Neue Ausgabe des GID: Psychopharmaka - Substantielle Politik

(Berlin, 15. November 2011) Die neueste Ausgabe des Gen-ethischen Informationsdienst (GID) beschäftigt sich in ihrem Schwerpunkt mit Psychopharmaka. Sie denken vielleicht ein ungewöhnliches Thema für eine Zeitschrift, die Gen- und Reprotechnologien im Fokus hat - weit gefehlt: Biologisierung psychischer Krankheiten greift mehr und mehr um sich - da können Gene nicht weit sein - im Gewand psychatrischer Genetik zum Beispiel. Außerdem ein Interview mit Aktivist_INNEN, die im Sommer zwei Standorte von Freisetzungen mit gentechnisch veränderten Pflanzen zerstört haben. Gerne schicken wir Ihnen die aktuelle Ausgabe zur Ansicht. Vielleicht finden Sie ja Gelegenheit zu einer kritischen Würdigung.

GID 208:

Neu in dieser Ausgabe die Rubrik: In Bewegung ... kleine Nachrichten zu Menschen und Aktionen (online)

 

Titelthema der aktuellen Ausgabe: Psychopharmaka - Substantielle Politik

 

+++ Substantielle Politik (Einführung)

Die Psychiatrie, so scheint es, ist aus modernen westlichen Gesellschaften kaum noch wegzudenken: Sie ist im Krisenfall zur Stelle und trägt zugleich recht diskret dazu bei, dass die Menschen im Alltags- und Arbeitsleben funktionieren. Was also ist gegen sie vorzubringen?  Von der GID-Redaktion. (online)

+++ Genetischer Postdeterminismus

An der psychiatrischen Genetik ist der Paradigmenwechsel in der Genomforschung nicht spurlos vorbeigegangen, die Abkehr vom genetischen Determinismus hat ihr methodisches Gerüst erschüttert - und dennoch wird weitergemacht wie bisher. Von Vanessa Lux.

+++ Defizite der Biochemie

Machtvoll verbinden sich Marketingstrategien von Arzneimittelherstellern mit den Biologisierungstendenzen der Psychiatrie. Unternehmerische Taktiken und methodische Tricks wecken hohe Erwartungen an die Wirksamkeit der Substanzen, und psychiatrische Krankheitsmodelle liefern die Grundlage dafür, dass seelische Krisen kaum noch als Produkt gesellschaftlicher Verhältnisse erkannt, sondern vor allem als biochemische Störung behandelt werden. Von Stefan Weinmann. (online)

+++ Pharmaversorgung

Die Zunahme der Verschreibungen von Psychopharmaka wird auch durch die Privatisierungspolitik im Gesundheitswesen gestützt. Von Erika Feyerabend. (online)

+++ Antidepressiva und die Arbeit am Selbst

Sie versprechen viel, tatsächlich helfen sie jedoch wenig, sie tragen sowohl zur Biologisierung wie zur Ökonomisierung sozialer Probleme bei und sie sind Instrument der Individualisierung. Vielseitig ist die Kritik an Antidepressiva. Aber sollte deswegen ganz von ihnen abgeraten werden? Eine kritische Betrachtung der Diskussion. Von Stefanie Graefe. ... und mehr

LANDWIRTSCHAFT & LEBENSMITTEL

+++ Wer bezahlt die Rechnung?

Ausgelöst durch einen Freisetzungsversuch mit gentechnisch verändertem Weizen und dessen Zerstörung durch Greenpeace-AktivistInnen wird in Australien über Aktivismus, Wissenschaft und die Interessen der Gesellschaft diskutiert. Von Anne Bundschuh.

+++ Monsanto pokert oder hat Angst

Wenn Pollen des gentechnisch veränderten Mais MON810 im Honig gefunden wird, ist das für die betroffenen ImkerInnen sehr ärgerlich. Der Europäische Gerichtshof entscheidet nun im Sinne des Verbraucherschutzes. Von Christof Potthof. (online)
 

MENSCH & MEDIZIN

+++ Die Gen-Maus: geplantes Leid

Die Gentechnik treibt die Tierversuchszahlen in die Höhe. Wenn gentechnisch veränderte Mäuse als Modelle für menschliche Krankheiten benutzt werden, ist ihr Leiden eingeplant - und von zweifelhaftem Nutzen. Von Uwe Wendling.

+++ Entscheidungsfalle für alle

Noch in diesem Jahr soll in der Bundesrepublik ein Bluttest für werdende Mütter auf den Markt kommen, mit dem in der zehnten Schwangerschaftswoche festgestellt werden kann, ob beim Ungeborenen eine Trisomie 21 vorliegt. Ein minimaler Eingriff, ein früher Zeitpunkt und eine hohe Aussagesicherheit - Pränataldiagnostik für alle. Von Silja Samerski. (online)
 

POLITIK & WIRTSCHAFT

+++ „Eine riesige DNA-Datenbank ist kein Allheilmittel“

Lutz Roewer leitet die Abteilung für forensische Genetik der Rechtsmedizin an der Charité in Berlin. Für die Kampagne „DNA-Sammelwut stoppen“ befragte der GID ihn zu Möglichkeiten und Grenzen der kriminologischen Genetik und zur Kooperation mit dem Landeskriminalamt Berlin, für das sein Institut jährlich zwischen zehn- und zwanzigtausend DNA-Spuren analysiert. Interview mit Lutz Roewer.

+++ Sand im Getriebe

Anfang Juli wurden Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt von Unbekannten zerstört. Dabei wurden die an den Flächen eingesetzten Wachleute bedroht und in ihren Aufenthalts-Containern eingesperrt. Interview mit Aktivist_INNEN. (online)
 

Außerdem im aktuellen GID:

Rezensionen aktueller Bücher: Food Crash. Von Felix zu Löwenstein. (online)
Partizipative Agrarwissenschaften Saatgut steht im Zentrum des Films „Zukunftsfelder - Philippinische Bauern im Klimawandel“. Die Entwicklungsorganisation Misereor arbeitet seit Jahren mit dem philippinischen Bauernnetzwerk MASIPAG zusammen. Der Film zeigt dessen partizipativen Ansatz bei der Pflege alter und der Züchtung neuer Reissorten ... (online)
außerdem ... weitere Bücher, Aktion und Termine
Inhaltsverzeichnis online unter http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/208
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Kontakt:

Gen-ethischer Informationsdienst/ Gen-ethisches Netzwerk
Brunnenstrasse 4 - 10119 Berlin - Fon: 030-6857073 - Fax: 030-6841183
eMail: gid@gen-ethisches-netzwerk.de.
Gen-ethischer Informationsdienst - GID 208, Oktober 2011 - Titelthema:
„Psychopharmaka - Substantielle Politik“.
27. Jahrgang - ISSN 0935-2481
Der Gen-ethische Informationsdienst (GID) ist die Fachzeitschrift des Gen-ethischen Netzwerk und berichtet seit mehr als 25 Jahren kritisch und kompetent zu den Themen Gentechnologie und Fortpflanzungsmedizin. Der GID erscheint zweimonatlich und kann beim Gen-ethischen Netzwerk in Berlin bestellt werden. Ein Einzelheft kostet 6,50 Euro.
Der GID ist in Teilen frei über das Internet verfügbar unter: http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/index
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