Bauernrechte im Konflikt mit dem geistigen Eigentum

Fachtagung der Interessengemeinschaft Nachbau, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Kein Patent auf Leben! am 8. Oktober 2008 in der Niedersächsische Landesvertretung in Berlin-Mitte


Programm | Programmflyer (pdf-Dokument, 143 KB)
Wem gehört das Saatgut? Jahrtausendelang in Bauernhand entwickelt, haben es sich seit wenigen Jahrhunderten Saatgutzüchter zur Aufgabe gemacht, die Kulturpflanzen weiter zu züchten und zu entwickeln. Erst seit dem können gezüchtete Sorten bei staatlichen Ämtern angemeldet und geschützt werden und unterstehen dann dem Sortenschutz. Damit wird ihre Nutzung über Lizenzgebühren für die jeweiligen Sortenschutzinhaber wirtschaftlich attraktiv. Die Eigenschaften der Sorte dürfen von allen Züchtern genutzt und auch weiter entwickelt werden. Nur so kommt Züchtungsfortschritt zustande. Trotz Sortenschutzgesetzgebung durften auch die Bäuerinnen und Bauern ihre Ernte über viele Jahre uneingeschränkt als Saatgut für den so genannten Nachbau (Wiederaussaat der eigenen Ernte) nutzen. Dies „Landwirteprivileg“ Mitte der 90er Jahre wurde durch Einführung der Nachbaugebühren nachhaltig beschnitten. Der Einzug des Patentrechtes in Europa könnte noch viel weiter gehende Auswirkungen - auch auf den „Züchtervorbehalt“ - haben. Die Erteilung von Patenten auch auf konventionell gezüchtete Tiere und Pflanzen wird von den großen Lifescience-Konzernen massiv vorangetrieben. Gerade jüngst hat das Europäische Patentamt ein umfassendes Patent auf ein Verfahren zur konventionellen Zucht von Schweinen genehmigt. Welche Folgen haben nun all diese Entwicklungen auf Bäuerinnen und Bauern, auf Saatgut- und Tierzüchter, auf Vermehrer von Saatgut, die Eigenbestandsführung der Tierhalter, auf den Ackerbau und die Artenvielfalt? Wie können Bauernrechte im Konflikt mit dem geistigen Eigentum erhalten bleiben? Wie weit reichen Patente? Brauchen wir Patente zum Erreichen des Züchtungsfortschritts? Wer meldet Patente an, wem fehlen Geld und Macht? Wie können Finanzmodelle zukünftiger Züchtungsforschung aussehen? Welche Forderungen stellen unterschiedliche Interessensgruppen an die Politik? Welche Antworten hat die Politik darauf? Diesen und anderen Fragen wollen wir gerne mit Ihnen am 8. Oktober 2008 auf einer Fachtagung der Interessengemeinschaft gegen die Nachbaugebühren und Nachbaugesetze (IGN), der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Kein Patent auf Leben! in Berlin nachgehen. Bitte merken Sie sich schon jetzt den Termin vor, ein vorläufiges Programm befindet sich im Anhang. Wir würden uns freuen, Sie bei der Fachtagung begrüßen zu können.
Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V. und Geschäftsführer der Interessengemeinschaft gegen die Nachbaugebühren und Nachbaugesetze (IGN)
Annemarie Volling, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V.
Bauernrechte im Konflikt mit dem geistigen Eigentum

Fachtagung der Interessengemeinschaft Nachbau, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Kein Patent auf Leben!

Am 8. Oktober 2008 in der Niedersächsische Landesvertretung, In den Ministergärten 10, 10117 Berlin-Mitte

Programm:

9.00 Anmeldung, Kaffee, Tee 9.30 Uhr Begrüßung und Einführung in das Thema: Georg Janßen, Geschäftsführung IG Nachbau, AbL und Annemarie Volling, AbL
Konfliktfeld I: Nachbau von Saatgut 9.45 Uhr: Die Nachbau-Auseinandersetzung aus Sicht der Bauern: Klaus Buschmeier, IG Nachbau 10.00 Uhr: Die Nachbau-Auseinandersetzung aus rechtlicher Sicht: Dr. Matthias Miersch, Rechtsanwalt aus Hannover 10.15 Uhr: Finanzierungsmodelle für eine vielseitige Züchtungsforschung: Dr. Karl – Josef Müller, Getreidezüchter aus Darzau 10:30 Uhr: Kosten und Finanzierungsmodelle der Kartoffelzüchtung: Wolfgang Walter, Geschäftsführer der Norika GmbH (angefragt)
10:45 – 11:00 Uhr Pause
11:00 Uhr: Lösungsansätze im Nachbaustreit diskutieren: Wolfgang Walter, Karl-Josef Müller, Matthias Miersch, Gerhard Portz, Klaus Buschmeier; Moderation: Claudia Schievelbein, Redakteurin Unabhängige Bauernstimme
12:00-13:00 Uhr Mittagsimbiss und Infostände
13.00 Uhr: Konfliktfeld II: Schutz des geistigen Eigentums durch Patentierbarkeit von Pflanzen und Tieren? Fallbeispiele und Forderungen an die Politik: 13:00 Uhr: Problemaufriss: Dr. Christoph Then, scouting biotechnology 13:30 Uhr: Schweinepatent: Christoph Zimmer, MbA, Produktionsleiter Schwäbisch Hällisches Qualitätsfleischprogramm 13:45 Uhr: Brokkoli und andere Pflanzen: Dr. Ruth Tippe, Kein Patent auf Leben! 14:00 Uhr: Folgen für die Landwirtschaft im Süden: Mute Schimpf, MISEREOR 14.15 -14.45 Nachfragen und Diskussion
14.45-15:00 Pause
15.00 Uhr: „Wie können Bauernrechte in der Patentierungs- Auseinandersetzung geschützt werden?“, Prof. Dr. Dr. Fritz Dolder, Patentanwalt, Juristische Fakultät Universität Basel 15:30 – 15:45 Uhr Nachfragen und Diskussion
15.45 – 16:00 Pause
16:00 – 17:00 Uhr: Diskussion und Lösungsansätze zu Bauernrechten im Konflikt mit dem geistigen Eigentum Kurzstatements und Diskussion Dr. Stefan Walz (Bundesministerium der Justiz) Dr. Christian Grugel (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher schutz) Gerhard Portz (IG Nachbau) Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf (AbL-Bundesvorsitzender und stellv. Vorsitzender im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments)
Moderation: Dr. Tanja Busse, Journalistin Organisatorische Leitung der Veranstaltung: Georg Janßen, Annemarie Volling
Tagungsbeitrag: 25,- €, Zahlung vor Ort
Anmeldung / Nachfragen an: Annemarie Volling Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V. Tel: 04131/400720, Fax: 04131/407758 Mail: gentechnikfreie-regionen@abl-ev.de

Anmeldung:

Bis spätestens zum 1. Oktober 2008 das hier (pdf-Dokument, 143 KB) gespeicherte Formular an 04131/407758 schicken. Oder die entsprechenden Informationen per eMail an: gentechnikfreie-regionen@abl-ev.de.

13. September 2008