Linke und Technikkritik im 21. Jahrhundert

Schwerpunkt

Im Zeichen der Finanzkrise stehen verständlicherweise soziale Themen im Vordergrund der angelaufenen Proteste. Genom- und Biotechnologie stehen da erst recht nicht oben auf der Liste linker Themen. Aber warum ist das so? Und: Muss das so sein?

Impressum

GID 193, April 2009, 25. Jahrgang, ISSN 0935-2481, Redaktion: Theresia Scheierling (ViSdP), Monika Feuerlein, Christof Potthof, Susanne Schultz, Alexander v. Schwerin, Uta Wagenmann, Mandy Scholz, Tom Bartneck

Artikel in dieser Ausgabe

  • Hokuspokus Technikus

    Von
    Alexander von Schwerin

    Ein kondensierter Blick in die Vergangenheit ruft in Erinnerung, dass Technik und Technologien in linken Zukunfts- und Gesellschaftsmodellen einen zentralen Platz einnahmen. Technikkritik ist eine hart erkämpfte Errungenschaft mit vielen Stolperstellen.

  • Das Produktionsmittel Genom im Fokus

    Interview mit
    Rainer Hohlfeld, Reinhard Mocek

    In welchem Verhältnis stehen Gesellschaft und Technik zueinander? Ist Technik ein eigengesetzliches, nur von der Art der Produktionsverhältnisse abhängiges Phänomen? Oder muss das Wesen der ‚Produktivkraft Wissenschaft’ in den Blick genommen werden? Zwei Protagonisten linker Sichtweisen auf Technologie eröffnen eine Diskussion zum Verhältnis von Technik und Gesellschaft.

  • Zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit

    Von
    Niko Paech

    Inwieweit ist gesellschaftlicher Fortschritt von technischer Entwicklung abhängig? Um diese Frage beantworten zu können, muss erst einmal geklärt sein, was unter gesellschaftlichem Fortschritt eigentlich zu verstehen ist. Anmerkungen zum Streit um eine Politische Ökologie.

  • Tanz ums Gen

    Von
    Jörg Djuren

    Linke Positionen gegen Humangenetik sind oftmals zerrissen zwischen der Kritik an der Wirkmächtigkeit der Humangenetik einerseits und der Infragestellung ihres Wahrheitsanspruchs andererseits. Insbesondere linke BasisaktivistInnen neigen dabei zur Reproduktion technologischer Mythen.

  • Leerstelle Behinderung - linke Normalität?

    Von
    Udo Sierck

    Die Forderung nach Schließung aller genetischen Beratungsstellen markierte den Anfang der Auseinandersetzung der Behindertenbewegung mit Eugenik und Humangenetik. Die Befürchtungen von damals sind leider wahr geworden, doch Thema linker Debatte ist das nicht.

  • Linke Technologiekritik in Bewegung

    Von
    Erika Feyerabend

    Lebenswissenschaften und Biotechnologien machen den menschlichen Körper zunehmend zum Feld der Auseinandersetzung um manipulierenden Eingriff und ökonomische Verwertung. Die Kritik an Körperpolitik hat es jedoch schwer, weil diese Entwicklung nicht auf der Liste klassischer sozialer Themen steht.

  • Aufstand gegen den Tod

    Von
    Sascha Dickel

    Die ‚Befreiung des Menschen’ ist ein zentrales Motiv emanzipativer und antikapitalistischer Bewegungen in der Moderne. Gelegentlich wurde Emanzipation dabei auch als Befreiung von den Zwängen der Biologie verstanden. Heute findet diese Spielart des Befreiungsdiskurses bei Technikfuturisten neue Anschlüsse, die ein ganz eigenes Licht auf blinde Flecke der Linken in punkto Technologiekritik werfen.

  • Bayern und GVO

    Von
    Christof Potthof

    Der Freistaat hat sich zu einem der Hauptschauplätze in der deutschen Auseinandersetzung um den Einsatz der Agro-Gentechnik entwickelt.

  • Gesellschaft und Agrar-Gentechnik

    Von
    Birgit Peuker

    Techniken sind nicht wertneutral. Ihre sozialen Folgen bestimmen sich sowohl durch die Form ihrer sozialen Einbettung als auch durch die Möglichkeiten einer sozialen Aneignung. In die Bewertung der Agrar-Gentechnik müssen nicht nur die technischen Verfahren einbezogen werden, sondern auch ihre rechtliche Regulierung und andere gesellschaftliche Faktoren.

  • Markt ohne Grenzen

    Von
    Arnold Sauter, Leonhard Hennen

    Das kommerzielle Angebot genetischer Tests im Internet wächst. Eine Untersuchung für das Europäische Parlament hat massive Qualitätsmängel im Beratungsangebot der Anbieterfirmen festgestellt und legt eine stärkere Regulierung nahe.

  • Rauschen im Blätterwald

    Von
    Christof Potthof

    Weil die Bundeslandwirtschaftsministerin öffentlich über ein Verbot eines gentechnisch veränderten Mais nachdenkt, bekam sie nun Post von einem Wissenschaftler, der diese Pflanze untersucht hat. Über die Krise der so genannten Biosicherheitsforschung - nicht nur in Deutschland.

  • Grauzone Forschung

    Von
    Uta Wagenmann

    Das geplante Gendiagnostik-Gesetz steht - wie bereits mehrfach in den vergangenen zehn Jahren - kurz vor der Verabschiedung. Auch diesmal ist ungewiss, ob die amtierende Regierung eine Verabschiedung vor den Bundestagswahlen zustande bekommt. Sie hat gute Chancen, vor allem, weil sie ein umstrittenes Feld kategorisch aus dem Regelungsbereich des Gesetzes ausschließt: Die Verwendung von DNA-Proben und den dazugehörigen Patientendaten für die Forschung.

  • „Eine Regelung ist überfällig”

    Interview mit
    Regine Kollek

    Wie ist es im Zeitalter von Biobanken um den Daten- und Persönlichkeitsschutz bestellt?

  • Finger weg...

    Von
    Susanne Schultz

    Paragraph 17 Absatz 8 - das hört sich nach trockener Juristerei an. Aber das Kleingedruckte kann auch und gerade in einem Gesetz große Folgen haben. Im Fall des derzeit im Bundestag verhandelten Gendiagnostik-Gesetzes (GenDG) hat die Koalition in diesen Absatz Regelungen gepackt - sozusagen hier versteckt -, die eine massive Diskriminierung von MigrantInnen und Menschen ohne deutschen Pass nach sich ziehen.