Brief an die EU-Kommission

(23. Mai 2019) Über 40 Organisationen warnen davor, dass die derzeitige EU-Kommission vor dem Herbst noch rund ein Dutzend Zulassungen für Gentechnik-Pflanzen erteilen könnte, obwohl deren Risikobewertung wissenschaftlich unzureichend ist.

Maiskolben

Der Brief wurde unter anderem unterzeichnet von: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Corporate Europe Observatory (CEO), European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER), Friends of the Earth Europe (FOEE), Gen-ethisches Netzwerk (GeN), GeneWatch UK, Global 2000, Save our Seeds (SOS), Slow Food Deutschland, Testbiotech. Sie fordern höhere Standards in der Risikoprüfung von gentechnisch veränderten Organismen. Dem Schutz von Umwelt und VerbraucherInnen müsse in Zukunft höchste Priorität eingeräumt werden.

Zur Zulassung angemeldet und von der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) bereits geprüft sind derzeit mindestens zwölf Anträge. Drei Gentechnik-Mais-Varianten, die Insektengifte produzieren, sind für den Anbau vorgesehen. Darunter ist auch der in Spanien bereits angebaute Mais MON 810 (Bayer/Monsanto), dessen Zulassung verlängert werden soll. Es droht die unkontrollierte Ausbreitung dieser Gentechnik-Pflanzen: Seit einigen Jahren ist eine mit dem Mais verwandte Wildpflanzen (Teosinte) in Spanien heimisch. Teosinte kann mit dem Mais hybridisieren und Nachkommen mit unerwarteten Eigenschaften und Risiken für die Umwelt hervorbringen.

Viele der Pflanzen sind mehrfach gentechnisch verändert. Darunter sind Mais-Varianten, die bis zu sechs Insektengifte produzieren und gleich mit mehreren Herbiziden gespritzt werden können. Die Wechselwirkungen der verschiedenen Giftstoffe und deren Folgen für die Lebensmittelsicherheit wurden nicht untersucht.

Eine der für den Import vorgesehenen Maispflanzen ist zusätzlich mit neuartigen Risiken verbunden: Der Mais MON 87411 produziert eine sogenannte doppelsträngige RNA (dsRNA). Die biologisch wirksamen Moleküle werden von den Insekten beim Verzehr der Pflanzen über den Darm aufgenommen und können dann in Genregulation und Zellstoffwechsel eingreifen. Dadurch sollen Insekten, die von den Pflanzen fressen, getötet werden. Die Sicherheit der Maispflanzen in Bezug auf Mensch und Umwelt lässt sich nicht verlässlich abschätzen, weil die damit zusammenhängenden biologischen Mechanismen sehr komplex sind.

Schon jetzt sind fast 70 Gentechnik-Pflanzen für den Import und die Verwendung in Lebens- und Futtermitteln zugelassen. Über die Kombinations- und Langzeitwirkung des Verzehrs einer Mischung dieser Pflanzen gibt es keine Untersuchungen. Das EU-Parlament hat sich in den letzten Jahren mehrfach gegen weitere Zulassungen ausgesprochen. Jedoch wurden diese Resolutionen von der EU-Kommission nicht berücksichtigt. Jetzt befürchten die UnterzeichnerInnen des Briefes, dass die derzeitige EU-Kommission, die nur noch bis Herbst im Amt ist, ein weiteres Dutzend dieser risikobehafteten Pflanzen in der EU zulassen könnte.
 
Kontakt:
Christoph Then, Tel. 0151 54638040, info@testbiotech.org

Weitere Informationen:

Der Brief

Die Unterzeichner

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), www.abl-ev.de/

Arche Noah, www.arche-noah.at/

Agri-Activism UK, www.facebook.com/pages/category/Community/Agri-activism-UK-162365424104…

ARGE Gentechnik-frei, www.gentechnikfrei.at/

Beyond GM, https://beyond-gm.org/

Bioland e.V., www.bioland.de/ueber-uns/bioland-ev.html

Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e. V. (BDM), http://bdm-verband.org/html/

Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V., www.n-bnn.de

BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN), www.bund-naturschutz.de

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), www.bund.net/

Corporate Europe Observatory (CEO), https://corporateeurope.org/en

Deutscher Naturschutzring (DNR) e.V., www.dnr.de

Die Freien Bäcker e.V., www.die-freien-baecker.de/

EcoNexus, www.econexus.info

European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER), https://ensser.org/

EUROPAEM e.V., European Academy for Environmental Medicine, www.europaem.eu

FIAN Deutschland, www.fian.de

Forschung & Züchtung - LBS Dottenfelderhof e.V., www.forschung-dottenfelderhof.de

Friends of the Earth Europe (FOEE), www.foeeurope.org/

Gäa e.V.- Vereinigung ökologischer Landbau, www.gaea.de

Gene Ethical Network (GeN), http://gen-ethisches-netzwerk.de/

GEN Genetic Engineering Network UK, http://www.genetwork.info/

GeneWatch UK, www.genewatch.org/

Global 2000, www.global2000.at/

GM Free Cymru, www.gmfreecymru.org.uk/

GM Freeze, www.gmfreeze.org/

GMWatch, www.gmwatch.org/en/

grassroots foundation, www.grassroots.de/

IG Saatgut, www.gentechnikfreie-saat.org/

Naturschutzbund Deutschland (NABU), www.NABU.de

Navdanya International, www.navdanyainternational.org

Noah, Friends of the Earth Denmark, http://www.noah.dk/

Ökologischer Ärztebund e.V., ÖÄB, www.oekologischer-aerztebund.de

OGMDangers, www.OGMdangers.org

Sativa, www.sativa-biosaatgut.de/

Save our Seeds (SOS), www.saveourseeds.org/

Slow Food Germany, www.slowfood.de/

Testbiotech, www.testbiotech.org

Verband Katholisches Landvolk e.V., www.landvolk.de

WeMove Europe, www.WeMove.EU

Za Zemiata, Friends of the Earth Bulgaria, www.zazemiata.org

Zivilcourage, www.zivilcourage.ro

Zukunftsstiftung Landwirtschaft, www.zukunftsstiftung-landwirtschaft.de

 

Gen-ethisches Netzwerk e.V.

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28. Mai 2019

Pressekontakt im GeN:

Judith Düesberg, GeN - Gen-ethisches Netzwerk e.V.
Tel.: 030/685 7073
E-Mail: Judith.dueesberg[at]gen-ethisches-netzwerk.de