In Bewegung

Podiumsdiskussion: 35 Jahre biorespect

Am 12. April 2024 lud biorespect (ehemals Basler Appell gegen Gentechnologie) zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „35 Jahre Biotechnologiekritik: Widerstand im Wandel“ ins BelleVue, Ort für Fotografie, in Basel. Moderiert vom Gründungsmitglied Christoph Keller diskutierten die Biologin und Autorin Florianne Koechlin, die Biologin Martina Meier, Laura Perler, PostDoc an der Universität Bern und Isabelle Bartram vom Gen-ethischen Netzwerk über die langjährige Kritik an und den Widerstand gegen Technikoptimismus sowie Gen- und Reproduktionstechnologien. 
Am Anfang stand die „galoppierende Technologiegläubigkeit“ der boomenden Biotechindustrie. Zu ihren exorbitanten Versprechen gehörte, dass in wenigen Jahren ein Großteil der Nahrungsmittel gentechnisch verändert seien, genetische Screenings und Eingriffe bei Babys zur Normalität würden und zudem der Hunger in der Welt beendet und Zivilisationskrankheiten und Krebs geheilt werden könnten. Die Versprechen von vor 35 Jahren wurden nicht eingelöst. Dass viele der Projekte auch nicht umgesetzt wurden und heute gentechnisch veränderte Lebensmittel in der EU nicht angebaut werden dürfen, ist auch dem Engagement der Diskutant*innen und Vereinen wie biorespect zu verdanken.
Weitere Themen waren über die grüne Gentechnik hinaus auch Fragen der sozialen Ungleichheit, Selektion und eugenische Entwicklungen bei der Eizellspende, digitale Kontrolltechnologien, Patentierungen von Lebewesen sowie die Ausbeutung von Natur und vor allem weiblichen Körpern. Neben Kontinuitäten der Kritik wurde auch über die Veränderungen reflektiert. Wie etwa mittels Ethikdebatte heute mit Einzelschicksalen für eine Liberalisierung von Leihmutterschaft und Eizellspende geworben wird und gesamtgesellschaftliche Auswirkungen aus dem Blick geraten. Gerade zu Letzterem wünschen sich die Diskutant*innen statt der Ausweitung technologischer Eingriffe die rechtliche Anerkennung und Stärkung etwa von Drei-Eltern-Konstellationen und Co-Elternschaft.
Die Veranstaltung fand im Rahmen der Fotoausstellung „Lichtblick – Fotografien politischer Bewegungen in den 1970ern und heute“ statt, die Fotos von politischen Protestformen, Bewegungen, Lebensformen und gesellschaftlichen Entwicklungen der heutigen Zeit und Fotografien aus den 1970er Jahren zeigte. (gp/tp)

www.biorespect.ch/service/ueber-uns/jubilaeum

 

Sommer, Sonne, Dosenwerfen: das Umweltfestival Berlin

Mit einer erstaunlichen Zahl von 50.000 Besucher*innen fand auch dieses Jahr wieder das von der Grünen Liga organisierte Umweltfestival in Berlin statt. Das Gen-ethische Netzwerk war ebenfalls mit einem Stand vor dem Brandenburger Tor vertreten. 
Zwar gehört das diesjährige Thema „Wald – einer für alle“ – abgesehen von genetisch veränderten Bäumen – nicht zu unseren Kernthemen, aber andere Klima- und Umweltschutzthemen kamen keinesfalls zu kurz: Die sehr diversen Ausstellenden reichten von Bundesbehörden bis zu anarchistischen Kollektiven. Ganz in unserer Nähe hatten beispielsweise Slow Food Deutschland und das INKOTA-Netzwerk ihre Stände. Bei der Slow Food Youth Akademie konnten GeN-Mitarbeiter*innen schon öfters Workshops zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft geben. Mit INKOTA verbindet uns das Engagement gegen den Einsatz von Gentechnik-assoziierten Herbiziden wie Glyphosat und gegen die Marktmacht der großen Agrarkonzerne. Auch die Stiftung Naturschutz, die dem GeN eine FÖJ-Stelle (Freiwilliges Ökologisches Jahr) möglich macht, war vertreten. 
Durch zahlreiche Mitmachaktionen und die spielerische Gestaltung des Festivals hatten nicht nur die Kinder ihren Spaß. Das GeN konnte Interessierte mit Dosenwerfen anlocken, bei dem gentechnikfreies Saatgut, das uns großzügiger Weise von Bingenheimer Saatgut gespendet wurde, abgestaubt werden konnte. Unser Stand war voll mit unserem Infomaterial, neugestalteten Stickern und passend dazu designten Postkarten – was die Leute gerne mitnahmen. Auch für unseren Filmabend zu GATTACA konnten wir werben und viele meinten sogar, dass es ihr Lieblingsfilm sei, weswegen sie sich sehr auf den Abend freuen würden. Wir hatten also viele spannende Gespräche, durften von unserer wichtigen Arbeit berichten und gewannen neue Unterstützer*innen. (lm)

www.umweltfestival.de

 

BASF-Hauptversammlung in Mannheim

Vor dem Gebäude der BASF-Hauptversammlung in Mannheim hat das GeN am 25. April 2024 zusammen mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen auf die unethischen und wenig nachhaltigen Geschäfte des deutschen Megakonzerns aufmerksam gemacht. Auf der Versammlung wurde der Vorstand mit Fragen konfrontiert, u.a. von den Kindern der betroffenen des Mariakana Massakers in Südafrika oder bezüglich der vor Kurzem aufgedeckte Menschenrechtsverletzungen gegenüber Uiguren durch einen Geschäftspartner der BASF in China. Das GeN fordert effektivere und transparente Überwachungsprogramme von BASF-Geschäftspartner*innen. Und beim Export von Pestiziden sollen europäische Gesundheits- und Toxizitätsstandards eigenständig auf internationale Geschäftsbeziehungen übertragen werden. (psk)

www.gen-ethisches-netzwerk.de/node/4689

 

Petitionsübergabe in München und Straßburg

Mittlerweile hat die Petition gegen die Deregulierung der neuen Gentechnik über 100.000 Unterschriften. Am 06. Februar 2024, einen Tag vor der Abstimmung des EU-Parlaments zu dem entsprechenden Gesetzesentwurf, wurde sie im Zuge eines Demonstrationszuges in Straßburg an einige deutsche EU-Abgeordnete übergeben. 
Gleichzeitig wurden die Unterschriften in München an Eric Beißwenger, Mitglied der CSU und Europaminister in Bayern, übergeben. Dabei sollte auf die Doppelmoral der Partei aufmerksam gemacht werden: Während sie sich in Bayern gegen Gentechnik positioniert, stimmt sie auf EU-Ebene der Aufweichung des Gentechnikrechts zu. (psk)

 

Internationaler Austausch zu Leihschwangerschaft

An der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg fand vom 2. bis 5. April der Workshop „Narrativising Surrogacy: Transnational and Interdisciplinary Perspectives” statt, bei dem Forschende aus verschiedenen Ländern und Disziplinen sowie Personen aus Beratungspraxis und Zivilgesellschaft zusammenkamen. Von grenzübergreifenden Dominoeffekten bei Leihschwangerschaftsverboten (Amrita Pande) über juristische Überlegungen zur Regulierung in Nigeria (Olanike Adelakun), bis hin zu Repräsentationen von Leihschwangerschaft im indischen Film (Manali Karmakar) – die Themenpalette war breit gefächert. Auch das GeN war mit dabei, Jonte Lindemann referierte zu Diskursstrategien von Befürworter*innen einer Legalisierung von Leihschwangerschaft. Neben den inhaltlichen Vorträgen gab es viel Raum für Diskussion und Austausch – nicht immer waren alle Beteiligten einer Meinung, aber der konstruktive Streit war stets gewinnbringend. Knappe zwei Wochen vor der Veröffentlichung des Kommissionsberichts zu einer möglichen Legalisierung in Deutschland hätte der Zeitpunkt für den Workshop nicht spannender sein können – von den angeregten Diskussionen und den Vernetzungsmöglichkeiten wird das GeN noch lange zehren. (jl)

 

Danke!

Anfang des Jahres erhielt das Gen-ethische Netzwerk e.V. (GeN) unverhofft eine Zuwendung von 4.000 Euro. Diese stammte aus dem Nachlass von Margret Giese, die unsere Arbeit als Fördermitglied schon seit vielen Jahren kontinuierlich unterstützt hat. Das aktuelle Geschäftsstellen-Team des GeN hat Frau Giese leider nie persönlich kennen gelernt, aber wir sind ihr sehr dankbar! Als kleiner spendenfinanzierter Verein zählt wirklich jeder Euro. Zuwendungen von Einzelpersonen sichern unsere politische und inhaltliche Unabhängigkeit. Wenn auch Sie sich vorstellen könnten, mit einem Nachlass das langfristige Bestehen von GeN und GID in der Zukunft zu sichern, kontaktieren Sie uns gerne!

GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
269
vom Mai 2024
Seite 4 - 5

GID-Redaktion

zur Artikelübersicht

Nur durch Spenden ermöglicht!

Einige Artikel unserer Zeitschrift sowie unsere Online-Artikel sind sofort für alle kostenlos lesbar. Die intensive Recherche, das Schreiben eigener Artikel und das Redigieren der Artikel externer Autor*innen nehmen viel Zeit in Anspruch. Bitte tragen Sie durch Ihre Spende dazu bei, dass wir unsere vielen digitalen Leser*innen auch in Zukunft aktuell und kritisch über wichtige Entwicklungen im Bereich Biotechnologie informieren können.

Ja, ich spende!  Nein, diesmal nicht