Gesundheitssystem

Piktogramm: Paragraf, Erlenmeyerkolben, Faust

Die öffentliche Gesundheitsversorgung wird zunehmend privatisiert, ökonomisiert und individualisiert. Kostenersparnis, Prävention und individuelle Risikovermeidung sind die gesundheitspolitischen Ziele. Die frühzeitige „Erkennung“ vermeintlicher individueller Gesundheitsrisiken soll Menschen befähigen, Krankheiten vorzubeugen, macht sie jedoch auch individuell für den Erhalt der eigenen Gesundheit verantwortlich.

Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte soll Patient*innendaten aus verschiedenen Quellen digital zusammenführen und auslesbar machen. Versprochen werden eine höhere Effizienz, eine maßgeschneiderte, individualisierte Medizin und eine bessere Versorgung. Tatsächlich entstehen immense Risiken für die Daten- und Versorgungssicherheit. Die Versprechungen der „individualisierten Medizin“ erweisen sich häufig als leer, treiben aber die Idee der individuellen Verantwortung für die eigene Gesundheit voran.

Beiträge zu diesem Thema

  • Corona – Gesundheitspolitische Perspektiven auf die Zeit des Lockdowns

    GID-Ausgabe
    254
    vom
    August 2020

    Die Auswirkungen der Coronapandemie demaskieren viele Schwachstellen des deutschen Gesundheitssystems. Schon vorher dagewesene soziale Ungleichheiten und strukturelle Diskriminierungen gewinnen durch die Coronakrise an Intensität und Sichtbarkeit.

    Titelbild GID 254

  • Corona, Biopolitik und Rassismus

    Virus macht krank

    Mit Michel Foucaults Begriff der Biopolitik lassen sich die beispiellosen politischen Entscheidungen der letzten Monate als Versuch der Erhaltung einer gesunden und damit produktiven Bevölkerung lesen. Rassismus ist jedoch inhärenter Teil dieser Biopolitik.

  • Selbstbestimmt gebären trotz Pandemie?

    Von
    12. August 2020

    Die Sicherheitsvorkehrungen zur Eindämmung des Infektionsrisikos mit dem Coronavirus wirkten sich massiv auf Schwangere, Gebärende und Familien im Wochenbett aus.

  • Grundversorgung – auch für ungewollt Schwangere

    Foto: © Alicia Baier
    Interview mit
    11. August 2020

    Gleich zu Beginn der Pandemie zeigte sich deutlich: Der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen war für viele Betroffene komplizierter denn je. Was sind die Ursachen und was können wir diesbezüglich aus der Coronakrise lernen? Interview mit
    Alicia Baier – Ärztin, Vorstandsmitglied und Mitbegründerin des Vereins Doctors for Choice Germany (DfC).

  • Menschenrechte in der Krise

    Von
    10. August 2020

    Wie unter einem Brennglas zeigt sich in der Bewältigung der Coronapandemie die strukturelle Benachteiligung behinderter Menschen. Für den Fall einer Überlastung des Gesundheitssystems wären einige gar von lebensrettenden Maßnahmen ausgeschlossen.