Rezension: Der Kampf um den Körper im Kapitalismus

In ihrem Buch „Jenseits unserer Haut“ widmet sich die Philosophin Silvia Federici dem Körper als Objekt kapitalistischer Ausbeutung, aber auch als Ort des Widerstands. In zehn kurzen Essays verbindet Federici ihre Theorie über die Herausbildung moderner Geschlechter- und Körpernormen mit aktuellen feministischen Debatten um Themen wie Sexarbeit, Schwangerschaftsabbrüche oder „Leihmutterschaft“. Wie schon in ihren früheren Werken wendet sie sich gegen poststrukturalistische Ansätze, die Körper und Gender als diskursive Konstrukte begreifen, ohne dabei soziale Machtverhältnisse und Konflikte zu thematisieren. Ausführlich entwirft Federici das Bild eines immer weiter zur Arbeitsmaschine degradierten Körpers, der sich trotz der Versprechungen der Biomedizin nicht von kapitalistischen Zwängen befreien kann. Die Analyse konkreter Praktiken der „Wiederaneignung des Körpers“ fällt dagegen auf nur neun Seiten am Ende des Buches sehr kurz aus. So bleibt offen, wie genau Federici das emanzipatorische Potenzial aktueller Kämpfe um körperliche Selbstbestimmung bewertet. Ihre Kritik an der modernen Medizin und Psychologie als Instrumente kapitalistischer Ausbeutung ist aber durchaus lesenswert und bietet einen guten Einstieg in aktuelle Debatten.

➤ Silvia Federici (2020): Jenseits unserer Haut. Körper als umkämpfter Ort im Kapitalismus. 144 Seiten, Unrast-Verlag, 14,- Euro, ISBN 978-3-89771-329-1.

 

Jonathan Auer hat Sozial- und Kulturanthropologie sowie Politikwissenschaft an der FU Berlin studiert und von Mai bis Juni 2020 ein Praktikum im GeN gemacht.

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
254
vom August 2020
Seite 37 - 38

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