Pränataldiagnostik

Seit der Einführung des Ultraschalls in die Regelversorgung von Schwangeren 1979 hat sich die pränatale Suche nach vermeintlichen Beeinträchtigungen des Fötus zu einem normalen Bestandteil der Schwangerenversorgung entwickelt. Selektive Pränataldiagnostik (PND) verbessert weder die Versorgung der Schwangeren noch die Gesundheit des werdenden Kindes, sondern erzeugt und verstärkt Ängste - die versprochene Sicherheit ist so nicht zu erreichen. Oft steht die Schwangere vor der Entscheidung, das gewollte Kind „trotzdem“ zu bekommen oder abzutreiben.

Die ausufernde Risikoabschätzung wird durch eine Logik von Angebot und Nachfrage bestimmt, die technische Entwicklung bestimmt das Tempo. Zuletzt wurden die nicht invasiven Tests (NIPT) auf die Trisomien 3,18 und 21 in die Krankenkassen-Regelversorgung aufgenommen. Das Gen-ethische Netzwerk hat sich dem jahrelang entgegenstellt. Denn die selektive Fahndung nach Abweichungen von einer gedachten Norm verstößt gegen die UN-Behindertenrechtskonvention. Das GeN tritt in der Tradition der feministischen Kritik an Gen- und Reproduktionstechnologien für ein Recht auf Abtreibung ein, wendet sich aber gegen die behindertenfeindliche pränatale Suche nach Behinderungen.

Beiträge zu diesem Thema

  • Datenschutzrisiko Pränataltest

    Interview mit
    Thilo Weichert , 9. November 2021

    Im Juli ging durch die Medien, dass eine staatliche Firma in China – durch einen weltweit vertriebenen Pränataltest – die genetischen Daten von Millionen Schwangeren sammelt und auswertet. In Deutschland wird dieser Test unter dem Namen PreviaTest von der Firma Eluthia verkauft.

  • Bluttests & Lachspatente

    Von
    GeN ,

    Am 19. November stellt das Gen-ethische Netzwerk in einer Online-Veranstaltung zwei aktuelle Themen aus den Arbeitsbereichen des Vereins vor. Die digitale Vorabendveranstaltung zur Mitgliederversammlung ist offen für alle Interessierten und bietet die Chance den Verein und seine Mitarbeiter*innen näher kennenzulernen.

  • Für einen antiableistischen Feminismus!

    Von
    Taleo Stüwe ,

    Am 18. September 2021 fand wieder einmal der "Marsch für das Leben" in Berlin statt. Verschiedene feministische Bündnisse riefen zu Protesten gegen diese Anti-Choice-Demonstration auf und organisierten eigene Demos und Aktionen für sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung.
    Das GeN beteiligte sich mit einem Redebeitrag zu Pränataldiagnostik auf der queerfeministischen Vorabenddemo (17.09.21) sowie der Kundgebung (18.09.21) vom What the Fuck Bündnis, der hier nachgelesen werden kann.

  • Selektive Pränataldiagnostik – Wollen wir das wirklich?

    Von
    Taleo Stüwe ,

    Zusammen mit den anderen Mitgliedern des #NoNIPT Bündnis gegen die Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien hat das GeN die vielfältigen Perspektiven der Kampagne "100 Stimmen für #NoNIPT" zum Nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) auf Trisomien, Hintergrundinformationen und Kritikpunkte in einer Broschüre veröffentlicht.

  • Trotz lautem Protest aus der Zivilgesellschaft

    Von
    GeN ,

    (Berlin, 19.08.2021) Am heutigen Donnerstag wird der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) voraussichtlich den letzten Schritt in einem umstrittenen Bewertungsverfahren tun und die Versicherteninformation zum Nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) in die Mutterschafts-Richtlinien aufnehmen.