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Seit der letzten Stellungnahme des GeN und anderer Organisationen gegen die Einführung des Bluttests auf Trisomien in die Krankenkassen-Regelversorgung im Februar fanden mehrere Tagungen und Treffen zum Thema statt - ein Überblick.

Eine bessere Beratung vor und nach pränataler Diagnostik ist dringend nötig, als alleinige Forderung jedoch unzureichend. Der Schwangeren darf damit nicht die Verantwortung für gesellschaftliche Fehlentwicklungen übergeholfen werden.

Pränataldiagnostik soll Schwangeren Ängste nehmen und Sicherheit herstellen, so die gängige Darstellung. Dabei sagen die Diagnosen über das künftige Leben mit einem Kind nur wenig aus.

Am 26.5.2015 diesen Jahres soll der umstrittene australische Bioethiker Peter Singer in der Berliner „Urania“ den „Peter-Singer-Preis“ für seinen Beitrag zur „Tierleidminderung“ erhalten. Bekannt ist Philosoph Singer seit den 1980ern Jahren wegen seiner Forderung, die Tötung behinderter Säuglinge unter bestimmten Bedingungen zu legalisieren. Das Aktionsbündnis „Kein Forum für Peter Singer“ ruft zu einer Gegenkundgebung auf.

Im April 2015 forderte er in einem Radio-Interview, behinderten Säuglingen Leistungen des öffentlichen Gesundheitssystems zu entziehen: „Ich möchte nicht, dass sich meine Versicherungsbeiträge erhöhen, damit Kinder ohne Aussicht auf Lebensqualität teure Behandlungen bekommen“, so der Princeton-Professor.

[UPDATE: Beitrag von Radio Corax, 8. Juni 2015 unter www.freie-radios.net/70952]

Der Inklusionsbeirat, angesiedelt beim Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, hat im Januar ein Positionspapier zu Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik veröffentlicht, in dem unter anderem gefordert wird, pränataldiagnostische Untersuchungen auf Krankheiten zu beschränken, die während der Schwangerschaft oder direkt nach der Geburt behandelt werden können. Der GID dokumentiert das Papier in Auszügen.

„Keine Angst vor großen Fragen: Vorgeburtliche Diagnostik zwischen Ethik und Monetik“ - unter diesem Motto stand die Jahrestagung des Netzwerks gegen Selektion durch Pränataldiagnostik Ende Februar in Berlin. Die Diskussion drehte sich immer wieder auch um den neuen Bluttest auf Trisomie 21. Ein Tagungsbericht.

Schon heute sind verschiedene pränataldiagnostische Untersuchungsmethoden in der Schwangerschaft zur Routine geworden. Was aber, wenn einfache Bluttests zu einem frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft möglich werden? Wird ein umfassender billiger und nichtinvasiver „Gencheck“ dann Standard?

Bis zum Jahresende 2008 reichten fünf Gruppeninitiativen im Bundestag ihre Anträge oder Gesetzesentwürfe zum Thema Spätabtreibungen ein. Es geht dabei weder um den Paragraphen 218 noch um die grundsätzliche Problematik pränataler Diagnostik. Debattiert wird, ob das Schwangerenkonfliktgesetz reformiert werden sollte, um Beratungspflichten für ÄrztInnen und Entscheidungsfristen für Schwangere zu etablieren. Wäre es der Union ernst mit ethischen Bedenken, müsste sie die Frühdiagnostik im Rahmen der Schwangerenvorsorge insgesamt neu debattieren.

Wie wird im Nachbarland Polen über Pränataldiagnostik diskutiert? Eine Internetrecherche zeigt, dass ein kritischer öffentlicher Diskurs hier wenig verbreitet ist, auch wenn im medizinischen Alltag viele Ärzte und Ärztinnen Schwangeren keine vorgeburtlichen Untersuchungen empfehlen. Wenn, dann werden eher Schwangerschaftsabbrüche als die Diskriminierung von Behinderten problematisiert.