Versuchs-Freisetzungen

Bevor gentechnisch veränderte Pflanzen kommerziell auf die Felder kommen, werden sie in sogenannten Versuchs-Freisetzungen im Freiland getestet. Das in Deutschland relevante Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) der EU schreibt zwar vor, dass gentechnisch veränderte Pflanzen nach ihrer Entwicklung im Labor oder Gewächshaus nur Schritt für Schritt in die Umwelt entlassen werden dürfen. Freisetzungsversuche also theoretisch zeitlich und räumlich beschränkt sind. Sicherstellen kann das Verfahren diesen Anspruch jedoch nicht. Praktisch können einmal in die Umwelt entlassene GVO kaum kontrolliert werden und ein parallel stattfindender, bewusst gentechnikfreier Anbau kann nur sehr schwer sichergestellt werden. Unzählige Freisetzungsversuche haben zu Verunreinigungen von konventionellen und ökologischen Sorten mit gentechnisch verändertem Material geführt.

Freisetzungsversuche bieten immer wieder auch Gelegenheit für lokale Diskussionen und Proteste. Diese hat das Gen-ethische Netzwerk über viele Jahre angeregt und unterstützt. Der letzte Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland wurde 2012 durchgeführt. Auch in anderen Ländern Europas ist die Anzahl der Versuchs-Freisetzungen in den letzten Jahren zurückgegangen.

Beiträge zu diesem Thema

  • Freisetzungsversuche im Fokus

    Anne Bundschuh , 26. Februar 2015

    Zahlreich sind die Versprechen der Konzerne, wenn es um das Potential der Gentechnik geht. Doch an welchen gentechnisch veränderten Sorten wird in Europa tatsächlich geforscht, und mit welchen Zulassungen für den kommerziellen Anbau müssen wir in den nächsten Jahren rechnen?

  • Bt-Auberginen in Bangladesch

    Farida Akhter , 26. Februar 2015

    Nach vielen Jahren der Auseinandersetzung wurden 2014 in Bangladesch erstmals gentechnisch veränderte Auberginen kommerziell angebaut. Landesweit waren 20 LandwirtInnen beteiligt.

  • Transgener Weizen

    Hannah Laup , 18. November 2014

    Nach einer mehrjährigen Pause entwickeln GentechnikerInnen wieder gentechnisch veränderten Weizen. Kontaminationen zeigen allerdings, dass es Probleme gibt.

  • Internationaler Aufruf: Stoppt die unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Organismen!

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    (München, 16. Mai 2014) Heute veröffentlicht ein breites internationales Bündnis einen Aufruf, die unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Organismen zu stoppen. Die Initiative fordert insbesondere internationale Verbote der Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen, falls diese sich unkontrolliert ausbreiten können oder es zu einer Anreicherung mit Transgenen im Saatgut der Ursprungsregionen unserer Nutzpflanzen kommen kann. Die Organisationen fordern die Mitgliedsländer der Konvention über die Biologische Vielfalt (CBD) und des Cartagena-Protokolls auf, jetzt aktiv zu werden. Denn nach dem Wortlaut des Cartagena-Protokolls, das Teil der CBD ist, muss die biologische Vielfalt vor einer länderübergreifenden, unkontrollierten Ausbreitung gentechnisch veränderter Organismen geschützt werden.

  • Mit langem Atem für gentechnikfreie Landwirtschaft

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    (Berlin, Köln und München, 16. Mai 2014) Heute jährt sich die erste Genehmigung für die Freisetzung einer gentechnisch veränderten Pflanze in Deutschland zum 25sten Mal. Das Bundesgesundheitsamt genehmigte am 16. Mai 1989 die Freisetzung von gentechnisch veränderten Petunien im gleichen Jahr durch das Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln. Dieses Jubiläum nehmen die Kölner Bürgerinitiative BürgerInnen beobachten Petunien, Testbiotech und das Gen-ethische Netzwerk zum Anlass, um Rückschau auf dieses Ereignis zu halten, dessen unkontrollierbare Auswirkungen inzwischen unübersehbar geworden sind.