Gentests und Genomsequenzierung

Die vollständige Sequenzierung der menschlichen DNA war das große Projekt der 1990er Jahre, die Kosten des Human Genome Projects betrugen drei Milliarden US-Dollar. Mittlerweile werden die Tests immer schneller und billiger. Die Anzahl kommerzieller Anbieter, die ihren KundInnen eindeutige Aussagen zu Gesundheitsrisiken oder Lebensstilfragen durch Sequenzierung ihres Genoms oder einzelner Genvarianten versprechen, steigt. Doch wie oft die Sequenzierung des gesamten Genoms oder Exoms (dem proteinkodierenden Bereich) tatsächlich zu einer Diagnose führt, darüber ist wenig zu erfahren.

Auch ist umstritten, inwieweit genetische Informationen solche Rückschlüsse zulassen. Denn der tatsächliche kausale Zusammenhang von abweichenden Genvarianten mit möglichen Konsequenzen für die Gesundheit ist für die allermeisten Erkrankungen unbekannt. Das GeN kritisiert, dass die Entscheidung für eine Sequenzierung angesichts möglicher nicht interpretierbarer Ergebnisse und Nebenbefunde kaum als eine „informierte“ zu bezeichnen ist.

Beiträge zu diesem Thema

  • Gesetzlich garantierte Verantwortung

    Von Uta Wagenmann , 20. April 2016

    Aus der Geschichte von Bevölkerungspolitik, Vererbungslehre und Genetik ist die Beratung nicht wegzudenken. Dennoch ist der heutige Beratungsimperativ keinesfalls das simple Ergebnis eugenischer Kontinuität. Ein Blick auf gesetzgeberische Intentionen und die Praxis.

  • Freier Handel mit Gentests?

    Von Uta Wagenmann , 5. November 2015

    Die Regulierung von Medizinprodukten in der EU hat mit Verbraucherschutz und Patientensicherheit wenig zu tun - außer bei Gentests. Hier könnte TTIP eine umfassende Liberalisierung einläuten.

  • Sieht aus, als sei ich normal

    Von Anja Hümpel, Julia Diekämper , 8. September 2015

    Hochdurchsatzverfahren finden auch bei direkt angebotenen Gentests (direct-to-consumer, DTC) Anwendung. Auf diesem Markt kommt es nicht nur zu Rechtskonflikten, dort wird auch die alte Geschichte vom Wissen der Gene erzählt.

  • Sequenzierung in Europa

    Von Clemens Müller-Reible , 8. September 2015

    Der Einsatz von Hochdurchsatzverfahren in der genetischen Diagnostik ist erst seit wenigen Jahren möglich. In welchem Ausmaß er stattfindet, hängt von Kostenerstattungssystemen und gesetzlichen Bestimmungen ab - das zeigt ein Blick auf europäische Nachbarländer.