Kurz notiert - Landwirtschaft und Lebensmittel

Agro-Gentechnik

Mexiko: Keine Genehmigung für gv-Maissorte

Die mexikanischen Gesundheitsbehörden haben zum ersten Mal eine neue Sorte von gentechnisch verändertem (gv) Mais abgelehnt. Dabei handelt es sich um einen gv-Mais mit Toleranzen gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Der Konzern Bayer, der die Sorte herstellt, kritisierte die Entscheidung und kündigte an, seine rechtlichen Möglichkeiten prüfen zu wollen. Der kommerzielle Anbau von gv-Mais ist in Mexiko generell nicht zugelassen, die Einfuhr ist jedoch seit Jahrzehnten erlaubt. Im Januar dieses Jahres hatte der mexikanische Präsident López Obrador einen Erlass verkündet, nachdem alle Genehmigungen, gv-Mais anzubauen oder als Lebensmittel zu verwenden, widerrufen werden. Das Dekret soll bis 31. Januar 2024 vollständig vollzogen sein. Gv-Mais wird in Mexiko überwiegend als Futtermittel für Tiere verwendet. In der Vergangenheit wurden ca. 90 gv-Maissorten für den Import zugelassen, neben insgesamt fast 170 Zulassungen für gv-Saatgut, einschließlich Baumwolle und Sojabohnen. (Reuters, 08.10.21, www.reuters.com) (pv)

Viele neue CRISPR-ähnliche Enzyme gefunden

Auf der Suche nach den Ursprüngen der Enzyme, die bei CRISPR-Cas angewendet werden sind Wissenschaftler*innen auf Millionen ähnlicher Enzyme gestoßen. Proteine der Gruppe IscB und TnpB können – sowie das CRISPR-System – durch RNA gesteuert an den passenden Ort auf der DNA gebracht werden, um dort den Doppelstrang zu zerschneiden. Die Vielzahl an potenziell interessanten Enzymen in diesen Gruppen überraschte die Wissenschaftler*innen. Nicht nur in Bakterien wurden sie fündig, sondern auch in Chloroplasten von Algen. Es ist das erste Mal, dass CRISPR-ähnliche-Systeme in Mehrzellern (Eukaryoten) gefunden wurden. Hauptautor der Studie, Feng Zhang, ein Molekularbiologe am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge meint „dieser Mechanismus der RNA-gesteuerten DNA-Erkennung ist wahrscheinlich etwas, das die Natur unabhängig voneinander mehrfach geschaffen hat.“ Die Entdeckung ist für die Evolutionsbiologie und die Biotechnologie von Bedeutung. (Nature, 10.09.21, www.nature.com; Science, 01.10.21, www.doi.org/10.1126/science.abj6856) (jd)

Nahrungsmittel

Mars ruft m&m´s Crispy zurück

Der Lebensmittelkonzern Mars hat mehrere Chargen m&m´s Crispy zurückgerufen. Hintergrund des Rückrufs ist der nicht zugelassene Einsatz von Gentechnik bei einer Zutat. Konkret handelt es sich um gentechnisch verändertes (gv) Reismehl. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) teilte auf Anfrage mit, dass die Verunreinigung von französischen Behörden entdeckt wurde, so der Informationsdienst Gentechnik. Mars sei nach eigenen Angaben vom Lieferanten des Reismehls informiert worden, dass die französischen Kontrolleur*innen in der gelieferten Charge gentechnische Verunreinigungen gefunden hatten. Welche Reissorte zu dem Mehl verarbeitet wurde und wo dieser Reis angebaut wurde, sei bislang nicht in Erfahrung zu bringen, berichtet der Informationsdienst Gentechnik. Auch zum Hersteller des Reismehls wolle Mars keine Angaben machen. Zukünftig sollen jedoch noch gründlichere Kontrollen durchgeführt würden, so die Firma. Andere Sorten und Packungsformate seien nicht von der Verunreinigung betroffen. (PM Mars, 04.08.21, www.presseportal.de; Rückrufportal für Deutschland, 04.08.21, www.produktrueckrufe.de; Informationsdienst Gentechnik, 12.08.21, www.keine-gentechnik.de) (pv)

Japan: Genomeditierter Fisch kommt auf den Markt

Das japanische Start-up-Unternehmen „Regional Fish Institute“ will zeitnah einen genmanipulierten Fisch vermarkten. In Zusammenarbeit mit der Universität Kyoto und der Kindai-Universität entwickelte das Unternehmen eine Seebrasse mit 20 Prozent mehr Fleisch. Dafür wurde ein Protein gehemmt, das das Muskelwachstum unterdrückt. Der Zeitung NHK World-Japan zufolge hat das japanische Gesundheitsministerium entschieden, den Fisch von den üblichen Sicherheitsprüfungen für gentechnisch veränderte (gv) Lebensmittel auszunehmen. Die Begründung sei, dass keine fremden Gene hinzugefügt worden seien. Das Unternehmen hat damit begonnen, Bestellungen für Testverkäufe entgegenzunehmen. Die Produkte sollen deutlich mit dem Hinweis „genomeditiert“ gekennzeichnet sein, so NHK. Der japanische Präsident erklärte, dass der kommerzielle Verkauf nach den Testverkäufen geprüft werden wird. Regional Fish ist das zweite Unternehmen, das gv-Lebensmittel auf den japanischen Markt bringt. (NHK World-Japan, 17.09.21, www.nhk.or) (pv)

Risikodebatte

Goldener Reis nützlich für Fraßinsekten?

Gentechnisch veränderte (gv) Pflanzen, die mit zusätzlichen Vitaminen ausgestattet sind, stellen eine besondere Herausforderung für die Risikoforschung dar. Das zeigen aktuelle wissenschaftliche Studien an gv-Mais, der eigene Insektengifte produziert (Bt). Demnach kann ein erhöhter Gehalt an Carotinen (wie z.B. Vitamin A) auch für schädliche Fraßinsekten, die sich von den Pflanzen ernähren, nützlich sein. Die Wissenschaftler*innen haben dafür die Überlebensfähigkeit der Fraßinsekten am Bt-Mais getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Insekten eine erhöhte Widerstandskraft gegen das Bt-Toxin aufweisen, wenn sie Carotine verabreicht bekommen. Carotine sind bei Insekten an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt und können sich positiv auf Wachstum und Fortpflanzung auswirken. Der NGO Testbiotech zufolge besteht die Gefahr, dass der Anbau von mit Carotinen angereicherten gv-Pflanzen die Ausbreitung von Schadinsekten fördert. Die Ergebnisse könnten auch auf den mit Provitamin A angereicherten „Goldenen Reis“ zutreffen. Zu gv-Reis steht die wissenschaftliche Überprüfung dieser Annahme jedoch noch aus. (PLOS ONE, 16.02.21, www.doi.org/10.1371/journal.pone.0246696; Insects, 12.08.21, www.doi.org/10.3390/insects12080718; Testbiotech, 24.09.21, www.testbiotech.org) (pv)

Komplexe Pflanze-Tier-Interaktion

Wissenschaftler*innen haben festgestellt, dass MicroRNA (miRNA) von Pflanzen in die Darmzellen von Honigbienen übertragen werden. Diese Ergebnisse unterstützen die Annahme das miRNA artübergreifende Regulierungsfunktion zwischen Pflanzen und Tieren haben kann. MiRNA sind nichtkodierende RNAs, die in die Proteinerstellung von mRNAs eingreifen und somit biochemische Prozesse beeinflussen können. In dem Versuch wurden Kolonien von Honigbienen an Plantagen von Sonnenblumen und des Sidarbaums (Ziziphus spina-christi) positioniert. Durch molekularbiologische Untersuchungen einiger der Bienen wurden später die bekannten miRNA der Pflanzen in ihnen entdeckt. Eine ältere Studie aus 2017 zeigte, dass pflanzliche miRNA einen Einfluss auf die Entwicklung von Honigbienenlarven haben und möglicherweise ein Faktor der Kastenbildung sind. Das Zusammenspiel und die Wechselwirkungen zwischen Pflanze und Tier durch die miRNA sind möglicherweise ein Faktor der Koevolution zwischen Pflanzen und Tieren. (PLOS Genetics, 31.08.17, www.doi.org/10.1371/journal.pgen.1006946; BMC Genomics, 03.08.21, www.doi.org/10.1186/s12864-021-07916-4) (jd)

Gene Drives: Mücken-Population bricht zusammen

In einer Studie haben Wissenschaftler*innen des Imperial College in London Gene Drive-Mücken in großen Versuchskäfigen getestet. Gene Drive-Verfahren sorgen dafür, dass sich eine genetische Veränderung schnell innerhalb einer Population ausbreitet. Die Mücken wurden Bedingungen ausgesetzt, wie sie auch in der Natur zu erwarten sind. Zu Beginn der Versuche wurden die Gene-Drive-Mücken zu Wildtyp-Mücken in große Käfige gegeben. Die Wissenschaftler*innen verfolgten dann die Ausbreitung des Gene Drives in der Wildtyp-Population und beobachteten die Gesundheit der Populationen über viele Generationen hinweg. Sowohl die Populationen in den Käfigen mit einer geringen als auch mit einem mittleren Anteil an Gene Drive-Mücken brachen nach 245 bis 311 Tagen komplett zusammen. Die Ergebnisse zeigen, dass es sich bei den getesteten Gene-Drive-Mücken um einen sehr effizienten Gene Drive handelt. Das bedeutet, dass sich im Falle einer Freisetzung die Gene Drive-Mücken in der Natur ungehemmt ausbreiten könnten und nicht mehr kontrollierbar wären. Eine umfassende Umweltrisikobewertung der Gene Drive-Mücken, um beispielsweise die Auskreuzung mit verwandten, wilden Arten zu überprüfen, wurde noch nicht durchgeführt. (Nature Communications, 28.07.2021, www.doi.org/10.1038/s41467-021-24790-6, Fachstelle Gentechnik und Umwelt, o.D., www.fachstelle-gentechnik-umwelt.de) (pv)

USA: NGOs fordern Regulierung

US-amerikanische Nichtregierungsorganisationen haben in der Fachzeitschrift Nature Biotechnology einen übergeordneten Rahmen für einen Regulierungsansatz von neuen Gentechniken (NGT) in den USA vorgeschlagen. Dafür benennen sie sechs Punkte, unter anderem Risikovermeidung, eine wissenschaftlich fundierte staatliche Regulierung und die Transparenz über gentechnisch veränderte Produkte in der Umwelt. Die USA würden über eine unzureichende Regulierungsaufsicht verfügen, um die mit den NGT verbundenen Probleme anzugehen, so die Autor*innen. Frühere Erfahrungen mit der Einführung gentechnisch veränderter Organismen in das Lebensmittelsystem hätten zu Misstrauen in der Öffentlichkeit geführt, was die Notwendigkeit größerer Transparenz, besserer Governance und sorgfältigerer Aufsicht über den Einsatz dieser Technologien unterstreiche. Die gentechnikkritische Organisation GM-Watch begrüßt einige dieser Punkte, die der Aufrechterhaltung des Schutzes von Gesundheit und Umwelt dienen, kritisiert jedoch das Fehlen weiterer wesentlicher Aspekte. So übersehe die Publikation die Bedeutung der Kennzeichnung und unterstütze die Forderung der Industrie nach einer produktbezogenen Risikobewertung. Zudem verkennen die Autor*innen, dass eine abgestufte Regulierung die Industrie begünstige, so GM-Watch. (Nature Biotechnology, 11.08.21, www.doi.org/10.1038/s41587-021-01023-1, GM-Watch, 16.08.21, www.gmwatch.org) (pv)

Anbau & Pestizide

UK: Feldversuche mit CRISPR-Weizen

Das britische Agrarministerium hat einen Feldversuch mit einem Weizen genehmigt, der mit dem neuen Gentechnikverfahren CRISPR-Cas erzeugt wurde. Europaweit ist das der erste Feldversuch mit Pflanzen aus neuen Gentechnikverfahren. Das Forschungsinstitut Rothamsted Research (RRI), welches den Versuch durchführt, teilte mit, dass der Weizen ab September 2021 für fünf Jahre auf 1.500 Quadratmetern nördlich von London gepflanzt werden würde. Die gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen sollen nur noch rund zehn Prozent der üblichen Menge der Aminosäure Asparagin produzieren. Asparagin verwandelt sich beim Backen oder Rösten in das krebserregende Acrylamid, erläutert Projektleiter Nigel Halford. Die Freilandversuche sollen zeigen, ob der Asparagin-Gehalt im Korn der Weizenpflanzen bei sich ändernden Umweltbedingungen schwankt. Die Direktorin der gentechnikkritischen britischen Organisation GM Freeze bezeichnete die Feldversuche als eine Gefahr für die Landwirt*innen und die Nahrungskette und kritisiert, dass eine Eindämmung niemals garantiert werden könne. Die britische Regierung müsse auf ihre Bürger*innen hören und angemessene Sicherheitsvorkehrungen für alle Formen der Gentechnik einführen. Bereits zwischen 2016 und 2019 war in Großbritannien im Rahmen eines Projekts der Universität Essex gv-Weizen mit verbesserter Photosynthese im Feldversuch getestet worden. Die Feldversuche waren jedoch nicht erfolgreich. (Rothamsted Research, 24.08.21, www.rothamsted.ac.uk; Fachstelle Gentechnik und Umwelt, o.D., www.fachstelle-gentechnik-umwelt.de; GM Freeze, 27.08.21, www.gmfreeze.org) (pv)

Indien: Proteste wegen Ernte­einbußen

Hunderte Bäuer*innen protestierten vor dem Landwirtschaftsministerium des Indischen Bundesstaates Punjab. Sie klagen, dass 80 bis 90 Prozent ihrer Baumwollernten durch den Roten Bollwurm (Pectinophora gossypiella) zerstört wurde und fordern Unterstützung vom Staat ein. 60.000 Indische Rupien (ca. 830 Euro) soll der Bundesstaat den Geschädigten pro Hektar zahlen. Als es in 2015 zu enormen Ernteverlusten durch Weiße Fliegen im Baumwollsektor kam, zahlte der Staat den Bäuer*innen 8.000 Rupien pro Hektar. Heute wird wegen hoher Kosten für Land, Saatgut und chemische Zusätze wie Dünger und Pestizide deutlich mehr gefordert. Die Bäuer*innen sagen, sie hätte schon versucht mit Insektiziden den Bollwurm zu dezimieren, allerdings blieb der Erfolg bisher aus. Stattdessen breitet sich die Insektenplage auf andere Bundesstaaten aus. (The Tribune, 21.09.21, www.tribuneindia.com; The Indian Express, 30.09.21, www.indianexpress.com) (jd)

Agrarpolitik

EU-Gentechnikrecht: Vorläufige Folgenabschätzung

Die EU-Kommission hat im September eine sog. vorläufige Folgenabschätzung für eine neue Gesetzgebung für Pflanzen aus neuen Gentechniken (NGT) veröffentlicht. Darin macht sie erste Vorschläge für die Ausgestaltung eines neuen Rechtsrahmens für eine abgeschwächte Regulierung der NGT-Verfahren. Einer Einschätzung der Nichtregierungsorganisation Testbiotech zufolge, zeigt das Dokument der EU-Kommission die Absicht und Pläne für eine weitreichende Deregulierung von Pflanzen aus NGT auf. Die Risiken, die mit NGT-Verfahren verbunden sind, würden entweder nicht ausreichend gewichtet oder völlig außer Acht gelassen. Auch die Komplexität von NGT-Anwendungen würde nicht ausreichend dargestellt. Damit laufe die EU-Kommission Gefahr, eine neue EU-Verordnung vorzuschlagen, die nicht ausreichend wissenschaftlich fundiert sei, sondern von den Interessen der Industrie geleitet werde. Die Vorteile des derzeitigen Gentechnikrechts würden in der vorläufigen Folgenabschätzung komplett außer Acht gelassen. (Europäische Kommission, 24.09.21, www.ec.europa.eu; Testbiotech, 12.10.21, www.testbiotech.org) (pv)

UK: Lockerung der Vorschriften zur Genmanipulation

Das Vereinigte Königreich will den Weg für den Einsatz von Neuer Gentechnik (NGT) ebnen. Das teilte Umweltminister George Eustice Ende September mit. Mit dem Einsatz von NGT solle zu einem besseren Umweltschutz beigetragen werden. Durch den Austritt aus der EU kann das Vereinigte Königreich eigene Regeln zum Umgang mit den NGT festlegen. In einem ersten Schritt werde die Regierung die Vorschriften für die Anwendung von Gentechnik ändern, um Bürokratie abzubauen und Forschung und Entwicklung zu erleichtern, berichtet die Regierungswebseite gov.uk. Die neuen Regeln würden weitgehend an die konventionellen Züchtungsmethoden für die Forschung und Entwicklung von Pflanzen angeglichen werden. Die Wissenschaftler*innen seien aber weiterhin verpflichtet, die Regierung über alle Forschungsversuche zu informieren. Zunächst beziehen sich die Pläne zur Deregulierung nur auf England. Ob und wann dies auch auf Schottland, Wales und Nordirland ausgedehnt werde, bleibe abzuwarten, so die gentechnikkritische Initiative Beyond GM. (PM, gov.uk, 29.09.21, www.gov.uk; BeyondGM, 29.09.21, www.beyond-gm.org; India Today, 30.09.21, www.indiatoday.in; Bauernstimme, 11.10.21, www.bauernstimme.de) (pv)

Anfrage zu Nachweisverfahren im Bundestag

In einer kleinen Anfrage haben Abgeordnete der Fraktion BÜNDNIS90/Die Grünen die Bundesregierung nach der Durchsetzung des EU-Rechts zu neuen gentechnischen Verfahren (NGT) befragt. Dabei ging es unter anderem um die Möglichkeiten, welche die Bundesregierung für die Erforschung und Entwicklung von Nachweisverfahren für durch NGT hervorgebrachte Organismen sieht. Zudem wurde nach ersten Zwischenergebnissen aus dem Forschungsprojekt zu Nachweisverfahren an gentechnisch verändertem (gv) Raps und gv-Gerste der Universität Kiel und des IPK Gatersleben gefragt. Der Antwort der Bundesregierung zufolge liegen noch keine Ergebnisse zum Forschungsprojekt vor, es werde aber daran gearbeitet herauszufinden, ob und wie Produkte aus NGT in Form nachgewiesen und identifiziert werden könnten. Die Bundesregierung räumt zudem ein, dass das Nachweisverfahren, das für einen herbizidtoleranten gv-Raps der Firma Cibus entwickelt worden war, grundsätzlich tauglich sei. (Deutscher Bundestag, 27.07.21, www.bundestag.de) (pv)

CH: Nationalrat verlängert Moratorium

Der Schweizer Nationalrat folgt dem Bundesrat und stimmt mehrheitlich (144 zu 27 Stimmen bei 19 Enthaltungen) für eine Verlängerung des Moratoriums für den Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in der Schweiz. Weder von Seiten der Konsument*innen noch von Seiten der Landwirtschaft gibt es ein Interesse am Anbau von GVOs. Allerdings gab es Vorstöße, die neuen gentechnischen Verfahren aus dem Gentechnikgesetz auszunehmen. Dieser Antrag erhielt aber eine deutliche Abfuhr. Die Mehrheit des Nationalrats teilt die Ansicht, dass es sich bei diesen Verfahren, wie etwa Crispr-Cas9, um gentechnische Verfahren handelt, die gesetzlich reguliert bleiben müssen. Nur so bleibt die Wahlfreiheit für die Konsument*innen weiterhin gewährleistet. Das Geschäft geht nun an den Ständerat. Eine Zustimmung zum Moratorium gilt auch dort als sicher. Die vierte Verlängerung des Moratoriums sichert der Schweiz für weitere vier Jahre bis 2025 eine gentechnikfreie landwirtschaftliche Produktion. Doch der Entscheid garantiert keine vollumfänglich gentechnikfreie Schweiz. Denn die Einfuhr und der Verkauf von genmanipulierten Lebens- und Futtermitteln sind mit entsprechender Zulassungsbewilligung und Kennzeichnung weiterhin erlaubt. Außerdem ist der Anbau zu Forschungszwecken gestattet. Tatsächlich aber verzichten heute die Schweizer Bäuer*innen freiwillig auf gentechnisch veränderte Futtermittel und Großverteiler auf den Verkauf von Gentech-Food. Die Schweiz lebt nach wie vor bestens mit der gentechnikfreien Produktion sagt biorespect. (biorespect, 23.09.21, www.biorespect.ch; Das Schweizer Parlament, 23.09.21, www.parlament.ch) (gp)

Wissenschaftler*innen kritisieren Gremium zur globalen Ernährung

In einem Offenen Brief kritisieren über 200 Wissenschaftler*innen die geplante Einführung einer neuen Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik, die im Rahmen des UN-Welternährungsgipfels gefördert wird. Das neue „Wissenschafts-Politik-Interface“ (WPI) würde die Steuerung und wissenschaftliche Beratung von Ernährungssystemen weg von bestehenden demokratischen Einrichtungen lenken, so die Autor*innen. Das Expert*innen-Gremium „High Level Panel of Experts“ (HLPE) des UN-Ausschusses für Welternährung (UN Committee on World Food Security) erfüllt momentan genau diese Aufgabe. Im Gegensatz zum neuen WPI ist es allerdings zur Rechenschaft gegenüber Regierungen, indigenen Völkern und der Zivilgesellschaft verpflichtet und soll ein breites Spektrum an Wissenssystemen und Perspektiven behandeln. Laut dem Offenen Brief hätte das geplante WPI hingegen einen eindimensionalen Fokus auf die moderne Wissenschaft und berge die Gefahr elitäre Netzwerke von Regierungen, Forschenden und Stiftungen mit starken Geschäftsbeziehungen zu stärken. Teil des Gremiums sind unter anderem der Weltwirtschaftsrat für Nachhaltige Entwicklungen, das UN-Lobbyinstrument der weltweit größten Konzerne sowie Funktionär*innen der von der Gates- und der Rockefeller-Stiftung finanzierten Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA). (Bauernstimme, 19.07.21, www.bauernstimme.de; Weltsichten, 02.08.21, www.welt-sichten.org) (jd)

Konzerne

Bundesbehörde unterstützt Biotech-Unternehmen

Die Umweltorganisation Greenpeace erfuhr über eine Informationsabfrage an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), dass die Behörde in engem Kontakt zu der Biotech-Firma Cibus stand. In den E-Mails informierte die Behörde das US-Unternehmen über gentechnisch-kritische Aktivitäten in Deutschland. Zudem fragte das BVL die Firma nach Erlaubnis, bevor es sich dazu öffentlich äußerte. Laut Greenpeace ist „eine derartige Hörigkeit gegenüber der Industrie von einer Behörde, die zum Konsumentenschutz gegründet wurde, […] absurd.“ Das BVL erklärt den Kontakt mit dem Unternehmen durch den Austausch von Unterlagen und seinen Beratungsauftrag. Die Firma Cibus arbeitet an gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen und hatte mittels neuer gentechnischer Verfahren einen herbizidtoleranten Raps entwickelt. Dieser wurde 2015 vom BVL als nicht gv-Pflanze eingestuft und eine Versuchsfreisetzung genehmigt. Mit dem EUgH Urteil 2018 musste diese Entscheidung allerdings revidiert werden, da das von Cibus eingesetzte Verfahren der Oligonukleotid-gesteuerten-Mutagenese als Gentechnik eingestuft wurde. (Spiegel, 10.09.21, www.spiegel.de; Greenpeace, 04.10.21, www.greenpeace.de) (jd)

Urteil zu Monsantos Kritiker*innen-Liste

Aufgrund von illegaler Erfassung privater Daten verhängte die französische Datenschutzbehörde CNIL am 26. Juli 2021 ein Bußgeld von 400.000 Euro gegen Monsanto (heute Bayer). Damit wurde auf sieben eingereichte Anklagen gegen die Liste von Monsanto reagiert. Der Konzern hatte Ende 2016 sowie 2017 eine PR-Agentur dazu beauftragt, Informationen wie Privatadressen, Telefonnummern oder Hobbys von Kritiker*innen zu dokumentieren. Die Behörde urteilte, dass die Erstellung dieser Listen an sich nicht illegal war. Jedoch hätten nur Daten von Personen aufgenommen werden dürfen, die „vernünftigerweise erwarten konnten“, in einer solchen Liste geführt zu werden. Vor allem aber hätten die Daten rechtmäßig erhoben und die Betroffenen darüber informiert werden müssen. Durch die Geheimhaltung der Listen wurde den Betroffenen das Recht auf Widerspruch gegen die Datenaufnahme verwehrt, so die CNIL. (Spiegel, 28.07.21, www.spiegel.de; Radio France Internationale, 28.07.21, www.rfi.fr) (lp)

Brasilien: Unternehmen wollen keinen gv-Weizen

Die Vereinigung der brasilianische Getreideverarbeiter*innen (Abitrigo) droht damit, keinen Weizen mehr aus Argentinien zu kaufen, sollte Brasilien die Einfuhr von gentechnisch verändertem (gv) Weizen aus dem Nachbarland zulassen. Diese Forderung wird auch von Bäckereien und andere Unternehmen gestützt, die Weizenprodukte verarbeiten. Derzeit prüft die brasilianische Behörde für Biosicherheit einen Antrag auf Genehmigung des Verkaufs eines in Argentinien erzeugten gv-Weizens des argentinischen Unternehmens Bioceres SA. Er soll über eine Herbizidresistenz und eine höhere Trockenheitstoleranz verfügen. Öffentlichen Angaben zufolge wird er derzeit in Argentinien auf ca. 55.000 Hektar angebaut. Argentinien hat den gv-Weizen von Bioceres zwar zugelassen, der Verkauf im Land und die Exporte hängen jedoch von der Einfuhrgenehmigung Brasiliens ab. Rubens Barbosa, Leiter von Abitrigo sagte, Akteur*innen der gesamten Lieferkenne seien besorgt über die Auswirkungen von transgenem Weizen auf die Gesundheit der Verbraucher*innen. Seit der Zulassung des gv-Weizens im Oktober 2020 haben sich die wichtigsten argentinischen Bauernverbände sowie die Getreidebörsen und die Lager- und Mehlkammern gegen die Zulassung des gv-Weizens ausgesprochen, so Reuters. (Reuters, 27.09.21, www.reuters.com) (pv)

Patente

Kostenloser Zugang zu CRISPR-Patenten

Eine Reihe von Universitäten, darunter die niederländische Universität Wageningen und die Universität von Kalifornien, wollen CRISPR-Technologien und einen Teil des geistigen Eigentums kostenlos für die nichtkommerzielle Nutzung in der Lebensmittel- und Landwirtschaft zur Verfügung stellen. Die Universitäten gehören zu einer Reihe von Forschungseinrichtungen, die über eines der größten Patentportfolios zu diesem Thema verfügen. Mit der kostenlosen Nutzung sollen die neuen Gentechniken (NGT) insbesondere für Forscher*innen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zugänglich gemacht werden, berichtet die Zeitschrift Nature. Das Feld wachse stetig, allein beim US-Patent- und Markenamt lägen rund 6.000 CRISPR-Patente oder -Patentanmeldungen vor, und jeden Monat kämen 200 hinzu, vor allem aus China und den USA. Dass Universitäten und öffentlich finanzierte Forschungseinrichtungen die CRISPR-Patentlandschaft dominieren, gebe ihnen eine starke Position, um die Nutzung der NGT weiter voranzutreiben. Alle Universitäten, die CRISPR-Patente besitzen, sollten zusammen mit öffentlichen Geldgeber*innen und internationalen Institutionen überlegen, wie geistiges Eigentum an CRISPR für die Forschung – nach klaren und transparenten Regeln – leichter und kostenlos zugänglich werden könne, so Nature. (Nature, 07.09.21, www.nature.com) (pv)

GID-Redaktion

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Erschienen in
GID-Ausgabe
259
vom November 2021
Seite 19 - 22

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