Gentests und Genomsequenzierung

Die vollständige Sequenzierung der menschlichen DNA war das große Projekt der 1990er Jahre, die Kosten des Human Genome Projects betrugen drei Milliarden US-Dollar. Mittlerweile werden die Tests immer schneller und billiger. Die Anzahl kommerzieller Anbieter, die ihren Kund*innen eindeutige Aussagen zu Gesundheitsrisiken oder Lebensstilfragen durch Sequenzierung ihres Genoms oder einzelner Genvarianten versprechen, steigt. Doch wie oft die Sequenzierung des gesamten Genoms oder Exoms (dem proteinkodierenden Bereich) tatsächlich zu einer Diagnose führt, darüber ist wenig zu erfahren.

Auch ist umstritten, inwieweit genetische Informationen solche Rückschlüsse zulassen. Denn der tatsächliche kausale Zusammenhang von abweichenden Genvarianten mit möglichen Konsequenzen für die Gesundheit ist für die allermeisten Erkrankungen unbekannt. Das GeN kritisiert, dass die Entscheidung für eine Sequenzierung angesichts möglicher nicht interpretierbarer Ergebnisse und Nebenbefunde kaum als eine „informierte“ zu bezeichnen ist.

Beiträge zu diesem Thema

  • Genetische Diskriminierung - ein Forschungsprojekt

    Je mehr das genetische Wissen wächst, desto eher werden Menschen anhand ihrer genetischen Merkmale typisiert und klassifiziert - und unter Umständen auch stigmatisiert und benachteiligt. Wie sich „genetische Diskriminierung“ hierzulande ausprägt und von Betroffenen erfahren wird, dazu forschen SozialwissenschaftlerInnen in Frankfurt und Hamburg.

  • Personalisierte Unmündigkeit

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    Zur Rationalität der Nutrigenomik und ihren Funktionen

    Nutrigenomik ist nicht nur als Forschungsansatz fragwürdig. Auch die mit dem Konzept transportierten Vorstellungen von Mündigkeit, Aufgeklärtheit und Freiheit bedürfen einer kritischen Betrachtung: Sie überdecken unausgesprochene Aufforderungen, stille Zwänge und einen der Nutrigenomik inhärenten Gen-Determinismus.

  • Die Gen-Maus: geplantes Leid

    Uwe Wendling , 31. Oktober 2011
    Die Gentechnik treibt die Tierversuchszahlen in die Höhe. Wenn gentechnisch veränderte Mäuse als Modelle für menschliche Krankheiten benutzt werden, ist ihr Leiden eingeplant - und von zweifelhaftem Nutzen.

  • Genetischer Postdeterminismus

    Vanessa Lux , 31. Oktober 2011

    An der psychiatrischen Genetik ist der Paradigmenwechsel in der Genomforschung nicht spurlos vorbeigegangen, die Abkehr vom genetischen Determinismus hat ihr methodisches Gerüst erschüttert - und dennoch wird weitergemacht wie bisher.