Pränataldiagnostik

Seit der Einführung des Ultraschalls in die Regelversorgung von Schwangeren 1979 hat sich die pränatale Suche nach vermeintlichen Beeinträchtigungen des Fötus zu einem normalen Bestandteil der Schwangerenversorgung entwickelt. Selektive Pränataldiagnostik (PND) verbessert weder die Versorgung der Schwangeren noch die Gesundheit des werdenden Kindes, sondern erzeugt und verstärkt Ängste - die versprochene Sicherheit ist so nicht zu erreichen. Oft steht die Schwangere vor der Entscheidung, das gewollte Kind „trotzdem“ zu bekommen oder abzutreiben.

Die ausufernde Risikoabschätzung wird durch eine Logik von Angebot und Nachfrage bestimmt, die technische Entwicklung bestimmt das Tempo. Zuletzt wurden die nicht invasiven Tests (NIPT) auf die Trisomien 3,18 und 21 in die Krankenkassen-Regelversorgung aufgenommen. Das Gen-ethische Netzwerk hat sich dem jahrelang entgegenstellt. Denn die selektive Fahndung nach Abweichungen von einer gedachten Norm verstößt gegen die UN-Behindertenrechtskonvention. Das GeN tritt in der Tradition der feministischen Kritik an Gen- und Reproduktionstechnologien für ein Recht auf Abtreibung ein, wendet sich aber gegen die behindertenfeindliche pränatale Suche nach Behinderungen.

Beiträge zu diesem Thema

  • Der Protest muss wieder lauter werden!

    Interview mit
    Hannelore Witkofski ,

    Die Behindertenaktivistin Hannelore Witkofski kritisiert den G-BA-Beschluss Bluttests für Schwangere auf Trisomie21 zur Kassenleistung zu machen. Sie befürchtet die Ausweitung pränataler Screenings und ruft zu mehr Widerstand auf.

  • Anfang der Ausweitung

    Von
    Kirsten Achtelik , 22. November 2019

    Entgegen mannigfaltiger Kritik beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 19. September die nicht invasiven pränatalen Tests (NIPT) auf die Trisomien 21, 13 und 18 in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen.

  • "Man kann niemanden dazu zwingen, ein Kind zu bekommen"

    Von
    GeN ,

    Die GeN-Mitarbeiterin Kirsten Achtelik kritisierte am 12. Oktober in einem Interview mit der Zeitung DerStandard die Idee, Menschenrechte auf Föten auszudehnen. Was das Thema Abbruch bei Behinderung betrifft, müssten Feministinnen aber genauer hinsehen.

  • Richtungsweisende Fehleinschätzung

    Von
    Kirsten Achtelik ,

    Der nicht invasive Bluttest (NIPT) auf die Trisomien 13, 18 und 21 wird zur Kassenleistung, das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das oberste Selbstverwaltungsgremium im deutschen Gesundheitswesen, am 19. September 2019 beschlossen.

  • „Kassenleistung Chromosomen-Check“

    Von
    GeN ,

    Eine Reportage des MDR zur Kassenzulassung des Bluttest beleuchtet verschiedenen Aspekte. Auch GeN-Mitarbeiterin Kirsten Achtelik kommt zu Wort. Hier geht es zu dem Beitrag.