Versuchs-Freisetzungen

Bevor gentechnisch veränderte Pflanzen kommerziell auf die Felder kommen, werden sie in sogenannten Versuchs-Freisetzungen im Freiland getestet. Das in Deutschland relevante Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) der EU schreibt zwar vor, dass gentechnisch veränderte Pflanzen nach ihrer Entwicklung im Labor oder Gewächshaus nur Schritt für Schritt in die Umwelt entlassen werden dürfen. Freisetzungsversuche also theoretisch zeitlich und räumlich beschränkt sind. Sicherstellen kann das Verfahren diesen Anspruch jedoch nicht. Praktisch können einmal in die Umwelt entlassene GVO kaum kontrolliert werden und ein parallel stattfindender, bewusst gentechnikfreier Anbau kann nur sehr schwer sichergestellt werden. Unzählige Freisetzungsversuche haben zu Verunreinigungen von konventionellen und ökologischen Sorten mit gentechnisch verändertem Material geführt.

Freisetzungsversuche bieten immer wieder auch Gelegenheit für lokale Diskussionen und Proteste. Diese hat das Gen-ethische Netzwerk über viele Jahre angeregt und unterstützt. Der letzte Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland wurde 2012 durchgeführt. Auch in anderen Ländern Europas ist die Anzahl der Versuchs-Freisetzungen in den letzten Jahren zurückgegangen.

Beiträge zu diesem Thema

  • GVO im Raps

    Christof Potthof , 1. März 2016

    Nach und nach werden Details einer Verunreinigung von Raps-Züchtungsmaterial mit der gentechnisch veränderten Linie OXY-235 bekannt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit reagiert nur zögerlich.

  • Ruhiger Jahreswechsel

    Christof Potthof , 18. Dezember 2015

    Im nächsten Jahr kein Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland. Ein Kommentar.

  • Cibus-Raps (nicht) verhindert

    Christof Potthof , 8. September 2015

    Der gentechnisch veränderte RTDS-Raps der Firma Cibus wird in Deutschland in diesem Jahr nicht auf die Felder kommen. Das verhindert ein Gerichtsverfahren. Für Großbritannien und Schweden kommt dies zu spät.

  • Umstrittene Petunien

    Christof Potthof , 3. Juli 2015

    25 Jahre Freisetzungen gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland sind ein Anlass zurückzuschauen. Um die Deutungshoheit über den ersten Freisetzungsversuch wird bis heute gerungen. Wir ringen mit.

  • Widerspruch gegen den Vollstreckungsbescheid

    Interview mit
    Lea Hinze , 21. April 2015

    Im April 2008 zerstörten sechs FeldbefreierInnen der Initiative Gendreck weg! einen Freisetzungsversuch mit gentechnisch verändertem (gv) Weizen auf dem Gelände des Institutes für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben (Sachsen-Anhalt). Der GID berichtete bereits mehrfach über die Hintergründe des Versuchs und die juristischen Folgen für die AktivistInnen, zuletzt im GID 219.