Rezension

Fragwürdige Unterhaltung

In schillernden Farben, mit viel Musik und Slow-Motion-Effekten begleiten die Zuschauer*innen ein wohlhabendes, weißes, amerikanisches Hetero-Paar mit verzweifeltem Kinderwunsch nach Indien – auf die Suche nach einem „jungen gesunden Mädchen“, das ihr Kind austragen soll. In Mimi finden sie die perfekte Kandidatin. Sie wiederum möchte sich mit dem Geld aus der „Leihmutterschaft“ ihren Traum erfüllen, eine berühmte Bollywood-Schauspielerin zu werden. Wohl um zumindest ein wenig Realitätsbezug zu wahren, setzt die Filmhandlung im Jahr 2013 an. Kontaktvermittlung, Vertragsschließung, die Schwangerschaft sowie die vorgeburtlichen Untersuchungen in einer spezialisierten Reproduktionsklinik finden also vor dem indischen Verbot der kommerziellen „Leihmutterschaft“ 2016 statt. Ein vorgeburtlich diagnostiziertes Down-Syndrom des Fötus, welches die Bestelleltern dazu veranlasst ohne ein Wort an Mimi abzureisen, weil sie „ein perfektes, gesundes Kind“ wollten, bauscht die Storyline zusätzlich auf und erhöht den Drama-Faktor. Immerhin werden die Zuschauer*innen vorgewarnt: Gleich im Vorspann wird klargestellt, der Film sei kein Kommentar zum Prozess der „Leihmutterschaft“ in Indien, er sei ausschließlich für Unterhaltungszwecke bestimmt. Allerdings will das komplexe Thema einfach nicht in die Schablone einer amüsanten „Dramödie“ passen. Auch abgesehen von dem Bild, das der Film von „Leihmutterschaft“ und Reproduktionstourismus zeichnet, bleibt eine angenehme Unterhaltung angesichts der vielen rassistischen, klassistischen, ableistischen und sexistischen Bemerkungen aus.

➤ Laxman Utekar (2021): Mimi. Indien, Netflix. 132 Min., verfügbar auf Netflix. Trailer unter: www.kurzelinks.de/gid259-tc.

 

Taleo Stüwe ist Mediziner*in und Mitarbeiter*in des GeN.

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
259
vom November 2021
Seite 37 - 38

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