hat Anfang der Woche eine Entscheidung des Berufungsgerichts in Washington für nichtig erklärt, in der dieses zunächst mehrere Patentansprüche auf isolierte menschliche DNA der Firma Myriad Genetics aufrechterhalten hatte. Myriad verkauft, geschützt durch Patent, einen Analysetest auf ein erhöhtes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs. Nun muss der Fall vor dem Berufungsgericht neu verhandelt werden. Die Chancen der Koalition aus Bürgerrechtsorganisationen und Wissenschaft steigt, Myriad in die Knie zu zwingen. Das wäre eine historische Entscheidung.

19. März 2012 Alexander Schwerin

Gendiagnostikgesetz vs. Träume der alten Eugeniker? Die Genom-Sequenzierung für jedermann liegt nicht mehr in ferner Zukunft. Die Firma Oxford Nanopore hat ein handliches Gerät für 900 Dollar angekündigt, das schnell und unkompliziert einen großen Teil des menschlichen Genoms sequenzieren kann. Der Humangenetiker Propping sagt voraus, dass die Jagd auf jede kleine genetische Veränderung losgehen könnte: Ein Prozent aller Paare würden ein "genetisches Risiko" in sich tragen. Propping, Mitglied in der Gendiagnostik-Kommission, hält das Gendiagnostikgesetz nicht für ausreichend, dieser technischen Herausforderung zu begegnen.

6. März 2012 Maja Stralucke

Organspende-Gesetz wird neu geregelt. Die positive Nachricht: Man wird selbst entscheiden können, ob man einer Organentnahme nach dem eigenen Tod zustimmt. Die Befürworter der „Widerspruchslösung“ konnten sich nicht durchsetzen. Skandalös war jedoch, dass um Selbstbestimmungsrecht und Würde erst gerungen werden musste. In Zukunft werden wir also alle paar Jahre Briefe bekommen, in denen wir unsere Haltung bekannt geben sollen. Diese Aktionen werden willkommener Anlass sein, in Werbekampagnen Einfluss zu nehmen und eine neue Ethik des Gemeinschaftsopfers zu installieren. Nicht mit uns!

27. Februar 2012 Susanne Schultz

Noch ist die PID in Deutschland verboten. Juristisch ist die Präimplantationsdiagnostik auch nach der Pro-Entscheidung des Bundestages noch nicht geregelt. Dessen ungeachtet starten Reproduktionskliniken bereits ihre Werbekampagnen. Eine Klinik in Lübeck schmückt sich mit der Geburt eines molekulargenetisch getesteten Babys - der Kostenplan wird gleich mitgeliefert: weit über 10.000 Euro. Weniger achtsam ist die Klinik mit den Details: Der ersten Pressemitteilung zufolge hatte sich die Mutter bei drei vorherigen Schwangerschaften für einen Abbruch entschieden; aktuell heißt es, dass die Föten im Mutterleib gestorben seien.

16. Februar 2012 Anne Bundschuh

ACTA ad acta !? Manchmal läuft es nicht wie geplant. Das in Hinterzimmern ausgehandelte Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) sollte schon unterzeichnet sein, da erwacht der Protest und europaweit gehen Zehntausende auf die Straße. Die offizielle Übersetzung von ACTA lautet Handelsübereinkommen zur Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie. Eine Frage aus aktuellem Anlass: Wenn sich Monsanto eine Virusresistenz patentieren lässt, die in indischen Melonensorten natürlicherweise vorkommt, und Patentansprüche auf alle Weiterzüchtungen dieser Sorten erhebt – wer ist hier eigentlich der (Bio-)Pirat?