Wir bleiben nicht stumm!

Auf der Hauptversammlung von Bayer wollen wir wissen, wie der Konzern zu der Entwicklung einer neuen Art von Pestiziden, sogenannten dsRNA-Pestiziden, steht.

Bayer-Industrieanlagen, Leverkusen

Quelle: Pixelio.de / Rike. Industrieanlage von der Bayer AG in Leverkusen.

Die Hauptversammlung von Bayer am 28. April 2020 findet als eine der einzigen in diesem Frühjahr überhaupt statt und wird nicht verschoben – dafür passiert alles online. Dadurch wurde aber die Möglichkeit, mit kritischen Fragen und Beiträgen zu intervenieren, drastisch reduziert. Um nicht stumm zu bleiben hat die Nichtregierungsorganisation Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) eine andere Form des Protestes organisiert. Dank dieses Engagements gibt es die Möglichkeit über die CBG auf der Hauptversammlung Fragen zu stellen. Außerdem wurde eine digitale Gegenveranstaltung für den gleichen Tag organisiert. Es gibt einen Live-Stream parallel zum BAYER-HV-Stream, mit Fragen, Einschätzungen und Gegenstimmen in der Zeit von morgens 8 Uhr bis zum Ende der BAYER-Hauptversammlung. Wir vom GeN wollten uns diese Möglichkeit nicht entgehen lassen und beteiligen uns mit kritischen Fragen an den Vorstand des Bayer-Konzerns sowie mit einem kleinen Clip an der Gegenveranstaltung.

Unser Fokus liegt dieses Jahr auf einer neuen Art von Pestiziden, die in der Wissenschaft und Biotechindustrie diskutiert wird. Es handelt sich hierbei um sogenannte doppelsträngige RNA-Pestizide (dsRNA) die über den Wirkmechanismus der RNA interferenz (RNAi) auf den Organismus einwirkt. DsRNA-Pestizide greifen in die Genexpression und möglicherweise auch auf die DNA von Organismen ein. Die Idee, diesen zelleigenen Wirkmechanismus zu manipulieren, ist nicht neu. Gentechnisch veränderte Pflanzen die selbstständig dsRNA produzieren sind seit einigen Jahren auf dem Markt und auch in der Europäischen Union zum Import und zur Verarbeitung zugelassen. Neu ist allerdings, dass dsRNA von außen, zum Beispiel durch Besprühen, auf die Pflanzen aufgetragen werden kann. Somit können die gesetzliche Regulierung als genetisch modifizierter Organismus und die Ablehnung der Öffentlichkeit umgangen werden. Lesen Sie mehr hierzu in unserem Artikel „Ist das Gentechnik oder kann das raus?“ aus dem November GID 251.

Diese noch sehr neue Technologie wird in der Biotechindustrie und der Wissenschaft auf Anwendungen, Risiken und mögliche Regulierung hin diskutiert. Denn eine grundlegende Frage ist, ob dsRNA-Pestizide andere Standards als chemische Pestizide haben sollen, wie weitreichend ihre Wirkung auf Organismen ist und ob diese dann möglicherweise als genetisch modifizierte Organismen gelten. In Neuseeland gibt es schon eine aktive Debatte zu diesem Thema.

Der Bayer-Konzern scheint nicht untätig auf diesem Gebiet zu sein. Auf einem Kongress der OECD im April 2019  sprach zu dem Thema unter anderem auch ihre Mitarbeiterin Pamela Bachman. Sie hielt einen Vortrag über die Zerstreuung von dsRNA in der Umwelt und stellte hierbei auch ein Analysewerkzeug mit dem Namen QuantiGene von Bayer vor.

Daher wollen wir von dem Vorstand des Bayer-Konzern wissen:

  • Welche Möglichkeiten und Risiken sieht der Bayer-Konzern in dieser neuen Technologie der dsRNA-Pestizide?
  • In welchem finanziellen Umfang hat der Bayer-Konzern im letzten Jahr an der Technologie geforscht?
  • Wie war ihre Risikoforschung zu den dsRNA-Pestiziden im Rechenschaftszeitraum 2019 konzipiert und aufgestellt?
  • In welcher Gewichtung im Verhältnis zum Gesamtaufwand, die dieser neuen Technologie innerhalb des Bayer-Konzerns zuteil wurde, stand die Risikobewertung und Folgenabschätzung (bitte beziffern nach finanziellem Aufwand)?
  • Wie gehen Sie mit den offenen Fragen der Regulierung bezüglicher dsRNA-Anwendungen um?
  • Waren sie diesbezüglich im Rechenschaftszeitraum 2019 bei Behörden, Verbänden und/oder Regierungen beratend tätig? Wenn ja, bei wem und in welcher Form?
  • In welchen Ländern sieht der Bayer-Konzern einen möglichen Absatzmarkt für diese Pestizide?

Wir hoffen auf ehrliche Antworten und einen breiten und bunten Gegenprotest im Netz!

 

Judith Düesberg ist Ökologin und Mitarbeiterin des GeN.

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27. April 2020

Ansprechperson im GeN:

Judith Düesberg

Judith.Dueesberg@Gen-ethisches-Netzwerk.de

Tel. 0176 55239012

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