Wissenschaftskritik

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Wissenschaft wird von Seiten staatlicher Forschungspolitik seit Jahrzehnten als Ausgangspunkt ökonomischen Wachstums betrachtet. Die Förderpolitik zielt in erster Linie auf die Entwicklung ökonomischer Potenziale und vermarktbarer Produkte. Die kooperierende Industrie ist jedoch kein neutraler Partner, sondern beeinflusst – wie viele Studien belegen – oftmals das Ergebnis der von ihr finanzierten Forschung und die Publikation der Ergebnisse.

Durch diese zunehmende Ökonomisierung stehen auch Grundlagenforscher*innen unter dem Druck, spektakuläre Ergebnisse zu produzieren und zu vermarkten. Die Kommunikationsabteilungen wissenschaftlicher Institute tragen dazu bei, mediale Hypes und uneinlösbare Versprechen zu erzeugen. Kein Wunder also, dass Studien immer wieder zeigen, dass ein großer Teil der Forschungsergebnisse nicht reproduzierbar ist.

Beiträge zu diesem Thema

  • „Biokapital“ - neue Impulse für die Kritik

    23. November 2009

    Mit seinem Anfang des Jahres auf Deutsch erschienenen Buch „Biokapitalismus“ hat der US-amerikanische Wissenschaftsanthropologe Kaushik Sunder Rajan der Debatte zum Verhältnis von Lebenswissenschaften und Ökonomie einen neuen Impuls hinzugefügt. Mit dem „Biokapital“ unternimmt Rajan den Versuch, analog zum Finanz- oder Kaufmannskapital eine besondere historische Ausprägung kapitalistischer Wertschöpfungsformen zu benennen.

  • Ein platter Reifen voller Gene

    20. November 2009

    Evelyn Fox Keller gehört zu denjenigen, die in den achtziger Jahren die feministische Wissenschaftskritik mit auf den Weg gebracht haben. Gegenstand ihrer Kritik waren immer wieder die Genetik und der genetische Reduktionismus. Zuletzt hat die gelernte Biologin die Gen-Fixierung ihrer Zunft einer historischen Kritik unterzogen. Das Interview ist also ein besonders kompetenter Geburtstagsgruß zum 100. Geburtstag des „Gens”.

  • Radikale Technikkritik

    Von
    10. September 2009

    Kann man über Technik und Technologien diskutieren, ohne über die Wissenschaft zu reden? Rainer Hohlfeld hat in seinem Beitrag (GID 193) das Theorem der Unschuld der Produktivkräfte sehr deutlich auseinandergepflückt und damit auf den Herrschaftscharakter der instrumentellen Vernunft hingewiesen. Das Problem liegt also viel tiefer: im Zusammenhang von Technik und Wissenschaft, Vernunft und Herrschaft.

  • Evolution: Mehr als Gene und Zufall

    Von
    10. September 2009

    Evolution ist ein höchst komplexes Geschehen. Nicht nur die Gene, sondern auch epigenetische, kulturelle und symbolische Ebenen sind daran beteiligt.