Behinderung

Behinderung wird vielfach immer noch mit Sorgen, Leid und Schmerzen verbunden - eine ableistische/behindertenfeindliche Einstellung. Selektive Pränataldiagnostik (PND), die nur nach Normabweichungen sucht und weder die Versorgung der Schwangeren noch die Gesundheit des werdenden Kindes verbessert verschlimmert diese Sicht. Zudem verstößt sie gegen die UN-Behindertenrechtskonvention und konterkariert das gesellschaftliche Ziel der Inklusion von Menschen mit Behinderung. Die gesellschaftliche Bereitstellung von Ressourcen für die gezielte pränatale Suche nach Abweichungen und Behinderungen (via Regelfinanzierung durch die Krankenkassen) zeigt, dass es weiterhin als normal und unproblematisch gilt, Behinderung um beinahe jeden Preis vermeiden zu wollen.

Die angenommene Andersartigkeit macht behinderte Menschen zur Projektionsfläche für Ängste vor Schmerzen, Abhängigkeit, Immobilität und Verlust von Kontrolle. Von einer grundlegenden menschlichen Situation werden Verletzlichkeit und Schwäche zu einer Bedrohung der eigenen „Normalität“ und des Selbstbildes als autonomes, selbstbestimmtes Subjekt, das selbstdiszipliniert und -kontrolliert, frei und gesellschaftlich funktionstüchtig ist, die abgewehrt werden muss.

Beiträge zu diesem Thema

  • Kein Grund zum Feiern

    GeN ,

    Anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages befasst sich die  Jungle World Ausgabe # 2021/21 kritisch mit den Nichtinvasiven Pränataltests (NIPT) auf Trisomie 21.

  • Tanz am Abgrund

    GeN ,

    Der diesjährige Welt-Down-Syndrom-Tag (WDST) fällt in Deutschland mitten in eine erbittert geführte Debatte um die bevorstehende Kassenzulassung des Nichtinvasiven Pränataltests (NIPT).

  • Bluttest auf Down-Syndrom

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    GeN ,

    Das Gen-ethische Netzwerk und 25 weitere Organisationen fordern die Abgeordneten des Deutschen Bundestages in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, die Rahmenbedingungen für die Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomie 21 erneut zu beraten.

  • Offener Brief an den Gemeinsamen Bundesausschuss

    Von
    GeN ,

    Als Teil eines breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses fordert das Gen-ethische Netzwerk in einem Offenen Brief den Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), Prof. Josef Hecken, dazu auf, den Beschluss über die Kassenzulassung des vorgeburtlichen Bluttests auf die Trisomien 13, 18 und 21 zurückzustellen.

  • "Die Vermeidbaren"

    Von
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    Als Referentin des interprofessionellen Fachforums "Schwangerschaft als Entscheidungsfall? Wieviel Wissen tut uns gut?" der Diakonie Württemberg am 02.12.2020 sprach Tina Sander über ihre Perspektive auf den vorgeburtlichen Bluttest (NIPT) auf Trisomien als Kassenleistung: