Behinderung

Piktogramm: Paragraf, Erlenmeyerkolben, Faust

Selektive Pränataldiagnostik (PND), die nur nach Normabweichungen sucht und weder die Versorgung der Schwangeren noch die Gesundheit des werdenden Kindes verbessert, verstößt gegen die UN-Behindertenrechtskonvention. Sie konterkariert das gesellschaftliche Ziel der Inklusion von Menschen mit Behinderung. Behinderung wird vielfach immer noch mit Sorgen, Leid und Schmerzen verbunden – eine ableistische/behindertenfeindliche Einstellung. Die gesellschaftliche Bereitstellung von Ressourcen für die gezielte pränatale Suche nach Abweichungen und Behinderungen (via Regelfinanzierung durch die Krankenkassen) zeigt, dass es weiterhin als normal und unproblematisch gilt, Behinderung um beinahe jeden Preis vermeiden zu wollen.

Die angenommene Andersartigkeit macht behinderte Menschen zur Projektionsfläche für Ängste vor Schmerzen, Abhängigkeit, Immobilität und Verlust von Kontrolle. Von einer grundlegenden menschlichen Situation werden Verletzlichkeit und Schwäche zu einer Bedrohung der eigenen „Normalität“ und des Selbstbildes als autonomes, selbstbestimmtes Subjekt, das selbstdiszipliniert und -kontrolliert, frei und gesellschaftlich funktionstüchtig ist, die abgewehrt werden muss.

Beiträge zu diesem Thema

  • Behindert und verrückt feiern

    Ein Foto von Demonstrant*innen bei der Pride Parade 2013
    Von
    GeN

    Nach Pandemie-bedingter Pause ist die „Behindert-und-Verrückt Feiern Pride Parade“ wieder auf der Straße zurück. Die Aktivist*innen wollten die Tradition der Krüppelbewegung und der Disability- bzw. Mad-Pride-Bewegung aufgreifen sowie die Kämpfe behinderter und verrückter Menschen zusammen bringen.

  • „Was, DU willst ein Kind kriegen?“

    Portrait Silja Korn
    Interview mit
    21. August 2023

    Behinderten Menschen werden Kinderwunsch und Elternschaft häufig abgesprochen, ihre reproduktiven Rechte durch gesellschaftliche Vorurteile und diskriminierende Strukturen eingeschränkt. Trotzdem werden behinderte Menschen Eltern und treten für ihre Rechte, angemessene Unterstützung und eine selbstbestimmte Gestaltung ihres Familienalltags ein. Interview mit Silja Korn, Erzieherin, Künstlerin und seit 1991 Mutter eines inzwischen erwachsenen Sohnes.

  • Zwang und Fremdbestimmung

    Bild von Amina
    Von
    21. August 2023

    Im NS wurden ca. 400.000 Menschen zwangssterilisiert. In der BRD wurde diese Praxis bis in die 1980er Jahre nicht als Unrecht anerkannt. Sterilisationen an behinderten Menschen gegen deren erklärten Willen wurden erst 1992 verboten, eine Sonderregelung für als „nicht einwilligungsfähige“ Personen wurde im Januar 2023 gestrichen. Ist damit nun endlich alles gut?

  • „Es braucht eine Aufarbeitung dieser Form der staatlichen Gewalt an behinderten Körpern.“

    Porträtfoto von Suna Kircali. Suna hat kurze, dunkle Haare, schaut in Richtung Kamera und trägt einen Kapuzenpullover.
    Interview mit

    In der Schweiz läuft derzeit die Kampagne „Stoppt Zwangssterilisationen“, die sich gegen die Sterilisation an Menschen richtet, die als „urteilsunfähig“ gelten. Worum es in der Kampagne geht, berichtet uns Suna Kircali vom Verein avanti donne.

  • Tagungsdoku zum Download bereit

    Sharepic zum Bewerben der Tagungsdoku. Am oberen und unteren Bildrand jeweils die Logos des Netzwerks gegen Selektion durch Pränataldiagnostik und vom Bündnis NoNIPT. Mittig der Text: Der NIPT auf Trisomien als Kassenleistung. Netzwerktagung 2022. Die Tagungsdokumentation steht zum Download bereit.
    Von

    Im Herbst 2022 führten das Bündnis #NoNIPT und das Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik eine gemeinsame Tagung unter dem Titel „Der NIPT auf Trisomien als Kassenleistung: selbstbestimmte Entscheidung oder gesellschaftlich erwünschte Selektion?!“ durch.