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Meldungen des Monats

7. Februar 2011 Susanne Schultz

DNA-Sippenfahndung: Im Emsland hat ein Massengentest an 2.406 Männern zur Festnahme eines Jugendlichen geführt, der eine Frau vergewaltigt hat. Er selbst hatte gar nicht an dem Test teilgenommen, sondern nur zwei seiner Brüder. Da deren DNA teilweise mit den Spuren übereinstimmte, kam die Polizei auf den Täter. Dieser Ermittlungserfolg wirft ein Licht auf problematische Seiten der DNA-Fahndung: Die DNA-Profile und die polizeilichen DNA-Datenbanken sind eine Technologie, die von sich aus auf die Überschreitung von Grenzen drängt.

31. Januar 2011 Alexander Schwerin

Pränataldiagnostische Mobilmachung. Ein Hauptergebnis des im letzten Jahr verabschiedeten Gendiagnostikgesetz scheint zu sein, dass die HumangenetikerInnen den Durchbruch der genetischen Diagnostik feiern können. Neue technische Entwicklungen scheinen dieser Entwicklung zusätzlichen Rückenwind zu verleihen. Ein Forscherteam vermeldet, dass sie aus dem Blut von Schwangeren die komplette fötale DNA isoliert hätten. Die „nicht invasive pränatale Gendiagnose“ (NIPD) würde sich schon heute eignen, Down Syndrom festzustellen. Die alten Träume der Eugeniker - "Ausmerzen" des Down Syndroms - rücken damit in greifbare Nähe.

13. Januar 2011 Christof Potthof

Wir haben es satt! Das ist das Motto der am Samstag, 22. Januar 2011, in Berlin stattfindenden Demo. Die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft steht im Zentrum der Kritik. Insbesondere gegen den Einsatz der Agro-Gentechnik, gegen immer größere Tierfabriken und gegen weltweit unfaire Preise werden wir gemeinsam auf die Straße gehen. Der aktuelle Futtermittel-Skandal ist nur das i-Tüpfelchen des ganz normalen Wahnsinns, der sich in den zurückliegenden Jahren in weiten Teilen von Landwirtschaft und Lebensmittel-Produktion etabliert hat.

14. Dezember 2010 Susanne Schultz

Aufwendigste Pränataldiagnostik. Forscher von der Chinesischen Universität Hongkong haben einen Großeinsatz gestartet, um die Pränataldiagnostik via Bluttest voranzubringen. Sie entschlüsselten fast ein komplettes fetales Genom auf der Grundlage von genetischem Material, das sie aus dem Blut einer in der 12. Woche schwangeren Frau gewonnen hatten. Begründung: Sie wollten erfahren, ob das Kind später an Thalassämie erkranken wird oder nicht. Noch ist dies extrem aufwendige Grundlagenforschung, in der Zukunft könnte der Rundumgenomcheck via Bluttest enorme Möglichkeiten der Selektion eröffnen...

7. Dezember 2010

Leihmutter zur Abtreibung gedrängt. In Kanada hat ein Paar eine Leihmutter zum Schwangerschaftsabbruch gedrängt, nachdem beim Fötus ein Down Syndrom diagnostiziert wurde. Die Schwangere hatte zunächst die Abtreibung verweigert, sich dann aber doch der Forderung des Paares gefügt. Das Paar hatte zuvor vertraglich festlegen lassen, dass es keinerlei Verpflichtungen gegenüber dem Kind hat, wenn die Leihmutter die Schwangerschaft gegen ihren Willen fortsetzt. Das in den Werbebroschüren gezeichnete Bild glücklicher Eltern und gesunder Kinder blendet diese Realität der Fortpflanzungsmedizin gern aus.

1. Dezember 2010 Alexander Schwerin

Und tschüss! In den USA hat ein Bundesrichter die Zerstörung gentechnisch veränderter Zuckerrüben angeordnet. Die Gen-Zuckerrüben der Firma Monsanto seien ohne die nötige Umweltprüfung gepflanzt worden, es bestehe aber "ein erhebliches Risiko", dass diese Pflanzen die Umwelt schädigen könnten, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Urteil des Bundesrichters Jeffrey White aus Kalifornien. Zerstört werden müssen dem Urteil zufolge die Gen-Zuckerrüben allerdings erst ab Dienstag kommender Woche - bis dahin kann noch Berufung eingelegt werden.

22. November 2010 Christof Potthof

Re-Regionalisierung: Das Stichwort geistert durch die Debatte um die europäische Regulierung des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen. Der GVO-Kommissar der EU, John Dalli, will den Scharzen Peter loswerden. Nicht immer sollen alle - von den US-amerikanischen Lobbyisten aus Politik und Wirtschaft über die Welthandelsorganisation WTO bis zu den EU-Mitgliedsländern - auf ihn sauer sein. Egal, was die Kommission tut, sie kann es nur verkehrt machen: ... (hier weiter lesen)

29. Oktober 2010 Alexander Schwerin

PID rechnet sich. Noch immer bewegt die Präimplantationsdiagnostik (PID) die Gemüter. Bewegt worden sind auch gewichtige ethische Argumente. Die wichtigste Frage lautet indes: Wird der Einsatz der PID die Ausnahme bleiben? Die Diskussion in den USA zeigt, dass es neben Ethik noch eine andere Kraft in der Entwicklung gibt: volkswirtschaftliche Kalküle. Ökonomen rechnen dort vor, dass sich der flächendeckende Einsatz der PID z.B. für die Krankheit Mukoviszidose schon in wenigen Jahren finanziell lohnen würde. Medizin-Experten bereiten sich bereits auf die kollektive Testung künstlich gezeugter Embryonen vor. (Quelle...)

14. Oktober 2010

Weniger Beratung. Das beim US-Gesundheitsministerium angesiedelte Advisory Committee on Genetics, Health and Society wurde abgeschafft. Das Gremium habe „seine Aufgabe erfüllt“, so Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius und Direktor der NIH Francis Collins. Die Expertenrunde hat sich u.a. erfolgreich für das Verbot genetischer Diskriminierung eingesetzt. Auch hierzulande werden Gremien eingemottet: Trotz Protesten von Abgeordneten ist der Ethikbeirat des Bundestages nicht wieder eingerichtet worden. Man verzichtet offenbar auf demokratische Meinungsbildung und überlässt dem Deutschen Ethikrat das Feld.

7. Oktober 2010

Medizin-Nobelpreis für In-vitro-Fertilisation. Der Physiologe Robert G. Edwards erhält den diesjährigen Medizin-Nobelpreis für das von ihm in den 1970er Jahren entwickelte Verfahren der In-vitro-Fertilisation (IVF). Das Verfahren zur künstlichen Befruchtung außerhalb des Mutterleibs gilt als erfolgreiche Kinderwunsch-Behandlung. Edwards Arbeit war nicht nur der Einstieg der modernen Reproduktionsmedizin in die verbrauchende Embryonenforschung. Die IVF stellt auch den technischen Rahmen für die Präimplantationsdiagnostik. Das Nobelkomitee scheint hier weiteren Forschungsbedarf zu sehen.

29. September 2010 Alexander Schwerin

Bioökonomen am Werk. In Berlin wird diese Tage über die Zukunft der Gesundheitspolitik beraten. Das Gesundheitsministerium fördert den Workshop der OECD „Better Health through Biomedicine – Innovative Governance“. Die OECD ist bekanntlich die Institution, die unter dem Label der „Bioökonomie“ an Europas Wettbewerbsfähigkeit arbeitet. So geht es auch in dem Workshop vor allem um „Innovation und Kostenkontrolle“ im Gesundheitssystem. Vielleicht sollten sich die Damen und Herren vor allem um die „Kostenkontrolle“ im Bereich Biomedizin und Genomforschung kümmern: um die ist es nämlich miserabel bestellt.

31. August 2010 Alexander Schwerin

Genetischer Fingerabdruck im Biologie-Unterricht. Ganz nach dem Motto „Früh übt sich“ sollen SchülerInnen jetzt ihre DNA selber analysieren. In der Didaktik der Biowissenschaften an der Frankfurter Universität wurde hierfür ein Experimentierkoffer für den Schulunterricht entwickelt, der das notwendige enthält. Die SchülerInnen erfahren, wie sie DNA aus Zellen der Mundschleimhaut isolieren, DNA-Fragmente mithilfe der Gelelektrophorese trennen und wie ein genetischer Fingerabdruck nachgewiesen wird. Diese praktische Veralltäglichung der DNA-Datenerfassung hat unter anderem die Firma Merck unterstützt. Doch wo bleibt die Ethik?