Rezension: Bedenken gegen Reproduktionsmedizin

Von einem Schwerpunktheft zu ethischen Fragen der Reproduktionsmedizin erwartet man Hintergrundinformationen und kritische Beiträge. Das aktuelle Heft von Imago Hominis enttäuscht leider. Das herausgebende Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik steht unter der Schirmherrschaft der österreichischen Bischofskonferenz - nicht gerade eine fortschrittliche Institution, und das merkt man. Neben vielen sehr richtigen und nachvollziehbaren Kritikpunkten werden auch unbewiesene, pseudowissenschaftliche und eher esoterisch anmutende Urteile vorgetragen, etwa dass durch Anwendung von Reproduktionstechniken wie der künstlichen Befruchtung die wichtige pränatale Bindung zwischen „Mutter“ und „Ungeborenem“ „verloren“ gehe. Auch der dezidierte „Lebensschützer“ Holm Schneider hat einen Text beigesteuert. Zwar ist seinem Aufruf, Mut zu ungenormten Kindern zu haben, zuzustimmen, ungenormte Frauenleben müssen aber genauso Platz in einer freien Gesellschaft haben - das ist mit „Lebensschützern“ und der katholischen Kirche wohl nicht zu machen. Da immer wieder mehr oder weniger eindeutige „Lebensschützer“-Quellen angeführt werden, ist der Übersicht zum wissenschaftlichen Forschungsstand nicht zu trauen - wer es für wissenschaftlich erwiesen hält, dass Abtreibungen zu Brustkrebs und Suizid führen, ist wohl auch für andere „Belege“ offen, solange sie die eigene Meinung stützen. Diese fundamentalistisch-religiöse Schlagseite mindert Erkenntnisgewinn und Lesegenuss des Heftes beträchtlich.

Kirsten Achtelik

➤ Imago Hominis 1/2017: Ethische Fragen der Reproduktionsmedizin, Österreichische Quartalschrift des Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik, 15 Euro, ISSN 1021-9803, Artikel teilweise auch online zugänglich: www.imabe.org.

Kirsten Achtelik ist Mitarbeiterin des GeN und Redakteurin des GID.

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Erschienen in
GID-Ausgabe
241
vom Mai 2017
Seite 44