Rezension: Mangelhafte Krebsmedi­kamente

Der US-amerikanische Onkologe und Medizinprofessor Vinay Prasad ist vor allem auf der Social Media-Plattform Twitter als scharfer Kritiker von qualitativ schlechter biomedizinischer Forschung bekannt. In seinem aktuellen Buch „Malignant“ konzentriert er sich auf Missstände in der Entwicklung von neuen Krebsmedikamenten, die er zusammen mit Kolleg*innen in den letzten Jahren erforscht hat. Obwohl nur der US-amerikanische Kontext beleuchtet wird, ist das Buch auch hierzulande äußerst lesenswert. Denn es existieren zwar einige grundsätzliche Unterschiede zwischen den Gesundheitssystemen, die verantwortlichen Pharmaunternehmen agieren jedoch international. Ein grundlegendes Problem sind nach Prasad finanzielle Interessenkonflikte, die sämtliche Aspekte der Medikamentenentwicklung von der Forschung bis zur Anwendung durchziehen. Sie führen dazu, dass viele neue Medikamente nicht nach patient*innenorientierten Maßstäben, wie z.B. eine deutliche Verlängerung der Lebenserwartung, sondern ausschließlich auf die Marktzulassung hin, entwickelt werden. Und sie führen dazu, dass durch das Marketing der Unternehmen falsche Hoffnungen geweckt werden, z.T. schwere Nebenwirkungen ihrer Produkte verschwiegen werden und die Kosten für die Versorgung von Krebspatient*innen explodieren. Abschließend führt Prasad aus, wie ein paar entscheidende Änderungen diese Missstände beheben oder mildern könnten und gibt Regulator*innen, Ärzt*innen, Studierenden, sowie Patient*innen Tipps zu diesem Wandel beizutragen. Sprachlich sehr einfach verständlich geschrieben, richtet sich Prasad mit seinem Appell für eine bessere Medikamentenentwicklung sowohl an interessierte Lai*innen, als auch Fachleute, ohne diese zu langweilen.

➤ Vinayak K. Prasad (2020): Malignant. How Bad Policy and Bad Evidence Harm People with Cancer. Englisch, 240 Seiten, Johns Hopkins University Press, 28,41 Euro, ISBN 978-1-4214-3763-7.

Isabelle Bartram ist Molekularbiologin und Mitarbeiterin des GeN. Außerdem ist sie Teil der Forschungsgruppe “Human Diversity in the New Life Sciences: Social and Scientific Effects of Biological Differentiations” (SoSciBio) an der Universität Freiburg.

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
254
vom August 2020
Seite 37

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