Rezension: Trisomie21 im Comic

Die Angst vor einem behinderten Kind. Die große Erleichterung, als der Arzt den Satz „Die Nackentransparenz ist unauffällig“ ausspricht - und das dringende Bedürfnis, diesen Befund doch nochmal absichern zu lassen. Fabien Toulmé erzählt in seinem autobiografischen Sach-Comic en détail von der zweiten Schwangerschaft seiner Frau. Neun Monate, die durch Arztbesuche, Untersuchungen und das übermächtigte Bedürfnis nach (vermeintlicher) Sicherheit geprägt sind. Es erscheint ganz selbstverständlich, dass der Autor für eine Abtreibung votiert hätte - wenn die Behinderung der Tochter nicht durch eine Aneinanderreihung von Zufällen unentdeckt geblieben wäre. Als die Diagnose Trisomie21 feststeht, ist Julia bereits einige Tage alt. Der Vater wird noch Monate brauchen, um sie endlich ins Herz schließen zu können. Eine Graphic Novel über das Eltern-Werden in Zeiten der Pränataldiagnostik sowie über einen ganz persönlichen Veränderungsprozess. Auch das zweite Buch wurde von einer Mutter geschrieben, die ein Kind mit Down Syndrom hat. Für ihre Erzählung wählt sie einfache Worte, die aus Perspektive des Kindes widergegeben werden. Dennoch richtet sich Evelyne Faye in erster Linie an die Eltern: Deren Ängste und Sorgen nimmt sie auf und stellt ihnen ihre eigene mutmachende Erfahrung entgegen.

Anne Bundschuh

➤ Fabien Toulmé: Dich hatte ich mir anders vorgestellt ..., avant-verlag (2015), 248 Seiten, 24,95 Euro, ISBN: 978-3-945034-34-7.

➤ Evelyne Faye (Text) und Birgit Lang (Illustration): Du bist da - und du bist wunderschön. dubistda Verlag (2014), 60 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 978-3-00-047276-3.

GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
234
vom Februar 2016
Seite 48

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